Wenn die Concorde über Hausen fliegt
Spektakel, Nachwuchssorgen und die eine oder andere Panne: Das war der diesjährige Flugtag
Auch dieses Jahr gab es beim Grossereignis in Hausen mit Spannung erwartete Premieren, so zum Beispiel der Start des Trägerflugzeugs «White Knight Two» mit dem zwischen den beiden Flugzeugrümpfen transportierten Raumflugzeug «SpaceShipTwo», das sich wie beim Vorbild in der Luft vom Gespann löste und selbstständig zu seinem «Weltraumflug» ansetzte. Hinter diesem ambitionierten Projekt steht Dominik Escher, Markus Frey fungierte als zweiter Pilot. Viel Beachtung beim Publikum erfuhr auch das Concorde-Modell von Otto Widlroither, mit einer Länge von zehn Metern und einem Gewicht von 140 Kilogramm das grösste Fluggerät an der diesjährigen Ausgabe des Flugtags. Es sollte bedauerlicherweise bei einem Flug bleiben, denn wegen eines Problems mit einem Fahrwerk kam es bei der Vorführung am Samstag nach der Landung zu einer Radablösung und einem Schlittern der Concorde in die Wiese hinein.
Die Technik hat sich in verschiedener Hinsicht verändert seit 1979
Pannen der geschilderten Art sind bei solchen Modellflugveranstaltungen nicht unüblich und vielleicht auch ein wenig Teil des Spektakels, aber was hat sich seit dem ersten Flugtag Hausen im Jahr 1979 in technischer Hinsicht am meisten verändert? «Die Unterschiede betreffen vor allem den Funk, den die Modellpiloten nutzen, früher störten sich die Flugzeuge oft, weil ihre Frequenzen nahe beieinander lagen», antwortete Wolfgang Auth auf diese Frage. Dies habe zur Folge gehabt, dass alle anderen Flugzeuge jeweils abgeschaltet sein mussten, während ein Flieger in der Luft war. Heute komme eine Funktechnik zum Einsatz, die mit derjenigen von Handys vergleichbar sei, was dieses Problem aus der Welt geschafft habe. «Der Nachteil ist, dass wir heute nicht mehr dieselbe Sendeleistung haben wie früher, man kam damals viel weiter mit dem Funk, konnte dadurch weiter wegfliegen und musste auch nicht befürchten, dass wegen eines einzelnen Baumes oder Gebäudes gleich die Funkverbindung gestört wird, was heute öfter der Fall ist», ergänzte der langjährige Modellflieger. Verändert haben sich seiner Auskunft nach auch die Flugzeuge selbst: «Früher musste man fast ein Schreiner sein, um einen Modellbausatz zu bauen, heute gibt es viele Fertigmodelle aus styroporähnlichem Material, die auch nicht mehr so schnell kaputtgehen», lautet die positive Nachricht für handwerklich weniger talentierte Einsteigerinnen und Einsteiger.
Nachwuchs wird hier mit offenen Armen empfangen
Ein anderes Thema, das in der Szene beschäftigt, ist der stetig steigende Altersdurchschnitt der Teilnehmenden. Während in der Zuschauerschaft auch dieses Jahr wieder zahlreiche junge Familien mit Kindern anwesend waren, gibt es auf der Seite der Aktiven zu wenig Nachwuchs. «Es gibt viele Junioren, die sich interessieren und Freude am Lenken der Flugzeuge haben, selber bauen wollen sie aber meist nicht mehr», konstatiert Wolfgang Auth. «Sie fliegen oft wie kleine Herrgötter, wenn aber mal ein Absturz passiert, dann sind sie nicht in der Lage, das Flugzeug wieder instand zu setzen.»
Um eigenhändig zu bauen und zu reparieren, brauche man einen geeigneten Raum und die richtigen Werkzeuge, und man müsse Zeit und Geduld investieren – all dies sind Ressourcen, die heute rar geworden sind. In den Sommerferien veranstalte der Verein jeweils Schnupperanlässe für Schülerinnen und Schüler, um bei der Jugend für das begeisternde Hobby zu werben. «Wir wären auch sehr happy, wenn wir das Geschlechterverhältnis ein bisschen ausgleichen könnten, Mädchen sind immer noch ganz spärlich dabei, sie machen nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent des Modellflieger-Nachwuchses aus», lässt der Public-Relations-Verantwortliche verlauten. Daher sein Aufruf an interessierte Mädchen: «Meldet euch, wenn ihr eine Faszination für die Modellfliegerei spürt, wir würden euch gerne Tür und Tor zu diesem Hobby öffnen.» Diese Einladung gelte natürlich genauso für erwachsene Frauen.










