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13.06.2022

«Sie sind die Chefinnen!»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga (Mitte) begrüsste auch die vier Säuliämtler Gemeindepräsidentinnen. Von links: Nadia Hausheer (Aeugst), Gaby Noser Fanger (Ottenbach), Katrin Röthlisberger (Wettswil) und Esther Breitenmoser (Knonau). (Bild Marianne Voss)

Bundesrätin Simonetta Sommaruga (Mitte) begrüsste auch die vier Säuliämtler Gemeindepräsidentinnen. Von links: Nadia Hausheer (Aeugst), Gaby Noser Fanger (Ottenbach), Katrin Röthlisberger (Wettswil) und Esther Breitenmoser (Knonau). (Bild Marianne Voss)

Die vier amtierenden Gemeindepräsidentinnen aus dem Bezirk Affoltern reisten auf Einladung von Bundesrätin Simonetta Sommaruga am vergangenen Samstag nach Bern und erlebten einen spannenden und ­bereichernden Tag.

Von: Marianne Voss

Eigentlich war die Einladung für den internationalen Tag der Frau am 8. März 2020 geplant gewesen. Simonetta Sommaruga war damals Bundespräsidentin und wollte alle Stadt- und Gemeindepräsidentinnen der Schweiz zu einem Treffen einladen. In der Schweiz gibt es knapp 2150 Gemeinden. In rund 350 Gemeinden steht eine Frau an der Spitze. Der geplante Anlass konnte wegen Corona nicht durchgeführt werden und wurde mehrmals verschoben – und die Bundesrätin hatte sich mit der Lösung schwerwiegender Probleme zu befassen. Am vergangenen Samstag war es endlich so weit. 160 Stadt- und Gemeindepräsidentinnen nahmen die Einladung der Bundesrätin an und reisten nach Bern ins Gymnasium Neufeld. Unter ihnen waren auch die vier Gemeindepräsidentinnen aus dem Säuliamt: Esther Breitenmoser (Knonau), Nadia Hausheer (Aeugst), Gaby Noser (Ottenbach) und Katrin Röthlisberger (Wettswil).

Exponiert sein und Verantwortung tragen

Der offizielle Teil in der Aula begann mit einem fröhlichen Lied, vorgetragen durch den Chor des Gymnasiums. Danach begrüsste Bundesrätin Simonetta Sommaruga die Frauen in den vier Landes­sprachen zum ersten Treffen dieser Art. «Endlich darf ich Sie begrüssen!», betonte sie. «Ich wusste immer, wir holen das nach. Wir Frauen sind so, wir geben nicht auf.» In ihrer ruhigen, freundlichen Art erklärte sie: «Es hat mich schon vorhin beim Apéro berührt, so viele Frauen vor mir zu sehen, die heute miteinander den Austausch pflegen. Sie sind Präsidentinnen aus Städten, Dörfern, aus allen Kantonen, junge und ältere. Und sie haben alle etwas gemeinsam: Sie sind die Chefinnen!» Manchmal sei man als Chefin sehr allein, meistens, wenn es um schwierige Entscheide gehe. «Das kennen Sie sicher alle auch.» Als Gemeindepräsidentin sei es aber auch möglich, das Leben im Dorf zu beeinflussen. «Sie haben Macht. Das ist manchmal schön, manchmal aber auch anstrengend.» Denn Macht bedeute zugleich, exponiert zu sein und Verantwortung zu tragen. In 16 Prozent aller Gemeinden der Schweiz amte zurzeit eine Frau als Präsidentin. Humorvoll stellte sie die offene Frage in den Raum: «Wie sähe die Schweiz wohl aus, wenn 84 Prozent der Gemeinden von Frauen geleitet würden?»

Nach einem spannenden Podiums­gespräch mit vier Stadt- und Gemeindepräsidentinnen aus allen Landesteilen dankte die Bundesrätin ihren Gästen ganz herzlich und gab ihrer grossen Freude Ausdruck: «Ich bin überwältigt. Ich habe heute Vormittag so viel Kraft, Elan, aber auch Verschiedenheit gespürt. Das ist einfach toll.» Die Unterschiede seien ein grosser Mehrwert. «Verschiedensein, das ist auch unsere Stärke. Die Vielfalt ist ein Abbild unserer Schweiz.» Und zum Schluss fügte sie schmunzelnd an: «Ich wünsche mir aber in Zukunft schon ein paar Präsidentinnen mehr als 16 Prozent.»