Sie lebt mit Herz und Seele für ihre «Post»

Seit bald 25 Jahren wirtet Biljana Krstanovic in der Ottenbacher «Post»

Mit Engagement und Empathie zum Erfolg: Biljana Krstanovic, seit bald 25 Jahren «Post»-Wirtin in Ottenbach. (Bild Werner Schneiter)

Pächter und Wirtinnen kommen und gehen – in zunehmend höherem Rhythmus. Vielerorts sind Klagen über Personalmangel und ausbleibende Gäste zu hören – nicht aber in Ottenbach, wo Biljana Krstanovic das Restaurant Post seit bald 25 Jahren führt, eine geschichtsträchtige Stätte, 1863 erbaut und heute im Besitz der Gemeinde. In den Anfangsjahren hiess es Restaurant Hegetschweiler/Post, ab 1890 nur noch Post; von 1877 bis 1900 dienten die Räume auch als Postlokal. Im Scheunenteil gab es eine Metzgerei und hernach bis 1935 ein Notschlachtlokal. 1899 wurde der Postsaal eingeweiht; im Januar 1963 brannte die «Post» nieder.

«Mein Zuhause»

«Im Jahr 2000 – im Alter von 32 Jahren – habe ich mich für die Selbstständigkeit entschieden», sagt die Gastwirtin. Und sie hat diesen Schritt zu keiner Stunde bedauert. «Zwei, drei Restaurants habe ich mir damals angeschaut, mich glücklicherweise für die ‹Post› entschieden und damit für das schönste Dorf», schwärmt die gelernte Gastronomin. Die «Post» ist ihr Zuhause, ja gar ihr Wohnzimmer, wo sie auch privaten Besuch empfängt.

Der Erfolg von Biljana Krstanovic, die von den Gästen auch Bili genannt wird, fusst auf Freundlichkeit und ­Empathie. Sie macht das auch ihrem Team vor, und sagt mit einem gewinnenden Lachen: «Mit Herz und Seele dabei – dann kommts gut.» Dann sind auch tägliche Arbeitszeiten von zehn bis zwölf Stunden kein Problem, zumal ­Biljana Krstanovic auf treue Stamm-­­­­gäste – auch aus der Region – zählen kann und sowohl von der Gemeinde als auch von Dorfvereinen viel Zuspruch erfährt. Ohne ihre gewinnende Art, ihre Freundlichkeit und die Erkenntnis, dass Gäste nicht nur einfach zum Essen kommen, wäre das nicht der Fall. «Auch wenn wir im Stress sind, dürfen wir die Gäste deswegen nicht stressen», lautet einer ihrer Leitsätze.

Gutes Team – die Wirtin in der Küche

Voraussetzung für Erfolg ist ausserdem ein gutes Team. Und das hat die Wirtin inzwischen: Im Saal (26 Plätze), im Restaurant (50) und im Gartenrestaurant (50) bedienen zwei Serviceangestellte und bei Bedarf eine Aushilfe. Nachdem die Suche nach einem Koch nicht fruchtete – wie an vielen Orten – hat die Wirtin vor einem halben Jahr diesen Part übernommen und bereitet mit einer Küchenhilfe die Menüs in eigener Regie zu. «Das gefällt mir sehr gut, weil ich da auch meine kreative Seite zeigen und Neues wagen kann. Manchmal frage ich auch meine Gäste nach ihren Wünschen», sagt sie. Als Chefin müsse sie bei Bedarf überall einspringen und jede Position abdecken können, fügt sie bei. Biljana Krstanovic setzt auf ­saisonale Küche und bietet vorwiegend im Januar und Februar eine Spezialität an, die sehr gut ankommt: Paella, die auf Vorbestellung zu haben ist und auf Wunsch auch ausserhalb dieser beiden Monate. Die allermeisten Produkte ­bezieht die Wirtin aus der Region; Wild im Herbst von Jägern aus dem Dorf. Sie bietet eine Tageskarte mit fünf Menüs an, jeden Freitagabend auch Fisch aus dem Hause Bianchi. Und sie kann auf die Mithilfe ihres 34-jährigen Sohnes Daniel zählen, der Informatiker ist. Er verantwortet im Nebenamt die Website und entlastet die Mutter bei der Büroarbeit.

Biljana Krstanovic hat die schwierige Coronazeit gut gemeistert, auch mit einem Take-away-Angebot. Sie hofft nun, an das erfolgreiche Jahr 2024 ­anknüpfen zu können. Wer sie als Gastgeberin erlebt, ist überzeugt, dass dies der Fall sein wird.