Frischer Wind im Knonauer Rebberg

Eine junge Generation setzt seit 2022 auf biologischen Anbau

Betreiben in Knonau seit 2022 biologischen Weinbau: Valentin Guichard (Mitte) und die Geschwister Linn und Björn Thorsteinsen. (Bild Werner Schneiter)

Seit 40 Jahren wird an einem 1,2 ha grossen Hang zwischen Knonau und Uttenberg Wein produziert – bis 2021 durch Edwin Marty, der mit seinen Gewächsen der Sorten Pinot noir und Riesling x Sylvaner auch Gold- und Silbermedaillen gewann. Im Winter 2021/22 zog er sich altershalber zurück und übergab einer jüngeren Generation.

Valentin Guichard, Linn und Björn Thorsteinsen, die gemeinsam die Domaine Guichard GmbH betreiben, setzen seit der Übernahme auf biologischen Anbau. Sie deklarierten das Startjahr als «Übergangsjahr». Die Trauben haben sie 2023 erstmals selbst gepresst und den Wein gekeltert. Die roten Trauben kommen zuerst in den Fermentierungstank und werden auch mit den Füssen gestampft. «Zur Stabilisierung wird wenig Schwefel verwendet, damit der Wein in allen Flaschen ein konsistentes Aroma aufweist», sagt Björn Thorsteinsen. Das Erzeugnis bleibt nun bis im Frühjahr 2025 in den Fässern in einem alten Keller aus dem Jahr 1795 unter perfekten Bedingungen in Dottikon AG und wird hernach von Hand abgefüllt. Für jeden Jahrgang werden einige Eichenfässer renoviert und wiederverwendet. Es resultieren rund 3000 Flaschen – etwas weniger als 2022, ein Drittel Weiss- und zwei Drittel Rotwein aus den Sorten Pinot noir, Pinot gris, Riesling x Sylvaner (Müller-Thurgau), Cabernet-Dorsa, St. Laurent und Dornfelder.

Prophylaxe ist wichtig

Und der Jahrgang 2024? «Wir haben eine strenge Saison hinter uns», halten die Ärztin, der Architekt und der Winzer fest. Viel Regen während der Blütezeit und etwas Hagel im August beeinträchtigen den auf Ende September geplanten Wümmet. Seit ein paar Jahren macht auch die sogenannte Kirschessigfliege zu schaffen. Im ökologischen Anbau in Knonau setzt man nicht auf Chemie, sondern auf phytotherapeutische Praktiken. Pflanzenpräparate wie Schafgarbe oder Schachtelhalm werden der Effizienz wegen mit wenig Kupfer und Schwefel unterstützt. Eine wirksame Prophylaxe bietet eine gute Durchlüftung der Reben, die mit bewusst konsequentem «Erlesen» im Frühling erreicht wird. Zudem werden Äste, die zu überkreuzen drohen, begradigt und Gras geschnitten. Damit wird zu viel Feuchte und damit Pilzbefall begegnet. Fallen sollen helfen und auch ein Versuch mit Apfelessig und Waschmitteltropfen.

Während der Ernte werden schlechte Weinbeeren entfernt. «Es kommen nur die schönsten Trauben ins Fass», so die Produzenten. Die Bewirtschaftung des Rebhügels ist aufwendig, weil sie – mit Ausnahme des Spritzens – ohne Maschinen und mit viel Handarbeit erfolgt. Auf Netze gegen Vogelfrass, der wenige Prozente ausmacht, wird verzichtet. Der Wümmet wird mit Freunden bestritten, 20 bis 25 Personen sind dabei – nach dem Motto: «Gemeinsam arbeiten und Freude haben.»

Wie gross die Freude über den diesjährigen Knonauer Ertrag sein wird, wird sich bei der Ernte zeigen. Vom 22er-Jahrgang gingen nach Vorbestellung rund 70 Prozent an Bekannte und Freunde sowie an Restaurants und Weinhändler in der Region. Infos unter www.domaineguichard.ch.

Uerzliker: Noch keine Vermarktung

Wie sieht es in anderen Rebbergen im Säuliamt aus? Nachdem Reto Häggi und Tina Furrer 2019 das Areal der Familie Leuthold in Uerzlikon übernommen haben, ging das einher mit einer Reduktion des Areals von 18 auf 15 Aren. Es wurde 2021 vollständig neu bepflanzt, sodass in diesem Jahr eine erste Ernte ansteht. «Eine Vermarktung ist aber noch nicht möglich. Die Witterung war suboptimal, es gab auch leichten Frost», ergänzt Reto Häggi. Angebaut werden robuste, pilzresistente Sorten Divico (rot) und Sauvignac (weiss).

Wegen Regens reduziert sich der Ertrag bei Charles Schaller, der seit bald 30 Jahren auf dem Müliberg auf einer Fläche von 17 Aren anbaut, ausschliesslich Riesling x Sylvaner, den der Weinbauer «Gottert-Höckler» nennt. Nachdem im vergangenen Jahr rund 800 kg resultierten, erwartet er in diesem Jahr etwas weniger. Die Erträge liegen jeweils bei 600 bis 900 kg.

Marianne und Peter Käppeli aus Obfelden haben in Wettswil ihre Tätigkeit als Hobbywinzer 2022 aufgegeben, aus Altersgründen. «Dettenbühler», einen Roten aus Garanoir-Trauben, gibt es nach 20 Jahren nicht mehr. «Die Rebstöcke wurden entfernt. Der Entscheid ist uns nicht leichtgefallen», sagt Peter Käppeli mit Blick auf eine schöne Zeit. Aber niemand der Nachkommen wollte weitermachen. Somit bleibt der Trost, dass der letzte Jahrgang, der 2022er, ein sehr guter gewesen ist.

Über den Weinberg in der Hausemer Vollenweid, bewirtschaftet von Nicole und Röbi Eberhard, ist im Rahmen der «Anzeiger»-Sommerserie am 13. August eine Reportage erschienen.