Bezirk Affoltern
12.08.2019

Es hat noch freie Lehrstellen

Start in die Berufslehre: Viele entscheiden ganz kurzfristig

von urs e. kneubühl

Durchschnittlich rund 15000 Schülerinnen und Schüler sind dieses Jahr im Kanton Zürich von der Schule abgegangen. Etwa zwei Drittel von ihnen wenden sich einer passenden Ausbildung zu. Einige sind bezüglich Traumlehrstelle nicht fündig geworden, haben sich – trotz Auswahl an offenen Lehrstellen – noch nicht entscheiden können oder erproben sich und den möglichen Beruf vorerst noch in einem Praktikum. Und dies, obwohl viele von jenen, die heute eine Lehre machen, sich nicht mehr lebenslang an einen Beruf binden. Schliesslich bieten zahlreiche Weiterbildungen individuelle Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Zahl der Lehrstellen, die jetzt, kurz vor dem offiziellen Lehrbeginn, im Kanton Zürich noch nicht vergeben werden konnten, kann das Mittelschul- und Berufsbildungsamt noch nicht exakt beziffern. Noch kämen täglich neue Lehrverträge herein, genauere Zahlen seien erst in den nächsten Wochen möglich. Es seien aber wohl kaum grossartige Änderungen sowohl bezüglich der offen bleibenden Lehrstellen als auch hinsichtlich der beliebtesten gewählten Berufe anzunehmen, wird prognostiziert.

2018 stand Kaufmann/Kauffrau EFZ bei den bei jungen Frauen und Männern ganz oben auf der Rangliste, während auf Rang zwei und drei bei den jungen Frauen Fachfrau Betreuung EFZ und Fachfrau Gesundheit EFZ kamen. Bei den jungen Männern hingegen standen an zweiter und dritter Stelle Informatiker EFZ und Detailhandelsfachmann EFZ.

Spätentschlossene: «eine Art Plan B»

Xavier Nietlisbach, Präsident des Lehrstellenforums Bezirk Affoltern, bestätigt seinerseits, dass auch dieses Jahr wieder «etliche Berufswählende sich erst kurzfristig entscheiden. Dies ist eine Art Plan B, was ja durchaus ein gesellschaftliches Thema ist». Nietlisbach spricht aus Erfahrung, schliesslich ist er Leiter der Berufsbildung bei der Ernst Schweizer AG. «Es ist so: Jeder will, wenn er einen braucht, einen guten Handwerker, aber bei der Berufswahl sind sowohl Schülerinnen und Schüler als auch die Eltern bezüglich Unterstützung eher zurückhaltend. Und bei der Bezahlung guter Handwerksarbeit verlieren schliesslich die meisten zusätzlich keine besonders netten Worte zugunsten handwerklicher Berufsleute», merkt Nietlisbach schmunzelnd an.

Man sei im Bezirk Affoltern aber grundsätzlich auf Kurs, erklärt er und schätzt die Zahl der zurzeit noch offenen Lehrstellen auf «rund sechzig bis hundert und zwar in den verschiedensten Berufen». Nietlisbach stellt zudem fest, dass bei den Schulabgehenden auch hierzulande die KV-Lehre nach wie vor sehr gefragt ist. «Allerdings», schränkt er umgehend ein, «erfreut sich der Informatik-Beruf EFZ in der Applikationsentwicklung wie in der Systemtechnik bei jungen Leuten weiter zunehmender Beliebtheit.»

Noch immer offene Lehrstellen

Ausgebucht sind die offenen Lehrstellen im Bezirk und in der Region durchaus noch nicht. Im offiziellen Lehrstellennachweis LeNa sind diese noch zahlreich zu finden – etwa in den Branchen Detailhandel, Gesundheit, Pflege und Medizin, genauso in technischen und in handwerklichen Berufen. Dies bestätigen auch Xavier Nietlisbach sowie weitere Fachstellen. Genannt werden unter anderen mehrere Lehrstellen als Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales EBA, Fachfrau/Fachmann Betreuung EFZ sowie Gesundheit EFZ, genauso Dachdeckerin/Dachdecker EFZ oder Detailhandelsassistentin/-assistent EBA, Detailhandelsfachfrau/-fachmann EFZ sowie Detailhandelsfachfrau/-fachmann Bewirtschaftung EFZ. Die Palette ist so gross wie breit und geht von Anlagen- und Apparatebauer/-bauerin EFZ bis hin zu Zimmermann/Zimmerin EFZ.

Lehrstellen: www.berufsberatung.ch/dyn/show/2930.