Eine Dorfgeschichte mit starken Figuren

Am kommenden Samstag feiert «Lottofieber», eine irische Komödie mit viel Musik, frei nach dem Film «Lang lebe Ned Devine», Premiere. Der «Anzeiger» besuchte das Probenwochenende der Aemtler Bühne eine Woche vor Spielbeginn.

Seit November laufen bei der Aemtler Bühne die Proben für «Lottofieber», eine irische Komödie mit Musik. <em>(Bild Marlise Santiago)</em>
Seit November laufen bei der Aemtler Bühne die Proben für «Lottofieber», eine irische Komödie mit Musik. <em>(Bild Marlise Santiago)</em>

«Nadia, du übernimmst bitte den Text von Fredy», bestimmt Regisseurin Franca Basoli. Zwei Schauspieler fehlen bei der heutigen Probe. Nadia muss ihr Textbuch erst suchen, denn für ihren eigenen Part braucht sie es schon längst nicht mehr. Regisseurin Basoli ist sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge. Seit November laufen die Proben für «Lottofieber», eine irische Komödie mit Musik. Am meisten müsse noch an den Umbauten gefeilt werden, diese seien in diesem Stück eine Herausforderung, und gefeilt wird auch an der Technik, die ist heute zum ersten Mal mit im Spiel. In den letzten Tagen vor der Premiere geht es dann hauptsächlich noch um «Durchläufe, Durchläufe, Durchläufe». Alles klappt reibungslos, bis irgendwann dann doch der Wurm drin ist; der Text sitzt für ein paar Runden grad nicht mehr. Alle nehmen es gelassen, denn so etwas kommt vor.

Für Regie, Bühnenbild und Kostüme werden bei der Aemtler Bühne konsequent professionelle Kunstschaffende unter Vertrag genommen. Dieses Jahr sind das nebst Regisseurin Franca Basoli, die Kostümbildnerin Esther Huss und der renommierte Bühnenbildner René Ander-Huber. Er hat eine irische Landschaft geschaffen, in der sich die Einwohner von Tullymore bewegen. Grosse Unruhe herrscht, denn jemand aus dem Dorf hat im Lotto 7 Millionen gewonnen. Wer ist der Glückspilz? «Lottofieber» ist eine charmante Komödie, die eine Dorfgeschichte mit starken Figuren erzählt. Sie basiert auf dem Plot des Films «Lang lebe Ned Devine».

«Tätätätätätätätäpum, ganz gradlinig, nicht episch»

«Nochmal ein paar Tönlein Musik bitte», und weiter gehts mit den Proben: «Der Stuhl steht nicht am richtigen Ort», und «wenn das Telefon unter Strom steht, könnte man das nicht mit einem Geräusch untermalen?» Franca Basoli bespricht sich mit der Technik. «Beim Tänzchen sieht es aus, als würdest du ihr das Handgelenk brechen.» Und die beiden Schauspieler üben die Drehung noch einmal im Detail. «Das Ganze noch etwas engagierter», ruft Basoli, oder «deine Kappe ist wunderschön, aber man sieht dein Gesicht nicht». Und: «Das muss so kommen; Tätätätätätätätäpum, ganz gradlinig, nicht episch», und unterstreicht ihre Anleitung mit einem Faustschlag. Irgendwann hat Nadia ihr Textbuch erneut verlegt und muss es suchen. Es scheint, als sei das Mädchen langsam müde. Bei der «Pouletszene» wünscht sich Basoli mehr Hochstimmung, bei einer anderen mehr Energie, «mach es mit Ärger, mit Wut», und immer wieder zeigt sie vor, was sie meint. «Können wir schon im Dunkeln lachen?» fragt eine Schauspielerin. «Ja, man hört dich trotzdem.» Ein bisschen necken muss auch sein. Und dann gibts grad kurz nichts zu lachen, denn bei einem Umbau im Dunkeln ist einem Schauspieler die Fischerrute auf den Kopf gefallen und die Gitarre eines anderen umgefallen.

Aber bald schon sprüht das tolle Ensemble wieder nur so vor Spielfreude, und die Schreibende ertappt sich dabei, wie sie die Refrains der irischen Lieder mit Ohrwurmqualitäten gleich mitsummt, und die Proben dann ganz beschwingt verlässt.

Premiere: 12. Mai, 20.15 Uhr. Weitere Daten: 16./17./18./23./25./26./29./31. Mai, 2./6./9. Juni jeweils 20.15 Uhr. 27. Mai/3. Juni jeweils 17 Uhr. Gasthaus zum weissen Rössli, Mettmenstetten. Reservierung: aemtlerbuehne.ch. Abendkasse und Barbetrieb eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

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