Sport
24.08.2012

Diesmal war das Inferno besonders heiss und trocken

«Anzeiger»-Mitarbeiter Bernhard Schneider hat soeben die Grosse Scheidegg erklommen und macht sich guten Mutes auf den Weg nach Grindelwald. (Bild Livia Wiesendanger)

«Anzeiger»-Mitarbeiter Bernhard Schneider hat soeben die Grosse Scheidegg erklommen und macht sich guten Mutes auf den Weg nach Grindelwald. (Bild Livia Wiesendanger)

Das Panorama der Berner Alpen war wunderschön, die Sonne brannte glühend und die Trockenheit verursachte einen ungewohnt starken Wasserverlust. Dennoch: Am Samstag wurde Vroni Steinmann 3. beim Inferno Halbmarathon (Seniorinnen 2), Bernhard Schneider (23. AK 2) und Jürgen Kugler (110. AK 1) erreichten beim Triathlon das Schilthorn und das VaKi-Team, bestehend aus Nadine und Thomas Baumgartner, erreichte Rang 32 bei den Couples.

von bernhard schneider

In einem Tag Inferno-Triathlon durchlebt man eigentlich fast ein ganzes Leben in geraffter Form. Nach einem nicht immer ganz zielgerichteten Schwumm im Thunersee – die 3.1 Kilometer Luftlinie nach Oberhofen können sich gut und gerne auf 3.5 ausweiten, wie die GPS-Uhr im Nachhinein verrät – taucht man frisch und fit aus den Fluten, fährt über den Beatenberg, die Grosse und die Kleine Scheidegg und besteigt schliesslich das Schilthorn. Jeder Aufstieg wirkt beschwerlicher als der vorhergehende, man fragt sich nach dem Sinn des Ganzen, irgendwann wird die Zeit egal, Hauptsache, man erreicht das Ziel. Ziemlich entkräftet dort angekommen, beginnt die Wiedergeburt: Für eine kurze Zeit ist ein alkoholfreies Bier das, was man sich am sehnlichsten wünscht. Hat man es getrunken, geht alles wieder viel besser. Und auf dem Weg zurück nach Mürren bahnt sich bereits der Entscheid an, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Eigentlich besteht der Inferno Triathlon aus fünf Disziplinen. Zu den klassischen Sparten Schwimmen, Rennrad und Laufen kommt das Mountainbike und, nicht zu unterschätzen, die Logistik. Da der Weg von Thun über Oberhofen, Grindelwald und Stechelberg zum Schilthorn führt, muss exakt geplant werden, was allenfalls wo benötigt werden könnte. Fehlt im entsprechenden Sack in der Wechselzone beispielsweise der Schuh fürs Rennrad, wirds schwierig. Und wie verpflegt man sich bei welchem Wetter? Was geschieht bei einem unerwarteten Wetterumbruch? Es ist, wie im realen Leben: Alles lässt sich nicht planen, aber für manches lässt sich vorsorgen.

Der «Inferno» ist ein spezieller Anlass. Gerade weil er mit seinen 5500 Höhenmetern aufwärts und 3100 abwärts besonders hart ist, aber auch, weil es hier nicht um die Qualifikation für irgendein anderes Rennen geht wie beim Ironman, sondern schlicht darum, das Ziel auf 3000 Metern über Meer zu erreichen, fühlt man sich unterwegs eher als verschworene Gruppen denn als Konkurrenten. Man beginnt miteinander zu plaudern, weiss, wer abwärts und wer aufwärts überholt, wenn man sich immer mal wieder trifft, hilft sich bei Bedarf aus. Wenn einer vergessen hat, ein Paar Socken einzupacken, ruft der Speaker aus, ob jemand helfen könne – und es dauert nicht lange, bis das Problem gelöst ist.

Schwierig ist die Sache mit der Verpflegung. Grob gerechnet benötigt man für den Inferno-Triathlon je rund ein Kilogramm Fett und Kohlehydrate und an diesem heiss-trockenen Samstag mindestens 10 Liter Wasser. Fett gibt der Körper genügend ab, für die Kohlehydrate hat man seriös «Carboloading» betrieben, weitere Nährstoffe und Salze nimmt man während des Rennens zu sich – doch die Zahl der Verpflegungsposten reicht an diesem Tag für die Wasserzufuhr nicht aus. Beim Aufstieg durchs Kanonenrohr oberhalb von Mürren, wo auf zwei Kilometern 400 Höhenmeter zu bewältigen sind, bleibt einem schlicht die Spucke weg. Nicht nur wegen des herrlichen Panoramas – ich nehme mir eine kurze Auszeit, setze mich auf einen Stein und bewundere die Berglandschaft –, sondern auch, weil weit und breit kein Wasser in Sicht ist. Das nächste Mal, wenn es wieder so heiss ist, nehme ich einen Getränkebidon mit. Und ich hoffe, dass es wieder so heiss ist. Denn die Aussicht, die nach jedem Aufstieg noch eindrücklicher wird, lohnt einen die Strapazen. Vom Schilthorn aus sieht man den Start in Thun, die drei grossen Abfahrten des Tages, Eiger, Mönch und Jungfrau und einen grossen Teil des Mittellandes bis zum Bodensee. Der Inferno ist eine Leistung des ganzen Berner Oberlandes. Unzählige Helferinnen und Helfer sind engagiert, um den Wettkampf optimal zu gestalten. Anwohner stellen Duschen auf, reichen Schwämme oder Bananen, feuern jeden Einzelnen, jede Einzelne an, die sich die ganze Saison auf diesen Höhepunkt vorbereitet haben, um schliesslich mit einem guten Gefühl und einem Finisher-T-Shirt belohnt zu werden.

Vroni Steinmann auf dem Podest

 

Rund um den Inferno-Triathlon wird eine ganze Reihe von Sportveranstaltungen angeboten. Der Inferno-Halbmarathon zählt zu den anspruchsvollen Bergläufen überhaupt. Er findet auf den letzten 21.1 Kilometern des Inferno-Triathlons am Samstagvormittag statt und geht mit 2200 Höhenmetern nur bergaufwärts. Vroni Steinmann (Hausen), die das Rennen 2001 mit Streckenrekord gewonnen hat, zeigte, dass sie nach wie vor zu den besten Bergläuferinnen zählt, und erreichte den 3. Rang in ihrer Altersklasse. Ein ausgezeichnetes Rennen lieferte auch William White (Bonstetten), der in der Hauptklasse mit 2:49:10 den 36. Rang erreichte und seine persönliche Bestleistung um nicht weniger als 28 Minuten steigerte.