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21.11.2022

Historienstück mit viel Emotionen

Vor der «Freiamtsgemeinde» vom 26. März 1795: Im Wirtshaus zum Weissen Rössli geht es hoch zu und her. Von links: Zwischenhändler Karl Grob (Elia Lonoce), Wirtin Vreni Gugolz (Vreni Spinner), Heimspinner-Vertreter Jakob Hegetschweiler (Christian Müller), Kunstmaler Jakobli (Erwin Egloff) und Serviertochter Marie (Patricia Schuppisser). (Bild Thomas Stöckli)

Vor der «Freiamtsgemeinde» vom 26. März 1795: Im Wirtshaus zum Weissen Rössli geht es hoch zu und her. Von links: Zwischenhändler Karl Grob (Elia Lonoce), Wirtin Vreni Gugolz (Vreni Spinner), Heimspinner-Vertreter Jakob Hegetschweiler (Christian Müller), Kunstmaler Jakobli (Erwin Egloff) und Serviertochter Marie (Patricia Schuppisser). (Bild Thomas Stöckli)

«Rössli Hü – Brüederherz», heisst es, das Stück von Peter Niklaus Steiner, das die Aemtler Bühne am Samstag uraufführen durfte. Weitere Vorstellungen folgen bis Ende Jahr.

Von: Thomas Stöckli

«Sind wir alle gefährliche Revoluzzer?» Die aktuelle Produktion der Aemtler Bühne führt zurück in eine Zeit, in der die Bezeichnung «Patriot» noch als Schimpfwort verwendet wurde. Die Zeit, in der Gedanken von «Liberté, Egalité et ­Fraternité» aus Paris durch Europa schwappten – und auch in den unterjochten ländlichen Regionen um die Stadt Zürich auf offene Ohren stiessen. Eine Zeit also, in welcher der bis heute immer wieder bemühte Begriff des Stadt-Land-Grabens die Gesellschaft noch so stark trennte, dass dadurch wortwörtlich Köpfe zu rollen drohten.

Ein zu schwerer Stoff für unterhaltsames Theater? Die Aemtler Bühne hat an der Premiere der vom Autor und ­Regisseur Peter Niklaus Steiner eigens für sie, das Mettmenstetter «Rössli» und das Knonauer Amt entwickelten Mundart-­Inszenierung bewiesen, dass dieser Spagat funktionieren kann. So ist «Rössli Hü» nicht nur ein Historienstück im Kampf um Gleichberechtigung, ­sondern auch die Geschichte zweier ungleicher Brüder und die Geschichte ­einer Liebe, die durch eine doppelte Dreieckskonstellation auf eine harte Probe gestellt wird. Hier ist es eine ­attraktive Städterin, da ein verschollener Schweizergardist, welche das junge Glück gefährden. Und diese (zwischen-)menschlichen Komponenten waren es denn auch, die beim Premieren­publikum besonders gut ankamen. So tönte es zumindest beim Apéro im ­Anschluss an die Uraufführung.

Eine Warnung, die kein Gehör findet

Doch nun zurück zum Stück: Dieses ­beginnt mit den Weihnachtsvorbereitungen in einer Stube. Der Christbaum wird mit Strohsternen geschmückt, der Punsch grosszügig mit Rum angereichert, Guetzli werden gereicht. Nicht zur weihnächtlichen Atmosphäre passen will da das «Freiamtlied», das ein junger Revolutionär in die Runde der honorablen Herrschaften einbringt. «Wollt ihr einen Flächenbrand auslösen?!», warnt Johannes Näf (Roberto Waser), der als künftiger Freiamt-Hauptmann vorgesehen ist. Die Warnung, so viel sei ­verraten, findet allerdings kein Gehör.

Derweil beginnen im Gasthaus «Zum weissen Rössli» die Vorbereitungen für ein opulentes Festgelage. Nicht nur die Wahlfeier der «Freiamtsgemeinde» vom 26. März 1795 soll hier über die Bühne gehen, sondern auch die Hochzeit der Wirtstochter Dorothee (Melanie Bucher) mit Johannes Näf. Weitere Handlungsorte sind das Schloss Knonau und die Schnabbellücke, als Zugangspforte ins Säuliamt. Die Lokalität wird jeweils durch Hintergrund-Projektionen veranschaulicht, das Bühnenbild ­darüber hinaus einfach gehalten.

Eine Schlüsselrolle kommt in der Inszenierung dem opportunistischen Maler Jakobli (Erwin Egloff) zu. Er ist es, der im Stück wiederholt die «vierte Wand» durchbricht und das Publikum in die Handlung miteinbezieht. So sind es die Zuschauerinnen und Zuschauer, die an der «Freiamtsgemeinde» das Wahlrecht ausüben. Die Rolle der ­Frauen in der patriarchal geprägten ­Gesellschaft bringt Serviertochter Marie (Patricia Schuppisser) auf den Punkt: «Wir sind es, die die Männer führen», sagt sie: «Das wahre Regiment ist das Weiberregiment!» Und schliesslich ist da noch Pfarrer Brennwald (Tobias ­Sonderegger), der vermitteln will ­zwischen der städtischen Obrigkeit um Ratsherr Konrad von Meiss (Andreas Leidenix) und den Landsleuten.

Hommage ans «Rössli» und ans ganze Knonauer Amt

Das altehrwürdige «Rössli» als ­«Heimbasis» der Aemtler Bühne solle eine Hommage erhalten – diese Idee sei es gewesen, die zum aktuellen Stück ­geführt habe, erklärte Vreni Spinner, Präsidentin der Aemtler Bühne, ­«Rössli»-Wirtin und Mettmenstetter ­Gemeindepräsidentin, in ihrem Vorwort zur Uraufführung. Rund 100000 Franken hat sich der Verein die Produktion kosten lassen. Das kulturelle Engagement und den hohen Anspruch an ­Professionalität würdigen nebst den Sponsoren nicht weniger als elf der 14 Bezirksgemeinden mit einem Unterstützungsbeitrag. «Diese Wertschätzung freut mich», so Vreni Spinner, die ­einmal mehr auch auf der Bühne als «Rössli»-Wirtin agiert. Ihr zur Seite sollte als «Bühnen-Ehemann» Danilo Risi stehen. Für ihn musste an der Premiere allerdings kurzfristig Marc Hofmann ­einspringen, der diese Zusatzaufgabe mit Bravour bewältigt hat.

Die Uraufführung im ausverkauften «Rössli» wurde vom Publikum mit reichlich Applaus bedacht. «Wenn es euch gefallen hat, erzählt es weiter», richtete sich Vreni Spinner abschliessend an die Zuschauerinnen und Zuschauer, «wir haben noch einige wenige freie Plätze.»

Weitere Spieldaten bis 31. Dezember unter www.aemtlerbühne.ch.

 

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