Bezirk Affoltern
11.09.2017

Bereits über 1,3 Mio. Franken ergaunert

Telefonbetrug trifft nicht nur ältere Pensionäre. (Symbolbild Salomon Schneider)

Telefonbetrug trifft nicht nur ältere Pensionäre. (Symbolbild Salomon Schneider)

Während die Kriminalitätsrate gesamthaft rückläufig ist, sind internationale Trickbetrügerbanden zu nehmend aktiver – auch im Knonauer Amt. Gerade durch den Enkeltrick, bei dem sich Telefonbetrüger als Verwandte oder nahe Bekannte in Geldnot ausgeben, werden immer grössere Summen ergaunert.

von salomon schneider

Bei hauptberuflichen Verbrechern ist es wie mit allen Profis. Sie werden mit längerer Erfahrung immer besser, erfolgreicher und oftmals auch skrupelloser. Telefonbetrüger sind besonders schwierig zu fassen, da ihre Opfer erst nach der Geldübergabe realisieren, dass sie Opfer eines Betruges geworden sind. Ist das Geld jedoch einmal weg, sind es die Verbrecher auch. Denn diese agieren aus dem Ausland. Einzig die Abholer halten sich bis zur Übergabe des Geldes für kurze Zeit vor Ort in der Schweiz auf. Dadurch ist die Strafverfolgung von Trickbetrügerbanden für die Polizei besonders schwierig.

Sie setzen ihre Opfer unter psychischen Druck

Gerade Telefonbetrug ist momentan sehr stark im Kommen. Im gesamten Jahr 2016 wurden bei der Zürcher Kantonspolizei 23 vollendete Telefonbetrugsdelikte angezeigt. Dabei wurde eine Deliktsumme von 724'900 Franken erbeutet. Dieses Jahr waren es bisher zwar nur zwölf vollendete Betrugsdelikte, jedoch mit einer Deliktsumme von 1'279'300 Franken. «Trickbetrüger sind Profis, die mit massivem, psychischem Druck arbeiten. In der Situation wirkt alles real und dringlich – erst bei genauer Reflexion fallen Ungereimtheiten auf. Für diese Reflexion lassen die Betrüger ihren Opfern jedoch keine Zeit. Viele Menschen schämen sich, wenn sie ihnen auf den Leim gegangen sind und zeigen die Straftat leider nicht an. Deshalb liegt die Dunkelziffer bei Telefonbetrug besonders hoch. Die Polizei geht von einer Dunkelziffer vom Faktor fünf aus. Würden alle Opfer Anzeige erstatten, könnten wir diesen Betrügern viel einfacher das Handwerk legen», erläutert Martin Litscher, Chef der Regionalabteilung Limmattal-Albis der Zürcher Kantonspolizei.

So funktioniert der Enkeltrick am Telefon

Die Drahtzieher der Telefonbetrügerbanden sind in der Regel in Polen stationiert und durchsuchen von dort Telefonbücher nach alt klingenden Vornamen. «Maria ist beispielsweise ein Vorname, der vor 80 Jahren sehr beliebt war, aber auch heute noch zu den beliebtesten 50 Namen gehört. Marias anzurufen lohnt sich deshalb nicht. Gertrud beispielsweise war früher ein beliebter Vorname, den es heute fast nicht mehr gibt. Auf solche Namen haben es die Telefonbetrüger abgesehen», erklärt Martin Litscher.

Wenn sie einen passenden Namen gefunden haben, rufen sie an und fragen fast immer: «Rate mal, wer dran ist.» Wer miträt, gibt den Betrügern bereits erste Informationen preis. Wenn jemand fragt: «Rate mal wer dran ist…?», dann ist der beste Schutz, den Hörer sofort aufzulegen. Die Betrüger geben dann sofort auf und suchen sich ein neues Opfer. Diese müssen allein zu Hause sein, damit sie sich keinen Rat holen können. Denn die Betrüger können nur Erfolg haben, wenn sie eine psychische Drucksituation aufbauen können. Dazu müssen sie verhindern, dass ihre Opfer mit anderen Menschen sprechen.

Wer einmal gezahlt hat, wird nicht mehr in Ruhe gelassen

«Der Professionalisierungsgrad der Betrüger ist erschreckend. Sie haben auf jede Rückfrage eine Antwort parat», warnt Martin Litscher. Die komische Stimme liegt am schlechten Handyempfang und das Geburtsdatum: «Aber Omi, weisst du denn das nicht mehr?»

Nach einer Kennenlernphase kommen die Betrüger auf eine erfundene Notsituation zu sprechen und stellen eine erste Geldforderung und sagen, dass sie es sofort bräuchten. Noch während die grösstenteils weiblichen Opfer anbeissen, schicken die Anrufer einen Abholer und teilweise auch Aufpasser vor Ort. Diese schauen dann zu, ob in der Bank beim Geld abheben alles rund läuft und gehen an den Übergabeplatz. Dort stellen sie sich vor, und haben den vermeintlichen Verwandten am Telefon, der versichert, dass sie das Geld dem «vertrauenswürdigen» Kollegen geben könne. Er oder sie sei aus irgendeinem Grund verhindert.

Wer einmal Geld gegeben hat, wird zudem meistens weiter gemolken. Das geht so lange, bis die Opfer psychisch zusammenbrechen, sich jemandem anvertrauen, kein Geld mehr haben oder zur Polizei gehen.

Das kann man gegen Trickbetrüger tun

Martin Litscher erklärt, wie man sich am besten vor Telefonbetrügern schützt: «Wer einen verdächtigen Anruf entgegennimmt, sollte umgehend den Hörer auflegen und die Polizei (Notruf 117) darüber informieren. Die Betrüger rufen nämlich direkt nach dem Aufhängen erneut an. Wenn dann plötzlich besetzt ist, wissen sie, dass sie aufgeflogen sind und rufen nicht mehr an. Grundsätzlich ist es nie zu spät, mit einem Verwandten, Bekannten oder der Polizei über so etwas zu reden. Auf jeden Fall sollte man nie Geld auszahlen, ohne vorher mit jemandem darüber gesprochen zu haben. Warnhinweise von Bankangestellten sollten ernst genommen werden. Diese haben in der Vergangenheit schon mehrfach solche Straftaten verhindert.

Wer sichergehen will, kann im Telefonbuch auch den Vornamen auf den ersten Buchstaben reduzieren lassen, denn mit einem G. im Telefonbuch können Betrüger nichts anfangen. Zudem lohnt es sich, Verwandte und Bekannte auf die Trickbetrüger-Problematik anzusprechen. Denn, wer den Trick kennt, wird im Ernstfall eher hellhörig.»

Infos: www.telefonbetrug.ch.