Bezirk Affoltern
11.07.2022

«Wenn es soweit ist, werde ich die neuen Freiheiten sehr geniessen»

Hat Ruhe in den Gemeinderat Bonstetten gebracht: Erwin Leuenberger im Gemeindehaus. (Bild Thomas Stöckli)

Hat Ruhe in den Gemeinderat Bonstetten gebracht: Erwin Leuenberger im Gemeindehaus. (Bild Thomas Stöckli)

Mit der Legislatur endete per 30. Juni in Bonstetten auch das Gemeindepräsidium von Erwin Leuenberger. Er hat die Geschicke des Dorfs zwar nur während einer Amtszeit gelenkt, aber einer sehr wichtigen.

Von: Interview: Thomas Stöckli

«Anzeiger»: Bonstetten hat zum Ende der Legislatur sein 900-jähriges Bestehen ­gefeiert. Mit einem grossen Fest abtreten – besser geht es nicht, oder?

Das Fest fiel eher zufällig auf das Ende meiner Amtszeit. Erst war es für den Herbst vorgesehen. Im Nachhinein bin ich froh, haben wir schon im Juni gefeiert. Im Herbst wird dann wahrscheinlich Corona wieder ein Thema sein.

Was war Ihr persönliches Highlight am Jubiläumsfest?

Wir hatten eigentlich nur Highlights: einen fantastischen ersten Abend mit dem Geschichtlichen. «Musik im Dorf» war schlicht sensationell, von der Kinderband am Nachmittag bis zum DJ am Schluss. Und der Sonntag mit unseren Gästen aus Bonstetten, Deutschland. Der Bürgermeister hat mir geschrieben (er scrollt in seinem Mobiltelefon und zitiert): «tolles Fest», «haben uns sehr wohlgefühlt», «ihr seid geniale Gast­geber gewesen, eure Herzlichkeit und euer Frohsinn haben uns begeistert.»

Die Geschichte des gegenseitigen ­Austauschs dürfte also weitergehen.

Auf jeden Fall. Die Musikvereine haben den Austausch bereits gelebt und jetzt haben sich auch die Behörden ­wieder gesehen und es haben sich neue Freundschaften ergeben.

Sie gehören dieser Behörde nicht mehr an. Wie fühlt es sich an, nicht mehr Gemeindepräsident von Bonstetten zu sein?

Da ist ein grosses lachendes, aber auch ein kleines tränendes Auge. Ich habe den Job sehr gerne gemacht. ­Momentan bin ich noch mit der ­Übergabe und Fragen beschäftigt, aber wenn es so weit ist, werde ich die neuen Freiheiten sehr geniessen. Dass der ­tägliche Druck mit den Sitzungen samt Sitzungsvorbereitungen wegfällt, ist schon sehr befreiend.

Sie haben das Amt nach einer Zeit der Wirren und Unruhen im Gemeinderat ­angetreten. Weshalb tut man sich das an?

Ich wohne seit zwölf Jahren im Dorf und es hat mich beelendet, die ­schlechte Stimmung und den Krach mitzu­erleben. Da wollte ich Ruhe reinbringen und ­Sachen anpacken, die liegen geblieben sind. Erst wollte ich nur in den ­Gemeinderat. Dass ich das Präsidium übernehme, wurde an einer Podiumsdiskussion von einem Stimmbürger an mich herangetragen. Im Nachhinein bereue ich es nicht. Ich habe auch von ganz vielen Leuten, die ich nicht kannte, gehört, sie seien dankbar, dass wieder Ruhe eingekehrt sei. Das bestätigt mir, dass es nicht so falsch war, was wir als Gemeinderat getan haben.

Was waren die dringlichsten Heraus­forderungen?

Am Anfang haben wir einen ­Workshop gemacht mit der ­Bevölkerung. Dort hat sich der Wert eines ­Zentrums ­gezeigt. Auch Themen wie Tempo 30 und der Investitionsstau, ­Umwelt und Wohnqualität kamen auf den Tisch. Das ist noch nicht alles ­umgesetzt, aber ­einiges bereits am ­Laufen. Tempo 30 flächendeckend im Dorf ist in der ­Umsetzung. In der ­Ortskernplanung haben wir einen ­ersten Schritt gemacht mit dem ­deutlichen Ja zum neuen ­Feuerwehr- und Werkhofgebäude. Das gibt Platz, das Dorf­zentrum anders zu ­gestalten.

Das tönt nach einer spannenden Zeit, ­wieso haben Sie nicht noch eine Legislatur angehängt?

Bei den Weichenstellungen war ich sehr wohl noch dabei und habe auch Druck gemacht. Mit dem Volks-Ja zum Mehrzweckgebäude Heumoos ist die Grundlage gesetzt. Wir haben sehr gute Leute im Gemeinderat, da kann ich ­getrost sagen: Die können das auch. Ich bin 74 Jahre alt dieses Jahr und ich will nicht ein zweiter Joe Biden werden (der US-Präsident wird dieses Jahr 80 Anm. d. Red.). Und vieles ist ja auch bereits umgesetzt. Die Jugendlichen haben ­ihren Begegnungsplatz und können bald auch die Zivilschutzanlage benutzen.

Was hätten Sie gerne noch abgeschlossen?

Eigentlich alles. Ich schliesse schon gerne alles ab. Aber das Leben ist so, dass man nicht immer alles fertig machen kann, was man angefangen hat.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie nur für eine Legislatur bleiben würden?

Ich habe bewusst gesagt: Es ist für eine Legislatur – und dann schaue ich weiter.

Was bleibt von dieser Amtszeit in guter Erinnerung?

Die Zusammenarbeit mit der ­Verwaltung. Wir haben sehr gute Leute, auf die man sich verlassen kann und die ihre Arbeit gerne machen. Dass man auch mal ächzt, wenn es etwas viel wird, ist verständlich. In positiver Erinnerung bleibt auch die Arbeit im Gemeinderat. Wir haben unsere Differenzen gehabt und um Sachen gestritten, trotzdem hat es funktioniert. Sodass man nachher trotzdem ein Bier miteinander trinken konnte – oder ein Mineralwasser.

Sie durften einen neuen Kunstrasenplatz einweihen, einen Gedenkstein enthüllen und eine Weltmeisterin beglückwünschen. Was hat Sie am meisten gefreut?

Ich bin nicht der Typ, der sich in der Öffentlichkeit präsentieren muss. Aber das hat zu meinen Pflichten gehört und ich habe es gerne gemacht. Im Fall von Petra Klingler ist es natürlich toll, wenn man einer Weltmeisterin, die in ­Bonstetten wohnt, gratulieren kann. Das macht Freude. Es machte aber auch Freude, der ältesten Bonstetterin – die mittlerweile leider verstorben ist – zum 100. Geburtstag zu gratulieren. Bei ­solchen Gelegenheiten ergaben sich ­immer gute ­Gespräche mit den Leuten.

Was werden Sie vermissen und was sicher nicht?

Die persönlichen Kontakte mit der Verwaltung, den Kolleginnen und ­Kollegen im Gemeinderat und mit der Bevölkerung. Es hat mich gefreut, wenn die Leute mich auf der Strasse angesprochen haben. Das wird nun sicher ­ruhiger werden. Andererseits ist der Druck weg – und den vermisse ich gar nicht.

Ihre Nachfolge tritt Arianne Moser an – Ihre Wunschkandidatin. Was haben Sie ihr mitgegeben?

Akten (er lacht). Ich musste ihr nicht viel mitgeben. Sie ist eine ­unternehmerisch denkende, gut ­integrierte Bonstetterin. Ich konnte eher umgekehrt von ihr lernen. Ratschläge muss ich ihr also keine geben. Aber wenn sie etwas wissen muss, darf sie mich jederzeit fragen.

Nun wartet also neue Freizeit. Haben Sie schon Pläne?

Eine ganze Menge. Es wird mir ­sicher nicht langweilig. Zuerst geht es ans Haus und die Umgebung. Da herrscht Nachholbedarf. Als «Hobby» bin ich noch Rechtsanwalt. Da habe ich Kunden, die immer wieder kommen, das wird mich also auch noch beschäftigen. Weiter will ich mir bewusst mehr Zeit nehmen für Hobbys. Sportlich war ich in den letzten vier Jahren fast inaktiv. Ich will Musik machen – mit Klarinette und E-Piano – und mit meiner Frau ­wieder etwas mehr Golf spielen.

«Es ist toll, wenn man einer Weltmeisterin, die in Bonstetten wohnt, gratulieren kann.»

«Die schlechte Stimmung damals im Gemeinderat hat mich beelendet.»

 

 

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