Bezirk Affoltern
11.01.2018

Kahle Stellen in Ämtler Wäldern

Förster Flurin Farrér zeigt Sturmschäden im Obfelder Gebiet Oberlunnern. (Bild Thomas Stöckli)

Förster Flurin Farrér zeigt Sturmschäden im Obfelder Gebiet Oberlunnern. (Bild Thomas Stöckli)

Sie wurzeln flach und bieten dem Wind Angriffsfläche: Vor allem Fichten sind es, die der Sturmwind vom 3. Januar im Knonauer Amt umgeworfen hat. In einem «Domino-Effekt» rissen sie meist weitere Bäume mit.

von thomas stöckli

 

Im Wolserholz, Maschwanden, liegen auf einer Fläche von 40 Aren fast alle Bäume am Boden. Auf 200 Kubikmeter schätzt Flurin Farrér, Förster des Reviers Knonauer Amt Süd, die Holzmenge. Das seien zehn bis zwölf Lastwagenladungen. Kahle Stellen wie diese hat Wintersturm Burglind da und dort im Säuliamt hinterlassen. Andernorts sind einzelne Bäume umgeknickt und haben andere mitgerissen. «Domino-Effekt» nennt das der Förster. Entstanden sind so ganze Schneisen. Den Rest machen umgekippte Einzelbäume aus. Diese «Streuschäden» sind besonders schwierig einzuschätzen.

Der «Anzeiger» durfte den Revierförster von Knonau, Maschwanden, Mettmenstetten, Obfelden und Ottenbach am Mittwochmorgen zu einigen Schadenplätzen begleiten. Los ging die Fahrt beim Schützenhaus Obfelden. Nach einigen hundert Metern ist für das Geländefahrzeug bereits Endstation: Eine grosse Fichte liegt über dem Waldweg der Korporation Oberlunnern. Zu 80% habe der Sturm Nadelholz umgeknickt, verrät Farrér. Die Fichten sind als Flachwurzler besonders stark betroffen. Zu Fuss geht es nun in den Wald hinein, zu einer Stelle, an der kaum noch ein Baum steht. Hier wird ein Vollernter zum Einsatz kommen. Den braucht es, um bei den tiefen Holzpreisen rationell arbeiten zu können.

Nach dem bereits beschriebenen Flächenschaden in Maschwanden stand ein Augenschein in Obermettmenstetten auf dem Programm. Hier wurde die Holzkorporation auf dem falschen Fuss erwischt: Die normale Holzernte war nämlich schon fast abgeschlossen, als «Burglind» die Planung über den Haufen warf. Zu den üblichen rund 850 Kubikmeter Holz kommen nun 1500 bis 2000 Kubikmeter «Schadennutzung» hinzu, welche die Korporation nicht aus eigener Kraft bewältigen kann. So wird ein Grossteil der Arbeiten an Unternehmer vergeben. Auffällig ist in Obermettmenstetten die grosse Anzahl von Bäumen, die der Sturm nicht entwurzelt, sondern auf halber Höhe geknickt hat. Damit geht Stammholz verloren, der Wert sinkt.

In seinem Revier habe der Sturm insgesamt 6000 bis 8000 Kubikmeter Holz gefällt, schätzt Flurin Farrér, was der Nutzungsmenge von einem bis anderthalb Jahren entspricht. Mit dem bereits geernteten Holz dürften es 10'000 Kubikmeter sein. Diese Mehrentnahme muss in Zukunft kompensiert werden. So werde nächstes Jahr wohl nur etwa 50 bis 60 Prozent der Normalmenge geerntet. Dies braucht es, damit die Abnehmer ihren Betrieb aufrechterhalten können. Das schwere Holz geht in die Sägerei, Fichten und Weisstannen werden hauptsächlich zu Schaltafeln verarbeitet. Aus minderwertigen Stämmen werden Paletten produziert, Astholz landet in der Schnitzelheizung.

Auffällig sei, dass die Hektik unter den Waldbesitzern bei Weitem nicht so gross ist wie noch bei «Lothar». Sie wissen bereits, dass es noch ein, zwei Monate dauern kann, bis ihr Sturmholz gerüstet ist. Und weil der Sturm nicht alle Regionen gleich stark getroffen hat, zeichnet sich auch kein massiver Einbruch der Holzpreise ab.