Bezirk Affoltern
16.06.2022

Chirurgie nur noch bis Ende Jahr

Die Palliativmedizin soll ein Kerngebiet bleiben. Spitaldirektor Lukas Rist (rechts) und VR-Präsident Stefan Gyseler vor der «Villa Sonnenberg». (Bild Thomas Stöckli)

Die Palliativmedizin soll ein Kerngebiet bleiben. Spitaldirektor Lukas Rist (rechts) und VR-Präsident Stefan Gyseler vor der «Villa Sonnenberg». (Bild Thomas Stöckli)

Das Spital Affoltern konzentriert sich künftig auf seine Kern­kompetenzen in den Bereichen Alters- und Palliativmedizin sowie ­Psychiatrie. Das Angebot im Bereich Chirurgie wird bereits per Ende 2022 eingestellt.

Von: von Thomas Stöckli

Den Leistungsauftrag für die Psychiatrie – inklusive Mutter-Kind-Abteilung (MuKi) – hat das Spital Affoltern bereits in der Tasche, und auch was die weiteren Paradedisziplinen Akutgeriatrie und Palliative Care betrifft, stehen die Zeichen gemäss Austausch mit der Gesundheitsdirektion auf «Go», auch wenn man den Regierungsratsbeschluss zur Spitalplanung im August natürlich nicht vorwegnehmen könne, so Stefan Gyseler, Verwaltungsratspräsident der Spital AG. Sogar ein neuer Leistungsauftrag für die Gerontopsychiatrie scheint realistisch, würde diese doch ideal in die Spezialisierung auf Psychiatrie und Alters­medizin ­passen. Für die Innere Medizin hingegen bleibt der Leistungsauftrag auf Ende 2025 beschränkt. Bis dahin gilt es, mit der Gesundheitsdirektion zu definieren, welche Elemente unabdingbar sind für die Altersmedizin und deshalb weiter angeboten werden dürfen.

«Keine andere Wahl»

Definitiv keine Zukunft hat am Spital Affoltern dagegen die stationäre Chirurgie, das habe die Gesundheitsdirektion klargemacht, so Spitaldirektor Lukas Rist. Bis Ende 2025 hätte man hier zwar weitermachen dürfen. Darüber hinaus fehlen allerdings die Perspektiven, denn eine rein ambulante Chirurgie liesse sich nicht kostendeckend betreiben. Und auch wenn die Mitarbeitenden dem Spital nicht den Rücken kehren, so hat der Leistungsauftrag mit «Verfalls­datum» doch zur Folge, dass sich bei künftigen Vakanzen kaum noch Personal finden liesse.

Der Spital-Verwaltungsrat hat deshalb entschieden, die Notbremse zu ­ziehen und schon ab Anfang 2023 keine chirurgischen Leistungen mehr anzubieten. Das betrifft etwa Operationen von Leistenbrüchen, Krampfadern und Gallenblasen, aber auch urologische und orthopädische Eingriffe sowie einfache Knochenbrüche. «Der Verwaltungsrat bedauert diese Entwicklung», teilt das Spital Affoltern mit, «doch liessen ihm die in Zürich gefällten politischen Entscheidungen und die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine andere Wahl.»

Der Wegfall der Chirurgie dürfte rund 25 bis 30 Mitarbeitende die Stelle kosten. In den vergangenen Tagen hat die Spitalleitung die betroffenen ­Personen – Chirurgen und Anästhesisten, ­Anästhesie- und OP-Pflegende, Reinigungs­kräfte und Verwaltungs­personen – informiert. Angesichts des ausgetrockneten Arbeitsmarkts ist ­Lukas Rist optimistisch, dass die meisten keine Mühe haben werden, eine ­Anschlusslösung zu finden. Den anderen wolle man Unterstützung bieten und einen fairen Sozialplan.

Mutter-Kind-Abteilung wächst weiter

Rund 85 Prozent des Umsatzes und der Leistungen können weiterbetrieben werden, stellt Stefan Gyseler den Wegfall der Chirurgie in Relation zum ­Gesamtbetrieb. Klar ist, dass der Transformations­prozess in erster Konsequenz einmal Geld kosten wird: «Zuerst fallen immer die Erträge weg», so Lukas Rist. Einspareffekte dürften sich erst verzögert auswirken. Es besteht die Hoffnung, den Umsatzverlust künftig mit den ­Spezialdisziplinen wettmachen zu können.

Die Demografie spricht dafür, dass die Arbeit in der Altersmedizin nicht ausgehen wird. Und auch in der Psychiatrie ist ein Wachstum realistisch. Nach dem letztjährigen Ausbau von neun auf 14 Plätze sei etwa das MuKi-Angebot bereits wieder ausgelastet. Fünf weitere Plätze sollen deshalb 2023 dazukommen. Ein Plus verspricht man sich ab 2024 auch von der Gerontopsychiatrie.

«Mit Psychiatrie, Geriatrie, Palliative Care und Notfall an einem Platz ist ­unser Angebot einzigartig im Kanton – und mit der Mutter-Kind-Abteilung ­sogar schweizweit», betont Lukas Rist. Das sei auch hilfreich in der so wichtigen Akquirierung von Fachkräften. Darüber hinaus soll das Spital Affoltern der Bevölkerung weiterhin rund um die Uhr als Notfall-Anlaufstelle mit Diagnostik dienen, ergänzt durch ein ausgebautes ambulantes Angebot und Kooperationen mit umliegenden Leistungs­erbringern. «Mit dieser Neupositionierung kann das Spital Affoltern weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Sicher­stellung der medizinischen Grund­versorgung im Bezirk Affoltern leisten», so Stefan Gyseler.