Bezirk Affoltern
16.10.2017

Ein Netz, das auch die Angehörigen trägt

Organisation des Anlasses und Referierende, von links: Ursula Jarvis, wabe Knonaueramt; Claudia Garaventa, wabe Knonaueramt; Carmen Kissling, Spital Affoltern; Bettina Barz, Spital Affoltern; Laura Bechter, Spital Affoltern; Olaf Schulz, Onko Plus; Evi Ketterer, Autorin; Helen Roth, Spital Affoltern. (Bild Regula Zellweger)

Organisation des Anlasses und Referierende, von links: Ursula Jarvis, wabe Knonaueramt; Claudia Garaventa, wabe Knonaueramt; Carmen Kissling, Spital Affoltern; Bettina Barz, Spital Affoltern; Laura Bechter, Spital Affoltern; Olaf Schulz, Onko Plus; Evi Ketterer, Autorin; Helen Roth, Spital Affoltern. (Bild Regula Zellweger)

Tag der offenen Tür bei der Palliativstation Villa Sonnenberg

von Regula Zellweger

Mit dem Projekt «Offene Tür – Palliativstation Villa Sonnenberg» schufen das Spital und die beteiligten Organisationen einen niederschwelligen Zugang, um die Ziele, Werthaltung, Angebote und Möglichkeiten der Palliativstation kennen zu lernen. Im Zent-rum standen am Samstag die Angehörigen unter dem Motto «Sich engagieren und sich Sorge tragen.» In diesem Spannungsfeld zwischen Engagement und Achtsamkeit sich selbst gegenüber gilt es für alle Betreuenden, immer wieder neu das Gleichgewicht zu finden.

Verstehen können

Es ging an diesem sonnigen Samstag um Informationen und darum, verstehen zu können. Nicht nur Informationen zu erhalten über die verschiedenen Angebote, sondern auch einerseits die Möglichkeiten und Grenzen der Palliativstation zu erfassen, anderseits die komplexen Zusammenhänge beim Begleiten von Sterbenden und im Trauerprozess verstehen zu können.

Psychotherapeutin Bettina Barz fand in ihrem Referat zum Thema «Trauern» feinfühlig die richtigen Worte, um ihrer Zuhörerschaft mit Empathie, Respekt und grosser Fachkompetenz aufzuzeigen, wie unterschiedlich Menschen mit ihrer Trauer umgehen. Sie verstand es, mit ihrem Referat jeden der Anwesenden so anzusprechen, dass er sich verstanden fühlte. Im Publikum waren viele von einem Trauerfall betroffene Menschen. Mit grosser Achtsamkeit schaffte es Bettina Barz, offen und direkt zu sprechen, ohne Wunden aufzureissen – ein anspruchsvoller Balanceakt.

Grenzen und Möglichkeiten

In der breiten Öffentlichkeit ist nicht überall klar, was beispielsweise der Unterschied zwischen Palliativstation und Hospiz ist. Der Co-Chefärztin Geriatrie und Palliative Care Helen Roth ist es ein grosses Anliegen, verständlich zu machen, was die Palliativstation als Abteilung des Spitals Affoltern bieten kann.

«Menschen, die bei uns aufgenommen werden, leiden an komplexen instabilen Erkrankungen, bei denen keine Aussicht mehr auf Heilung besteht, beispielsweise weit fortgeschrittene Krebserkrankungen oder unheilbare Herz-, Atemwegs- oder Nervenerkrankungen. Unsere Aufgabe besteht darin, durch gezielte Behandlung von Schmerzen und Linderung von belastenden Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit, Angst und Verwirrung bestmögliche Lebensqualität zu erreichen. Wenn der Patient soweit stabil ist, dass er kein Akutspital mehr benötigt, sind wir gezwungen, eine Anschluss-lösung zu finden.»

Systemisch arbeiten

«Viele Patienten gehen wieder nach Hause oder treten in eine Langzeit-pflegestation aus. Im Vergleich hierzu gehört das Hospiz in die Kategorie der Langzeitpflegeinstitutionen. Eine weitere wichtige Aufgabe der Palliativstation ist die intensive Begleitung der betreuenden Angehörigen sowie die Unterstützung beim Aufbau eines tragenden Netzwerkes vor Austritt nach Hause oder vor Verlegung in eine andere Institution. Ferner sind wir beratend tätig, wenn es um wichtige Entscheide im Zusammenhang mit weiteren Behandlungen geht, wie beispielsweise Chemo- oder Strahlentherapie, sowie um die vorausschauende Planung von möglichen Komplikationen und Problemen», so Helen Roth.

Interdisziplinär Lösungen finden

Gemeinsam setzt man sich um den Tisch, Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuteninnen und Sozialarbeiterin, um Lösungen zu finden. Aufenthalt und therapeutische und medizinische Betreuung sind krankenkassenanerkannt, allerdings nur so lange es um unabdingbare medizinische Indikationen geht. Die Patienten gehen wieder nach Hause mit dem Wissen um alle Möglichkeiten der Entlastung im Alltag. Wer nicht die Möglichkeit hat, von Angehörigen betreut zu werden, wählt andere langzeitlich angesetzte Lösungen, beispielsweise ein Aufenthalt in einem Hospiz oder in der Langzeitpflege. Wenn sich die gesundheitliche Befindlichkeit verschlechtert, kehren die Patienten auf die Palliativstation zurück. Für viele hat es dann den Aspekt von «Nachhause kommen». Geborgenheit zu empfinden ist für Menschen mit schweren Erkrankungen existenziell.

Care Café, wabe Knonaueramt und Onko Plus

Carmen Kissling, Stationsleiterin der Palliativstation, stellte ihren Zuhörern das Care Café vor, das vier Mal jährlich stattfindet. Das Care Café ist ein Angebot für Menschen, die einen Angehörigen auf der Palliativ-Station durch Tod verloren haben. Fachpersonen aus dem Palliativ-Team gestalten diesen regelmässigen Anlass, der auch Raum für persönliche Gespräche bietet. Claudia Garaventa, Koordinatorin und Einsatzleitung der Freiwilligen des Vereins wabe Knonaueramt – Wachen und Begleiten, und Ursula Jarvis, Präsidentin des Vereins wabe, informierten über Freiwilligeneinsätze. Olaf Schulz erklärte die Bedeutung von Onko Plus, einer gemeinnützigen Stiftung für mobile spezialisierte Onkologie- und Palliativpflege.

Pflegende Angehörige

Im Workshop «Pflegende Angehörige» von Helen Roth und Laura Bechter, Fachberaterin Pflege Palliativstation, kamen auch Fragen zur Patientenverfügung zur Sprache – eine Sache, die man gern vor sich herschiebt. Für medizinische Fachpersonen wie auch für Angehörige ist eine Patientenverfügung ein verbindlicher Leitfaden, um den Willen von Kranken im Rahmen der Gesetze und den gegebenen Möglichkeiten zu respektieren und zu realisieren. Evi Ketterer las aus ihrem Buch «Geschichten intimer Beziehungen». Sie erzählt darin von Sterbenden, Angehörigen und begleitenden Personen.

«Wenig spitalig», brachte ein Besucher seine Eindrücke auf den Punkt. Dies als grosses Lob. Denn die Palliativstation des Spitals Affoltern geniesst weit herum in der breiten Öffentlichkeit und in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf. Eine Frau meinte: «Man spürt hier einfach Liebe.»

Wer den Anlass verpasst hat, hat die Möglichkeit, individuell auf telefonische Anmeldung vor Ort Informationen zu bekommen.

Weitere Infos: Palliativstation Spital Affoltern: www.spitalaffoltern.ch/palliative-care.html, 044 714 38 11, palliative@spitalaffoltern.ch; Wabe Knonaueramt, www.wabe-knonaueramt.ch, Ursula Jarvis, 043 466 83 23, ursula.jarvis@wabe-knonaueramt.ch; Onko Plus: www.onko-plus.ch; Spitex Knonaueramt, www.spitexka.ch, 044 762 50 40, info@spitexka.ch.