Sport
29.04.2020

Vier Athleten in Swiss-Ski-Kadern

Ruheloser Frühförderer: Ruedi Ravasio bei sich zu Hause vor der Bildergalerie der Fahrer, die er in der Renngruppe des Skiclubs Hausen bereits als Kinder gefördert hat. (Bild Martin Platter)

Ruheloser Frühförderer: Ruedi Ravasio bei sich zu Hause vor der Bildergalerie der Fahrer, die er in der Renngruppe des Skiclubs Hausen bereits als Kinder gefördert hat. (Bild Martin Platter)

Niels Hintermann (neu in der Nationalmannschaft), Cedric Ochsner (neu im B-Kader), Reto Mächler und Andri Moser (neu im C-Kader) heissen die Leistungsträger des Skiclubs Hausen in der kommenden Wintersaison. Das ist auch das Verdienst des langjährigen Nachwuchsförderers Ruedi Ravasio.

Von: Martin Platter

«Meinen Namen bitte nicht mehr erwähnen. Mit meinem Jahrgang schade ich der Renngruppe eher», sagt Ruedi Ravasio und meint es durchaus ernst. Aber es wäre nicht gerecht, den unermüdlichen Einsatz des 84-jährigen Nachwuchsförderers nicht zu erwähnen. Der Hausemer sagt denn auch nicht ganz ohne Stolz: «Es gibt keinen anderen Skiclub in der Schweiz, der derzeit so viele Fahrer ins Alpin-Kader von Swiss Ski bringt.»

Der bekannteste ist Niels Hintermann. Seine Karriere begann der ­Bülacher in der Renngruppe von Ruedi ­Ravasios Enkel Sandro noch im Skiclub Zürileu. Mit seinem überraschenden Sieg in der Kombination am Lauberhorn hat sich Hintermann 2017 ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit katapultiert und wurde darauf auch Säuliämtler Sportler des Jahres. Er besucht das Skitraining seit dem fünften Altersjahr und folgte den Ravasios beim Wechsel in den Skiclub Hausen. Im April wurde der bald 25-jährige Hintermann vom A-Kader in die Nationalmannschaft befördert, wo er vor allem Abfahrts-, Super-G- und Kombinations-Wettkämpfe bestreiten wird. 

Zufällig entdeckt auf der Skipiste
Cedric Ochsner wurde von Ruedi Ravasio zufällig entdeckt. Wenn immer es die Schneeverhältnisse erlauben, trainiert die Hausemer Renngruppe im Skigebiet Brunni-Alpthal bei Einsiedeln am Fusse der Mythen. Dort war auch Ochsner, der in Trachslau eingangs des Alpthals wohnt, 2005 auf der Piste unterwegs. Ravasio wurde auf ihn aufmerksam, weil er ohne Stöcke sehr gut fuhr (der Jüngling hatte eine Hand im Gips). So ist der Trainer mit Ochsners Mutter ins Gespräch gekommen. Fortan durfte der Siebenjährige unter der Leitung ­Ravasios regelmässig in der Renngruppe Hausens mittrainieren und konnte seither zahlreiche Erfolge verbuchen. Der inzwischen 21-Jährige wurde Mitte April vom C- ins B-Kader befördert, was ihn selber etwas überrascht hat. Der Abfahrt- und Super-G-Spezialist hatte sich Anfang letzten Dezember im Skitraining den rechten Fuss gebrochen und die Aussenbänder angerissen, stand aber am Neujahrstag bereits wieder auf den Ski. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern im Skiclub Hausen, die das Skigymnasium in Engelberg besuchen, hat Ochsner letztes Jahr seine vierjährige Lehre als Elektriker abgeschlossen und ist seither Profi. Er sagt: «Ich bin meinen Eltern, meinem Lehrbetrieb und dem Skiclub Hausen sehr dankbar. Ohne ihre Unterstützung stünde ich nicht da, wo ich jetzt stehe.» Wie Hintermann wird sich Ochsner künftig auf dem Weltcup konzentrieren. Den Ausschlag für seinen Aufstieg gab der 23. Rang bei seinem Weltcupdebüt in Kvitfjell Ende Saison – nachdem der Schwyzer im Training sogar Zweiter geworden war.

Überrascht von der Beförderung
Auch Andri Moser wird seit dem siebten Altersjahr gefördert. Der Bonstetter war zunächst im Skiclub Bonstetten, wechselte unter der Ägide von Ravasio dann aber in den Skiclub Hausen. Dank dem dritten Platz im U19 Swiss Cup und Weltranglistenpunkten wurde der 19-Jährige, der dem nationalen Leistungszentrum angehört, ins C-Kader befördert. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich es schaffen würde», kommentiert der Slalom- und Riesenslalomspezialist, der im Juni die Matura im Sportgymnasium Engelberg abschliesst. Im Herbst will er dann ein Fernstudium, wahrscheinlich in Wirtschaft, beginnen. ­«Anfangs sind auch noch meine beiden älteren Schwestern in der Gruppe von Ruedi mitgefahren. Eine spielt nun Basketball, die andere ist in der Ausbildung zur Skilehrerin», erklärt Moser und fügt an: «Wir haben früh begonnen in den Toren zu fahren.» Nach seinen sportlichen Zielen gefragt, nennt der Bonstetter den Europacup und die Junioren-WM 2021.

Reto Mächler erreichte im U19 Swiss Cup sogar den zweiten Platz und wurde als Fahrer des Nationalen Leistungszent­rums ebenfalls ins C-Kader berufen. So richtig anfreunden mit dem entgangenen Cup-Sieg konnte sich der Thalwiler zunächst aber nicht – auch wenn er froh ist, dass er den Aufstieg ins C-Kader geschafft hat. Er sagt: «Nach den zahlreichen Triumphen in den beiden Vorjahren habe ich mir den Cup-Sieg insgeheim erhofft.» Probleme mit der Kniescheibe bremsten ihn jedoch zum ­Saisonauftakt. Dann wirbelte der Covid-19-Notstand den Rennkalender durcheinander. Inzwischen überwiegen Freude und Erleichterung über den Aufstieg. Nach Abschluss der Sportschule Engelberg wird er am 1. Juli ein zweijähriges Sportlerpraktikum in der Gemeindeverwaltung Thalwil beginnen. Der Fokus bleibt aber beim Sport, wo er nächstes Jahr im Europacup und an der Junioren-WM ein gutes Resultat erreichen will. Mächler fährt hauptsächlich Slalom und Risenslalom und wurde von Ravasio seit dem fünften Altersjahr ­gefördert.

Förderung: Je früher desto besser
«Zwischen fünf und sieben ist das perfekte Alter, will man den Skisport später professionell ausüben», hat Ruedi ­Ravasio festgestellt. 23 Jahre war er Mitglied im Skiclub Zürileu, wo auch seine Söhne Reto und Alex sowie sein Enkel Sandro trainiert haben. Die letzten sechs Jahre davon hat Ruedi Ravasio selber begonnen, mitzuhelfen und Slaloms und Riesenslaloms für Zürileu auszustecken. Gerne wäre er als Kind selber Skirennfahrer geworden. Doch die entbehrungsreiche Jugend in der Grossfamilie erlaubte es nicht. So lebte er seine Leidenschaft zunächst mit seinen Kindern aus. Bis ihn vor 16 Jahren Willy Studer vom Hausemer Skiclub fragte, ob er nicht die Nachwuchsförderung in Hausen übernehmen wolle. Man habe da ein paar junge Talente. «16 Jahre habe ich im Hintergrund gekrampft wie ein Esel und konnte mich auf ein gutes Team von Mitstreitern verlassen.» Das sei nun das Resultat. Nach seinem Erfolgsrezept gefragt, erklärt Ravasio: «Ich war während 40 Jahren Aussendienstmitarbeiter bei Sulzer, habe so die ganze Welt bereist und dabei eine gewisse Menschenkenntnis erlangt.» Auf der Skipiste sorge er nur dafür, dass die Kinder früh technisch richtig gut Skifahren lernten. «Mein Schwerpunkt war stets das Slalomtraining. Als Besonderheit habe ich einen ausgefahrenen Kurs nie umstecken lassen. Nur so lernt man auch unter erschwerten Bedingungen die Skis zu beherrschen.»

Über die Jahre habe er 164 Kinder analysiert. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Förderung mit 9 bis 10 Jahren eigentlich schon spät ist, um im Spitzensport Fuss zu fassen. Was gibt ihm die Nachwuchsförderung? «Freude bereitet mir noch heute die Begeisterungsfähigkeit der Kinder und deren Lernfortschritte.» Ravasios Bilanz beim Skiclub Hausen darf sich sehen lassen: Bei Übernahme der Hausemer Renngruppe vor 16 Jahren sind einige Masters im Kader gefahren. Inzwischen sind ­es 86 Fahrerinnen und Fahrer in allen ­Kategorien.