Mehr als eine neue Heizung fürs «Wolfi»
Infoveranstaltung der Primarschulpflege Wettswil zur Sanierung der Schulanlage Wolfetsloh
Am letzten Donnerstagabend hat die Primarschulpflege Wettswil die umfangreiche Sanierung der Schulanlage Wolfetsloh einem interessierten Publikum vorgestellt. Die Stimmberechtigten können sich am 29. November zum Baukredit von 12.3 Millionen Franken (inkl. MwSt.) an der Urne äussern. Am meisten Fragen und Anmerkungen gab es zu Fernwärme, dem geplanten Schulpavillon als Übergangslösung und zur Musikschule.
Simone Hoffmann, die neue Schulpräsidentin, begrüsste das Publikum im gut besuchten Mehrzwecksaal Ägerten. Bauvorsteher Matthias Gretler musste sich aus familiären Gründen kurzfristig vertreten lassen. An seiner Stelle präsentierte Finanzvorsteherin und Baukommissionsmitglied Franziska Bieri das Projekt kompetent und kurzweilig.
Den Anstoss für weitergehende Abklärungen gab die Ölheizung im «Wolfi», die das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hat und nicht mehr ersetzt werden darf. Die hohen Kosten fürs Heizöl – rund 120 000 Franken jährlich ohne den jüngsten happigen Preisanstieg wegen des Angriffs der USA auf den Iran – liessen die Schulpflege aktiv werden und die Schulanlage aus den 1970er-Jahren gründlich untersuchen. Vom Schulhaus samt Nebengebäude (Kindergarten/Hort und Turnhalle/Hallenbad) wurden Wärmebilder erstellt und Energienachweise sowie eine Prüfung der Erdsonden aus den 1990er-Jahren vorgenommen. Auch die Wasserleitungen wurden kontrolliert, aus denen nach den Ferien jeweils Rostwasser fliesst. Weitere Abklärungen betrafen die Statik/Erdbebensicherheit, den Brandschutz, die Hindernisfreiheit gemäss Behindertengleichstellungsgesetz sowie die Tragfähigkeit und Dichtheit der Dächer und Dachfenster für eine allfällige Photovoltaikanlage, die auch eine Überarbeitung der elektrischen Installationen nach sich zieht. Dabei zeigte sich, dass der Plattenkleber in den WC-Anlagen Asbest enthält, was zur Bauzeit allerdings üblich war. Vor allem aber lassen die schwach gedämmten Gebäudehüllen viel Wärme entweichen. Der anhaltend heisse Sommer, der die Betonbauten bis zur Unerträglichkeit aufheizte, tat sein Übriges.
Kein manuelles Lüften mehr um fünf Uhr früh
Erneuert werden sollen die Gebäudehüllen samt Dachaufbauten und Fenstern, die Wasserleitungen, die Nasszellen und auf den Pausenplätzen soll für Beschattung gesorgt werden. Auch die Elektroinstallationen sollen ergänzt werden, denn sie müssen künftig den Solarstrom aufnehmen können. Geheizt und gekühlt (um bis zu sieben Grad!) werden soll in Zukunft mit Luft-Wasser-Wärmepumpen in Kombination mit den Erdsonden. Bisher lüftete im Sommer die Hauswartin die Schulzimmer um fünf Uhr morgens durch. Künftig soll eine automatische Steuerung nachts Fenster und Dachlukarnen öffnen. Ventilatoren blasen kühle Luft durchs Gebäude. Eine kontrollierte Lüftung, die permanent läuft, soll es aber auch künftig nicht geben, wie sich auf Nachfrage aus dem Publikum herausgestellt hat. Tagsüber «stossgelüftet» wird weiterhin von Hand. Bei den Lehrerparkplätzen sollen Ladestationen entstehen, zwei davon auch für die Öffentlichkeit; ebenso sollen im Velounterstand Lademöglichkeiten für E-Bikes installiert werden. Beim Hallenbad werden nur das Dach und die Gebäudehülle – exklusiv Fenster – saniert, weil der Rest erst vor wenigen Jahren saniert wurde.
Rolf Becher von der Generalplanerin Gähler und Partner zeigte, wie der Charakter der Anlage erhalten bleiben soll. Der nüchterne Sichtbeton-Charme der 1970er mit der farbenfrohen Signaletik von Hansruedi Scheller an den Wänden und Decken soll erhalten bleiben. Die Innenräume sollen lediglich technisch mit zusätzlichen USB-Anschlüssen und interaktiven Wandtafeln aufgerüstet werden. Es ist auch nicht geplant, die Gebäude aufzustocken. Holzbretter an der Fassade nehmen das Relief der Betonschalung auf, dahinter liegen 20 Zentimeter Dämmung. Die Solarpanels auf den Dächern von Schulhaus, Kindergarten und Turnhalle/Hallenbad werden talseitig ausgerichtet, damit sie die Nachbarschaft nicht blenden.
Gebaut werden soll in vier Etappen. Während dieser Zeit findet der Unterricht in einem zweistöckigen Pavillon auf der Wiese statt, der sechs Klassenzimmer und zwei Gruppenräume beinhaltet. Aus dem Publikum kam die Frage, ob deshalb die Klassen verkleinert würden. Das sei nicht nötig, denn die Zimmer sind gleich gross wie im Schulhaus. Offen ist noch, wo der Musikunterricht während der Bauzeit platziert werden. Als Reserve biete sich die Hauswartwohnung an, die mit der Pensionierung des Hauswarts temporär frei werde. Zuerst gehe es nun aber darum, die Klassen während der Sanierung sinnvoll unterzubringen.
Ein Votant fragte, warum die Schule nicht an die Fernwärme angeschlossen werde. Gemeint ist der Wärmeverbund Wettswil, den die Renercon-Genossenschaft derzeit entwickelt. Die Antwort: schlechtes Timing. Der Wärmeanbieter habe sein Go erst jetzt gegeben, als das Schulhausprojekt bereits fertig geplant war. Wann tatsächlich Wärme zur Verfügung stehe, sei ungewiss. Bei einer Schule dürften keine Ausfälle riskiert werden. Ein weiterer Votant regte an, einen späteren Anschluss wenigstens vorzubereiten. «Wir sind offen und nehmen den Gedanken auf», lautete die Antwort von Franziska Bieri. Unterstützung erhielt die Schulpflege vom Wärmespezialisten Daniel Berger. Auch er hätte jetzt nicht angeschlossen, denn ein drittes Energiesystem parallel aufzubauen, sei aufwendig und teuer.
Zusätzliche thermische Solarkollektoren zur Warmwasseraufbereitung seien geprüft, aber verworfen worden. Sie brauchten einen eigenen, wartungsintensiven Kreislauf, und Wettswil habe viele sonnenarme Monate. Auf eine Regenwassersammlung für die Toilettenspülung wird ebenfalls verzichtet, weil es zu aufwendig sei. Die Photovoltaikanlage soll übers Jahr dennoch mehr Strom liefern, als die Schule verbrauche. Zudem sei ein Akkuspeicher von rund 100 Kilowattstunden vorgesehen. Konkrete Leistungsangaben gab es auf Anfrage aber noch nicht. Ob später auch Anwohnende über eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft profitieren können, will die Schulpflege erst nach eigenen Erfahrungen prüfen.
840000 Franken stehen auf dem Spiel
Die Baukosten betragen 10.94 Millionen Franken. Mit weiteren Positionen wie 1.1 Millionen Reserve, der Bauherrenreserve von 200 000 Franken, Projektteam 20 000 Franken und Aufrundung 4000 Franken ergibt sich ein Kredit von 12.3 Millionen Franken inklusive Mehrwertsteuer. Der Pavillon als Übergangslösung auf der Wiese ist im Preis enthalten. Die Kosten sind an die Teuerung gebunden. Rund 9 Millionen Franken werden fremdfinanziert, eine Bankzusage liege gemäss Bieri bereits vor zu einem Zins von 1,28 Prozent, Stand Juni. Den Kredit hat die Schule geplant, in 13 Jahren zu amortisieren, die Zinskosten würden sich so auf 936 000 Franken belaufen. Bei einem Nein an der Urne müssten 840 000 Franken Planungskosten abgeschrieben werden, und die Ölheizung müsste trotzdem ersetzt werden.
Bauherrenbegleiter Martin Reinhard von der Landis AG erklärte, wie die Kosten unter Kontrolle bleiben sollen. Dazu gehörten Risikomanagement, haushälterischer Umgang mit den Reserven und frühzeitiges Eingreifen, wenn sich Kostenüberschreitungen abzeichnen, was bei einer Altbausanierung immer möglich sei. Ein Votant fragte, ob Einsprachen bei den Vergaben das Projekt verzögern könnten. Das sei möglich, räumte Reinhard ein, deshalb müssten die Ausschreibungen einwandfrei und die Auftragsvergaben nachvollziehbar sein. Eine weitere Frage galt den Planern: Erhalten sie weniger, wenn die Kosten steigen? Bei einer Sanierung sei Unvorhergesehenes nie ausgeschlossen, wiederholte Reinhard. Die typischen Risiken bei Statik und Baugrund seien im vorliegenden Fall gemäss seiner Einschätzung aber gering, da umfangreiche Vorabklärungen getroffen worden seien.
Gemäss Franziska Bieri seien der Rechnungsprüfungskommission die Projektunterlagen bereits zugestellt worden und man habe wohlwollende Signale erhalten. Das Baubewilligungsverfahren laufe wegen des knappen Zeitplans ebenfalls bereits. Sagen die Stimmberechtigten Ja, ist der Baustart für Sommer 2027 geplant.
Die gute Nachricht zum Schluss: Im Nachgang zur Informationsveranstaltung gab Bieri bekannt, dass die Sanierungskosten bei Annahme des Projekts zu keiner Steuererhöhung führen würden. Vielmehr beantragt die Primarschulpflege Wettswil an der kommenden Budgetgemeindeversammlung am 7. Dezember dem Souverän sogar eine Steuersenkung um zwei Prozent.






