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20.01.2022

Wo Natur und Kultur Spuren hinterlassen haben

Teil des kantonalen Landschaftsschutz-Inventars: Die Hochstamm-Obstbaumlandschaft Kappel. (Bild zvg.)

Teil des kantonalen Landschaftsschutz-Inventars: Die Hochstamm-Obstbaumlandschaft Kappel. (Bild zvg.)

Das Knonauer Amt punktet mit seiner landschaftlichen Vielfalt. Einige besonders charakteristische, einzigartige und prägende Landschaften sind im kantonalen Schutzinventar erfasst. Dieses wurde nun nach 40 Jahren überarbeitet.

Von: Thomas Stöckli

Im Knonauer Amt hat insbesondere der Reussgletscher topografisch Spuren hinterlassen, die noch heute prägnant sind. Von der würmzeitlichen Endmoränenlandschaft Feldenmas/Schladhau im Unteramt bis zu den «Drumlins» – langgestreckte gerundete Schotterhügel – in Knonau, Mettmenstetten und Kappel. Selbst die Mulde des Türlersees geht auf den Gletscher zurück. Dass der See sich aufstauen konnte, ist Folge ­eines nacheiszeitlichen Bergsturzes.

Nach der Eiszeit schuf die Reuss in Ottenbach, Obfelden und Maschwanden eine vielfältige Flusslandschaft mit ­einem Mosaik aus Auen- und Hang­wäldern, Moorbiotopen und Altwassern, deren einstiger Verlauf teilweise noch erkennbar ist. Die Maschwander Allmend ist Teil einer Riedlandschaft sowie einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung, die in ihrer Ausdehnung schweizweit einzigartig ist.

Charakteristik erhalten

Solche vielfältigen Landschaften sind Lebens-, Kultur- sowie Wirtschaftsraum und tragen zur Identität eines Ortes oder einer Region bei. Damit auch kommende Generationen qualitativ hochwertige Landschaften erleben können, sollen herausragende und prägende Räume in ihren Charakteristika erhalten bleiben.

Das bisher geltende kantonale ­Inventar der Landschaftsschutzobjekte wurde 1980 festgesetzt. Die starke Bautätigkeit der letzten 40 Jahre bewirkte, dass einige der bedeutenden Landschaftselemente und -formen sehr stark beeinträchtigt oder gar zerstört wurden. Deshalb fand eine grundlegende Überarbeitung und Neufestsetzung statt. «Es ist eine Bestandesaufnahme von potenziell schützenswerten Landschaften», teilt die Baudirektion mit. «Die Bezeichnung der potenziellen Schutzobjekte stellt sicher, dass bei späteren Entwicklungen, bei welchen diese Objekte tangiert werden, die verschiedenen öffentlichen und privaten Interessen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden können.»

Aktuellem Landschaftsverständnis gerecht werden

Das überarbeitete Inventar teilt die charakteristischen und prägenden Landschaftstypen – in Anlehnung an die Typisierung der Landschaften des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) – neu den beiden Kategorien «Naturlandschaften» und «Kulturlandschaften» zu. Als Beispiel für letzteres sei das grösstenteils bewaldete Gebiet Allmend nordöstlich von Affoltern erwähnt. Hier haben sich verschiedene Relikte historischer ­Bewirtschaftung erhalten, darunter Hohlwege, Terrassierungen und Weidemauern, die für die Region charakteristisch sind. Ab der Jungsteinzeit (5500-2200 v. Chr.) liegen für das Knonauer Amt erste Hinweise auf eine permanente Besiedlung vor.

Mit dieser Einteilung komme das Inventar dem aktuellen Landschaftsverständnis nach, dem sich die Schweiz unter anderem mit der Ratifizierung des europäischen Landschaftsübereinkommens angenommen habe, heisst es bei der Baudirektion. «Es fokussiert sich – im Unterschied zum bisher gültigen ­Inventar 80 – nicht nur vorwiegend auf geomorphologisch und geologisch ­geprägte Landschaften, sondern auf ­verschiedenste Landschaftstypen im ­Bereich von Natur- und Kulturlandschaften wie Gewässer- und Waldlandschaften, geologische Zeitzeugen, Agrar- und Kulturerbelandschaften, Hecken-, Reb- oder Hochstammobstlandschaften.» ­Indem ganze zusammenhängende Landschaftsräume anstelle einzelner Objekte inventarisiert wurden, ist für besonders charakteristische Merkmale auch der Umgebungsschutz gewährleistet.

Transparenz und Planungssicherheit

Das neue Inventar führt im Bezirk Affoltern 19 Objekte. Mit der Aufnahme wird dokumentiert, dass eine Schutzvermutung besteht. Sollte es zu einem konkreten Eingriff in eine potenziell schützenswerte Landschaft kommen, wird in ­einem weiteren Schritt der Schutz ­abgeklärt. «Ein definitiver Schutzentscheid wird erst getroffen, wenn aufgrund eines konkreten Bauprojekts oder anderer Umstände der mögliche Schutzzweck eines Objekts, wie er im Inventar festgelegt ist, beeinträchtigt werden könnte», heisst es beim Tiefbauamt. ­Zusammen mit anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen sind die Inventare somit wichtige Arbeitsgrundlagen in Planungs- und Bauprojekten.