Gehen ist des Menschen beste Medizin

Die Angebote von Wandergruppen im Knonauer Amt nutzen

Die «Wandergruppe gemütlich» legte den Weg von Beinwil im Freiamt nach Merenschwand zurück. Nur kurz fiel etwas erfrischender Regen. (Bilder Regula Zellweger)

Die «Wandergruppe gemütlich» legte den Weg von Beinwil im Freiamt nach Merenschwand zurück. Nur kurz fiel etwas erfrischender Regen. (Bilder Regula Zellweger)

Die erste Gruppe hatte bereits den Picknickplatz eingerichtet und ein Feuer entzündet, als die zweite Gruppe ankam.

Die erste Gruppe hatte bereits den Picknickplatz eingerichtet und ein Feuer entzündet, als die zweite Gruppe ankam.

An einer lauschigen Picknickstelle rasteten die Seniorinnen und Senioren und nutzten die Mittagszeit zum Essen und Plaudern.

An einer lauschigen Picknickstelle rasteten die Seniorinnen und Senioren und nutzten die Mittagszeit zum Essen und Plaudern.

Es fiel den Ottenbacher Wanderführerinnen Anita Fecker und Helene Guthauser nicht leicht, sich für die Wanderung zu entscheiden. Denn der Wetterbericht glich einem Orakel. Mutig beschlossen sie, die geplante Wanderung durchzuführen. Und der Wettergott hatte ein Einsehen: Es regnete nur kurz, als die Gruppe an einem schönen Plätzchen grillierte. Der Weg führte von Beinwil im Freiamt nach Merenschwand, Anreise und Rückreise mit dem Postauto.

Die beiden Wanderleiterinnen rekognoszieren jeweils gemeinsam die Reisen – es macht ihnen Spass, für die «Wandergruppe gemütlich» eine kleine Reise von 1,5 bis 2,5 Stunden vorzubereiten. Die detaillierten Informationen übermitteln sie den Teilnehmenden auf www.ottenbach60plus.

Gemeinsames Erleben macht glücklich

Im Juni nahmen rund 20 Personen an der Wanderung teil, davon zwei Männer. Man duzt sich und die Stimmung ist herzlich. Etappenweise teilte sich die Gruppe auf in «Schnelle» und «etwas weniger Schnelle». Die sportlichen Anforderungen sind gering, und gibt es eine etwas unwegsame Teilstrecke, hilft man sich gegenseitig. Auch Wanderstöcke kommen zum Einsatz.

Die schnelle Gruppe hatte den Picknickplatz eingerichtet, als die langsamere Gruppe ankam. Ein Feuer brannte und Anita Fecker hatte bereits einen kleinen Apéro aufgetischt. Jede und jeder brachte sein Essen mit, ein über 80-jähriges Ehepaar verteilte Oliven aus seiner ursprünglichen Heimat Griechenland.

Am Schluss der Wanderung kehrten alle beim Albis Beck in Merenschwand ein, um weitere Zeit gemeinsam zu verbringen. Einige wanderten weiter von Merenschwand nach Ottenbach, andere nahmen das nächste Postauto. Anita Fecker betont: «Das Wandern ist eine Sache, das Zusammensein eine andere. Beides ist wichtig. Wir treffen uns auch jeden 13. des Monats in Ottenbach im Café. Willkommen sind alle, auch frühere Mitwandernde, die längere Wege nun nicht mehr schaffen. Da werden Erinnerungen ausgetauscht. Beim Wandern entstanden Freundschaften – im Alter ist dies besonders wichtig.»

Anbieter von Wanderungen

Im ganzen Knonauer Amt findet man über die Gemeindewebseiten Wandergruppen. In Ottenbach gibt es neben der gemütlichen Gruppe das Angebot von 3- bis 4-stündigen Wanderungen. Viele Wandergruppen nehmen die Unterstützung der Pro Senectute in Anspruch. Pro Senectute bildet Wanderleiterinnen und Wanderleiter aus und weiter. Dabei stehen Themen wie Tourenplanung, Sicherheit, Erste Hilfe, Gruppendynamik und der Umgang mit älteren Menschen im Mittelpunkt.

Pro Senectute strebt ein breites Angebot für unterschiedliche Bedürfnisse an. Sie betont, wie wichtig das gemeinsame Wandern für die Gesundheit und für soziale Kontakte ist, und trägt dazu bei, dass sich die Angebote betreffend Anspruchsniveau unterscheiden, dass Naturerlebnisse vermittelt werden und dass eine Teilnahme niederschwellig ist. Wer gemeinsam wandern will, findet Möglichkeiten beispielsweise in Affoltern unter /senioren8910.ch, in Knonau unter www.swgk.ch – oder in Hausen finden sich gleich drei Wandergruppen. Man gibt bei Google «Wandergruppe» und den Wohnort ein.

«Naturfreunde Schweiz» führt beispielsweise auch Wanderungen durch. Wer weder in einer Gruppe noch allein wandern will, findet über sozialkontakt.ch Menschen aus der Region, die jemanden zum gemeinsamen Wandern suchen. Wanderbegleitung finden kann man auch über www.schweizer-wanderwege.ch. Die meisten Wanderleiterinnen und -leiter arbeiten ehrenamtlich.

Positive Aspekte des Wanderns

«Gehen ist des Menschen beste Medizin», formulierte bereits Hippokrates. Tatsächlich zählt regelmässiges Wandern zu den empfehlenswertesten Bewegungsformen im Alter. Es verbessert die Herz-Kreislauf-Gesundheit, stärkt Muskeln, Knochen und Gelenke, fördert Gleichgewicht, Beweglichkeit und Ausdauer und kann helfen, Blutdruck, Blutzucker und Körpergewicht positiv zu beeinflussen. Ebenso wirkt sich Wandern günstig auf das psychische Wohlbefinden aus: Es baut Stress ab, hebt die Stimmung und fördert die Konzentration. Regelmässige Bewegung wird zudem mit einem geringeren Risiko für kognitive Einschränkungen im Alter in Verbindung gebracht.

Viele kennen diese Vorteile – und dennoch bleiben die Wanderschuhe oft im Schrank. Hier setzen Wandergruppen an: Sie motivieren zu regelmässiger Bewegung, geben Sicherheit und fördern soziale Kontakte. Die Gemeinschaft trägt dazu bei, dass Bewegung langfristig Freude bereitet.

Es lohnt sich also, den ersten Schritt zu tun – ganz nach Mark Twain: «Das Geheimnis des Vorwärtskommens besteht darin, den ersten Schritt zu tun.»

«In der Schweizer Bevölkerung wächst fast nur noch die Gruppe der Pensionäre», ist in den Bevölkerungsprognosen des Bundesamts für Statistik zu lesen. Heute altern wir gesünder als die Generationen vor uns. Den «Anzeiger» interessiert, wie Menschen es schaffen, nach der Pensionierung ein sinnvolles, zufriedenes und interessantes Leben zu gestalten. Denn es geht nicht nur um die Anzahl der Jahre, sondern um deren individuell gelebte Lebensqualität. Die Redaktion nimmt gern Input entgegen:

redaktion@affolteranzeiger.ch. (red)