Bezirk Affoltern
18.07.2022

Die erste Fahrt im Gummiboot hat ihre Tücken

Eine heikle Stelle: Wehr zum Fabrikkanal Haas oberhalb Ottenbach. (Bild Fabian Hägler)

Abstand vom Pfeiler halten: Durchfahrt unter einer Reussbrücke. (Bild Livia Häberling)

Eine heikle Stelle: Wehr zum Fabrikkanal Haas oberhalb Ottenbach. (Bild Fabian Hägler)

Eine heikle Stelle: Wehr zum Fabrikkanal Haas oberhalb Ottenbach. (Bild Fabian Hägler)

Abstand vom Pfeiler halten: Durchfahrt unter einer Reussbrücke. (Bild Livia Häberling)

Eine heikle Stelle: Wehr zum Fabrikkanal Haas oberhalb Ottenbach. (Bild Fabian Hägler)

Abstand vom Pfeiler halten: Durchfahrt unter einer Reussbrücke. (Bild Livia Häberling)

Abstand vom Pfeiler halten: Durchfahrt unter einer Reussbrücke. (Bild Livia Häberling)

Im Sommer sind viele Gummiboot-Fans auf den Flüssen ­unterwegs. Zwei Journalistinnen zählten bisher nicht dazu. Eine Fahrt auf der Reuss im Schlauchboot war für sie die Premiere – die nicht ohne Pannen bleiben sollte.

Von: Livia Häberling und Andrea Marti

Es gibt Dinge, die sagt man vor anderen besser nicht laut. Zum Beispiel, wenn man nicht jassen kann, nicht gerne ­wandert – oder wenn man noch nie mit einem Gummiboot auf einem Fluss war. Böötle, das machen in der Schweiz ­gefühlt alle. Alle, ausser uns. An einem Mittwochnachmittag auf der Reuss ­sollte sich das ändern. Und weil wir ­Anfängerinnen sind, war die Lernkurve besonders steil. Die Erkenntnisse unserer ersten Fahrt in acht Akten.

1. Die sicheren Schwimmwesten kaufen, nicht die hübschen

Das Abenteuer, auf das wir uns eingelassen haben, beginnt einen Tag vor unserer Böötlifahrt in einem Sportgeschäft. Wir sind auf der Suche nach Schwimmwesten. Wir merken schnell: Die Auswahl ist gar nicht so einfach. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Modelle.

Zielstrebig steuern wir die dezenten, auberginefarbenen Westen an, die uns zuvor eine passionierte Stand-up-Paddlerin empfohlen hat. Doch ein Berater im Geschäft klärt uns auf, dass diese hübsche Weste lediglich beim Schwimmen hilft, uns im Zweifel aber zu wenig Auftrieb verschaffen würde. Wir ­entscheiden uns also für zwei der schreiend orangen Modelle, mit allem Drum und Dran – Reflektoren, Nackenkragen und Trillerpfeifen. Es sind nicht die ­hübschen, aber die sicheren.

Ausgerüstet mit den Westen, die alle Böötler mit auf dem Boot haben müssen, kehren wir in die Redaktion zurück. Dort leihen wir uns von einer Kollegin ein Gummiböötli aus. Als Böötli-­Anfängerinnen besitzen wir selbst ­natürlich noch keines.

2. Es hilft, wenn die Aufsätze der Pumpe passen

Einen Tag später um 13 Uhr liegt das platte Böötli auf einer Wiese in der Nähe des Restaurants Zoll-Huus in Sins. Den Sicherheitsempfehlungen folgend, kommt unsere «Frida», wie wir sie ­getauft haben, nicht nur mit einer Luftkammer daher, sondern mit drei: Ist eine undicht, schützen uns die anderen beiden vor dem Sinken.

Bloss: Bevor Luft aus dem Böötli raus kann, müsste sie hinein, und da wird es bereits knifflig. Der Aufsatz der Pumpe passt nicht auf das Ventil der Kammern. Jemand wird das Boot mit dem Mund aufblasen müssen. Nach kurzer, umsichtiger Abwägung weisen wir diese ­Aufgabe unserem Kollegen und Mit­böötler Dominic Kobelt zu. Unter keinen Umständen deshalb, weil wir froh ­wären, wenns ein anderer macht oder – noch schlimmer! – weil er der Mann in der Runde ist und wir als Frauen uns das nicht zutrauen würden. Der Grund ist wahrlich ehrenhaft: Wir sind überzeugt, dass der Trompeten-Lunge unseres ­Fasnächtlers vor dem 11.11. etwas Übung dienlich ist.

Das Pumpen-Malheur wird Spuren hinterlassen, wie wir später noch ­feststellen werden. Wenn wir zu dritt im Böötli sitzen, gibt es seiner Last ­beängstigend fest nach. Uns wird nichts übrig bleiben, als am Flussufer eine ­Pause einzulegen und nochmals Luft ins Boot hineinzupusten.

3. Beim Packen auch an den Schwamm denken

Während «Frida» aufgeblasen wird, ­verstauen wir unser Gepäck in einem wasserdichten Sack. Zur Ausrüstung haben wir vor der Tour das Internet um Hilfe gefragt und erfahren: Auf dem ­Böötli müssen Vor-, Nachname und Telefon­nummer der Eigentümerin gut sichtbar vermerkt sein. Weiteres, das mit soll, scheint selbstverständlich, etwa Badetücher, Sonnencreme, ­(alkoholfreie) Getränke oder Verpflegung.

In die Kategorie «Was auch mit soll, was wir aber nicht dabeihaben» gehören Badeschuhe, an die hat nur Dominic ­gedacht. Ein bisschen lustig fanden wir zunächst den Tipp mit dem Schwamm, um damit Wasser aufzusaugen. Doch als sich zum ersten Mal jemand aus der Reuss zurück ins Böötli kämpft und es dabei fast flutet, werden wir demütig.

In die Kategorie «Was nicht mit soll, was wir aber trotzdem dabei haben», gehört hingegen eine Stofftasche mit Büchern, die ein Crew-Mitglied vor der ewigen Zugfahrt aus der Ostschweiz ins Freiamt noch schnell zusammen­gehamstert hat. Generell haben wir eher für eine Jacht gepackt als für ein Böötli mit drei Plätzen. Das Gepäck besetzt einen stattlichen Teil der Sitzfläche. Vielleicht hätten wir uns lieber eine wasserdichte Schwimmtasche zugelegt, die wir am Boot hätten anbinden können.

4. Ein Köpfler in die Reuss könnte böse enden

Nachdem wir endlich den Sack ins Boot gehievt haben und selber eher unelegant hineingeklettert sind, können wir uns ins Abenteuer stürzen. Tatsächlich ­erwartet uns schon bald die erste ­Herausforderung: Wir treiben auf eine Kiesbank zu – und kommen nur dank eines geschickten Manövers daran ­vorbei. Daran merken wir aber auch, dass der Fluss ziemlich unberechenbar sein kann: Denn die Reuss wirkt schon wenige Meter neben der Sandbank ganz schön tief, aber Dominic steht erst bis zu den Schultern im Wasser. Wir ­merken: Einfach so einen Köpfler zu machen, wäre wohl kaum ratsam.

5. Die Zeit nützen, die sich unterwegs zum Reden bietet

Wenn nach einem heissen Wochenende irgendwo Bilder von Flüssen mit ­Dutzenden Böötli auftauchen, dann weiss man wieder: Ja genau, so geht Dichtestress! Wir hingegen sind am ­ersten Mittwochnachmittag der ­Sommerferien unterwegs. Die perfekte Zeit, wie sich bald zeigt. Die Reuss ­gehört uns und einem Kajak, das aber so schnell wieder weg ist, wie es gekommen ist.

Wir könnten jetzt die Stille geniessen – oder die Gelegenheit – zwei Quadrat­meter Sitzfläche, keine Fluchtmöglichkeit – nützen und endlich mal Themen anschneiden, bei denen viele Mitmenschen normalerweise sofort das Weite suchen. Konkret: Im Böötli sitzen zwei Harry-Potter-Fans und es gilt, im (gähnenden) Nicht-Fan ein Bedürfnis zu wecken und ansatzweise zu verstehen, auf welchem Planeten er in den 90er- und Nullerjahren eigentlich gelebt hat. Zunächst bleibt er erstaunlich standhaft, dann aber knickt er doch noch ein, hört sich alles an und stellt sogar ein paar Fragen. Irgendwann wechselt das Gespräch auf andere Themen – aber ­immer wieder wird es von den Fans zielsicher zurück nach Hogwarts gelenkt.

6. Böötle eignet sich auch zum Teambuilding

Während wir stundenlang vor uns hintreiben und wenig mehr passiert, als dass sich ein paar Libellen auf statt vor unsere Kamera setzen, merken wir auch: So eine Böötlifahrt würde sich super als Teambuildingevent eignen. Reden wir beim Mittagessen häufig über die Arbeit, bieten uns die vier Stunden auf der Reuss die Gelegenheit, um auch mal andere Themen anzuschneiden und zu erfahren, warum einige Crew­mitglieder gerne True-­Crime-Podcasts hören, andere in ihrer Freizeit Dokus über den Todestrakt oder dieselbe Serie gleich mehrmals schauen.

Ausserdem – und das ist laut ­Psychologen, was gute Teamevents ­ausmacht – lösen wir zusammen gleich einen ganzen Haufen Probleme: Wir einigen uns darauf, welche Bücher ­mitdürfen (alle), befestigen ohne Vorrichtung eine Go-Pro am Boot (mit Haargummis) und lernen, wie wir zusammen paddeln müssen, damit wir nicht (schon wieder) in einem Haufen Trauerweideästen am Ufer landen. Und das Beste: Weniger gefährlich als Feuerlaufen ist das Böötle obendrein.

7. Sonnencreme mehrmals auftragen lohnt sich

Der Nachteil daran, dass wir uns in ­Harry-Potter-Nerdfacts verlieren: Wir merken nicht, dass die erste Schicht Sonnencreme langsam ihre Wirkung verliert. Einen Tag später sagen rot­gebrannte Knöchel und deutliche ­Bikiniabdrücke einem Crewmitglied deutlich: Die Ratschläge, wonach man mehrmals eincremen und sich auch dann nicht zu lange in die Sonne legen sollte, stimmen halt schon ...

8. Eine Freizeitbeschäftigung mit Suchtpotenzial

Nach etwa vier Stunden auf der Reuss steigen wir vor der Brücke in Rottenschwil wieder aus dem Wasser (die einen etwas eleganter mit Badeschuhen, die anderen barfuss und dreckig). Wie es der Zufall will, gibt es bei diesem Ausstiegs­platz direkt nebenan eine Beiz, in der sich die Bootsfahrt mit einem Drink begiessen lässt. Auf dem Wasser ist Alkohol zwar nicht verboten, aber: Wer nicht fahrtüchtig ist, lebt gefährlich und kann bei einem Unfall zur ­Kasse gebeten werden.

Als wir «Frida» – inzwischen nur noch ein nasses Kunststoffbündel – ­wieder im Auto verstauen, notieren wir auf der geistigen Pendenzenliste: Böötli kaufen! Wir sind definitiv angefixt.

Nachdem es mit dem Aufblasen des Boots doch noch geklappt hat, kann die Fahrt auf der Reuss von Sins nach Rottenschwil starten. (Bild Alex Spichale)

 

 

 

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