Gemeinsam Bewährtes zusammenführen
Ein Referat von François Höpflinger am Samstagnachmittag war der Höhepunkt des Spitex-Tags im Knonauer Amt. Zuvor hatten die fünf Ämtler Spitex-Zentren ihre Türen geöffnet. In Zukunft wollen die drei Organisationen enger zusammenarbeiten.

Wie gelingt es einer gehbehinderten Person, mit dem Rollator ein einfaches Hindernis wie eine Trottoirschwelle zu überwinden? So einfach ist das gar nicht. Zu dieser Erkenntnis kam mancher, der im Spitex-Zentrum Affoltern an der Oberen Seewadel-strasse 10a den vorbereiteten Parcours absolvierte. Für staunende Blicke sorgte gleichenorts auch die Tafel, auf der die Einsätze geplant werden.
In Mettmenstetten wurden die Gäste derweil anders gefordert. «Was hat nichts mit der Spitex zu tun?» lautete die Aufgabenstellung vor einem Tisch voller Gerätschaften. Schnaps, Lötkolben und Schwimmbrille hatte wohl mancher als unpassend erkannt. Dass Gartenhandschuhe tatsächlich Verwendung finden, mag allerdings den einen oder anderen erstaunt haben: «Damit werden Stützstrümpfe angezogen», liefert die stellvertretende Mettmenstetter Zentrumsleiterin Heidi Coray die Erklärung. «Letztendlich hat alles irgendwie mit Spitex zu tun», relativiert Verena Bieri, Geschäftsleiterin der Spitex Knonaueramt Nord-West.
Freiwillige Pflegeleistung
im Wert von 4,5 Mrd. Franken
In allen fünf Ämtler Spitex-Zentren bekamen die Besucher von 9 bis 13 Uhr nicht nur Informationen über die Dienstleistungen der Spitex geboten. Nebenbei konnten sie sich auch Blutdruck und -Zucker messen lassen. Vor allem die ältere Generation machte von dieser Gelegenheit Gebrauch.
Am Nachmittag zog es dann alle nach Hausen zum Referat von Professor François Höpflinger im Gemeindesaal. Um die Zusammenarbeit von pflegenden Angehörigen mit der Spitex ging es hier. «Wenn der Staat finanzieren müsste, was die Angehörigen leisten, müsste er 4,5 Mrd. Franken mehr ausgeben» sprach Höpflinger gleich zu Beginn Klartext. Während Männer im hohen Alter vielfach in einer festen Beziehung sind, leben Frauen häufiger in Ein-Personen-Haushalten. «Das heisst aber nicht, dass sie alleine sind: Sie vernetzen sich», so der Referent.
Als mögliche Form der Zusammenarbeit zeichnete François Höpflinger auf, dass sich die Fachleute der Spitex um Pflegeleistungen am Klienten selber kümmern und Angehörige oder Nachbarn sonstige Hilfe leisten, etwa beim Einkaufen oder Fensterputzen. «Wenn man die Spitex ausbaut, helfen die Angehörigen nicht weniger», betont er. Und auch der Umkehrschluss gilt: Spitex-Leistungen lassen sich kaum zulasten der Angehörigen reduzieren.
Immer mehr Leute sind demenzkrank und gleichzeitig körperlich fit. Als Hauptproblem im Pflegebereich ortet François Höpflinger den fehlenden Nachwuchs. «Es wird immer schwieriger, Pflegefachleute aus dem Ausland zu holen.» In Zukunft dürfte die Spitex deshalb auch vermehrt als professionelle Begleitung für freiwillige Unterstützung gefragt sein. Dass Roboter künftig Entlastung bieten könnten, hält Höpflinger für wenig wahrscheinlich.
Die Zeit ist reif
für intensivere Zusammenarbeit
Im Anschluss an das Referat kamen dann in einem Podiumsgespräch pflegende Angehörige zu Wort: Der Vater eines an Muskelschwund erkrankten Mannes und die Ehefrau eines Alzheimer-Patienten. Die Welt werde kleiner, waren sich beide einig, und äusserten den Wunsch nach persönlichen Auszeiten, sei es für einen Nachmittag in Zürich oder einige Tage in den Bergen.
Dass die drei Ämtler Spitex-Organisationen den Tag gemeinsam bestritten haben, ist übrigens kein Zufall. «Gemeinsam Bewährtes zusammenführen», nennt Marcel Eicher, Präsident der Spitex Knonaueramt Nord-West die Marschrichtung. Bereits vor zehn Jahren war ein Zusammenschluss der Ämtler Spitex-Organisationen ein Thema. «Jetzt ist die Zeit reif», so Lienhard Grimmer. «Auch fürs Spital als Partner wäre es hilfreich, nur noch einen Ansprechpartner zu haben», so Renate Weisbrod, Präsidentin der Spitex Oberamt, zu seiner Unterstützung.
Dabei sollen die fünf bestehenden Zentren erhalten bleiben. «Sonst werden die Wege bis zum Einsatzort zu weit», begründet Grimmer. Die Idee wurde bereits im Februar den Gemeindepräsidenten an deren Konferenz unterbreitet.
«Das Beispiel von Knonaueramt Nord-West hat gezeigt, dass mit einer guten Struktur mehrere Zentren geführt werden können», so Grimmer. Insbesondere bei der Informatik liessen sich so Kosten einsparen. Als sie ihre Informatik an die neuen gesetzlichen Vorgaben anpassen mussten, haben, haben sich die Organisationen in weiser Voraussicht für eine einheitliche Lösung entschieden.
Ein Thema war in Mettmenstetten auch der bevorstehende Umzug des Spitex-Zentrums an die Obere Fischbachstrasse. Ab dem 1. Oktober ist das Zentrum in seinem neuen Übergangs-Zuhause zu finden. Die Raiffeisenbank übernimmt ihrerseits die bisherigen Spitex-Büroräumlichkeiten. Wenn die Raiffeisen am alten Standort ausgezogen ist, wird die Spitex diesen übernehmen.


