Schwestern im Einklang
Bei Dana und Noemi Kammerlander herrscht nicht nur beim Musizieren Harmonie
Noemi Kammerlander spielt Cello im Orchester Jugendsinfonieorchester Aargau und im Jugendorchester Con Brio der Musikschule Knonauer Amt und der Kantonsschule Limmattal. Ihre Schwester Dana nicht, denn als Pianistin ist man eher selten Orchestermitglied – aber Solistin. Als solche trat sie bereits mit Con Brio unter der Leitung von Corinna Camacaro auf. Gemeinsame Auftritte haben die Schwestern auch mit ihrem Quintett, zusammen mit den Schwestern Vanessa und Annina Lucarelli und Timo Fröhli. Das Quintett trat beispielsweise im Januar 2026 mit einem Werk von Antonín Dvořák im Rahmen der ersten Talentbühne des Förderprogramms Knonauer Amt und Limmattal auf.
Förderprogramm der Musikschule Knonauer Amt
Überdurchschnittlich musikalisch talentierte und besonders engagierte Schülerinnen und Schüler sollen frühzeitig erkannt und gemäss ihren individuellen Anlagen und Interessen mit dem Förderprogramm gezielt gefördert werden. Für die Aufnahme ist das Bestehen einer Eignungsprüfung erforderlich. Noemi und Dana haben dies mit Bravour geschafft. Zusätzlich zum erweiterten Einzelunterricht erhalten sie deshalb Zugang zu vertieftem Wissen der musikalischen Theorie und Praxis und musizieren in typischen Formationen der von ihnen bevorzugten Musikrichtungen.
Betreffend Musikrichtungen sind die 17-jährigen Schwestern völlig offen. Bisher übten sie im Quintett beispielsweise Werke von Vivaldi, Dvořák und Schostakowitsch. Noemi erzählt begeistert von ihrem Cellolehrer Martin Zeller. Er sucht passende Stücke für die fünf jungen Talente und lässt sie auswählen.
Wir sind Dana und Noemi
Dana Kammerlander schliesst zurzeit die Fachmittelschule ab. Sie konnte bereits in der Primarschule eine Klasse überspringen. Sie hat das Berufsziel Hebamme. Pflegefachfrau wäre ihr zu generell und sie sucht den direkten Kontakt mit Menschen. Ein Musikstudium lehnt sie zurzeit ab: «Die Eintrittsprüfungen sind streng, ich habe Angst vor zu viel Druck und möchte Musik als mein liebstes Hobby beibehalten.»
Vom Vater bekam sie eine Gitarre zu Weihnachten, aber das E-Piano lockte sie mehr. Der Vater spielte selbst Posaune in einem Orchester. Er förderte seine Töchter musikalisch – ohne Druck zu machen.
«Dana hat bessere Noten in der Schule», erklärt Noemi. Dana ist die Sportliche der beiden Schwestern. Geräteturnen ist ihr Lieblingssport. Sie sagt von sich, sie sei strukturiert, mag es zu planen, zu organisieren und zu koordinieren.
Familie Kammerlander wohnt in einem Mehrfamilienhaus in Birmensdorf. Dana lacht: «Wir haben sehr tolerante Nachbarn.» Denn pro Tag üben beide Schwestern mindestens drei viertel Stunden.
Mit acht Jahren begann Noemi Kammerlander Cello zu spielen. Sie ist die Kreative der Schwestern. Sie erzählt: «Zum Einschlafen liess mein Vater Cellomusik mit der bekannten Cellistin Yo-Yo Ma erklingen. Vielleicht hat mich dies unbewusst zu meinem Instrument gebracht.» Auch sie besucht die Fachmittelschule, auch sie konnte eine Primarklasse überspringen. Sie will Lehrerin werden.
«Ich hatte zuerst ein wirklich schlechtes Cello», lacht sie, «aber als ich mit den Musikstunden begann, mieteten wir ein besseres und vor zwei Jahren durfte ich bei Geigenbauer Rast in Zürich ein eigenes Cello auslesen.» Noemi Kammerlander sagt von sich: «Ich bin offen, ehrlich, gehe auf Menschen zu, mein Freundeskreis ist mir wichtig und ich habe eine gute Portion Humor.»
Wer ist nun die ältere der beiden Schwestern? «Das wissen wir nicht, wir kamen durch Kaiserschnitt beinahe gleichzeitig zur Welt.»
Schwestern und Freundinnen
Die Schwestern Kammerlander sind Zwillinge, gleichen sich äusserlich, sind aber starke, eigenständige Persönlichkeiten. Bereits die Eltern achteten darauf, sie nicht gleich zu kleiden und sie in ihrer Individualität zu fördern. Wenn jemand sie mit «die Zwillinge» anspricht, wehren sie sich: «Wir sind Dana und Noemi.»
Sie haben eine enge Beziehung. Beide sind erstaunlich reif für ihr Alter, haben Tiefgang und schätzen solchen auch bei ihren Freundinnen und Freunden. Auch die Volksschulzeit brauchen sie gemeinsam hinter sich, jetzt aber in der Fachmittelschule, besuchen sie verschiedene Klassen. «Damit hat sich unsere enge Beziehung etwas gelockert», meint Dana und Noemi ergänzt: «Wir haben zwar immer noch denselben Freundeskreis, aber nun sind neu individuelle Beziehungen dazugekommen. Wir wollen ganz bewusst unsere Eigenständigkeit entwickeln und pflegen.»
Sie sind trotz ihrer Erfolge bescheiden geblieben. «Wir sind musikalisch so weit gekommen, weil wir mit Freude musizieren. Und weil wir uns gegenseitig motivieren und zu Hause ein förderndes, unterstützendes Umfeld haben. Einen grossen Anteil am Erfolg haben unsere Lehrpersonen. Sie sind gute Vorbilder, auch beispielsweise die Con Brio Dirigentin Corinna Camacaro.» Noemi bringt es auf den Punkt: «Ehrgeiz und Fleiss reichen nicht. Man muss Musik leben, und nicht ‹machen›.»
In dieser Serie stellt der «Anzeiger» junge Musikerinnen und Musiker aus der Region vor. (red)





