Menschen helfen, wieder besser zu sehen

Keerana Bühler aus Bonstetten erzählt, warum sie eine Lehre als Augenoptikerin bei BOA Optik Affoltern macht

Die Lernende Keerana Bühler beim Schleifen eines Brillenglases. (Bilder cle)

Die Lernende Keerana Bühler beim Schleifen eines Brillenglases. (Bilder cle)

Keerana Bühler mit ihrem Lehrlingsbetreuer Dominik Müller. Er lobt ihre kundenorientierte Art und dass sie stets freundlich und hilfsbereit ist.

Keerana Bühler mit ihrem Lehrlingsbetreuer Dominik Müller. Er lobt ihre kundenorientierte Art und dass sie stets freundlich und hilfsbereit ist.

Freundlich und selbstbewusst heisst Keerana Bühler eine Kundin willkommen und nimmt sich deren Anliegen an. Man würde nicht meinen, dass die 17-jährige Bonstetterin erst im zweiten Lehrjahr ist. «Das Herausstechendste an Keerana ist ihre positive Art», so Dominik Müller, Inhaber von BOA Optik Affoltern. Er ist Optometrist und gleichzeitig Keeranas Lernendenbetreuer. Sie absolviert eine dreijährige Lehre zur Augenoptikerin EFZ im Traditionsbetrieb in Affoltern, der diese Woche sein 40-Jahre-Jubiläum feiert. Im Arbeitsalltag ist die Betreuung der Lernenden verteilt auf alle Mitarbeitenden, wenn es um etwas Konkretes oder Schulisches geht, dann ist Dominik Müller als Lernendenbetreuer die erste Ansprechperson. Dieser zeigt sich sehr zufrieden mit seiner Lernenden. In der Schule lernt Keerana die Theorie in den jeweiligen Fächern, abgestimmt auf den Beruf der Augenoptikerin. Beispielsweise, wie das Auge aufgebaut ist, aber auch gerade aktuell, was für verschiedene Kundentypen es gibt. Anwenden und Üben tut sie das dann bei der Arbeit im «Riegel Häuschen» an der Alten Dorfstrasse 21.

Ein kontaktfreudiger und abwechslungsreicher Beruf

Im letzten Sommer hat Keerana Bühler aus Bonstetten mit ihrer Lehre bei BOA Optik Affoltern begonnen. «Für den Beruf habe ich mich entschieden, weil es ein sehr kontaktfreudiger Beruf ist», erklärt die junge Lernende. Man habe viel mit Menschen zu tun. Allerdings sei das nicht alles, auch die Arbeit in der Werkstatt mache ihr Spass: «In einem traditionellen Betrieb wie BOA schleifen wir die Gläser selbst und flicken möglichst viel an den Brillen.» Dieser Abwechslungsreichtum gefällt Keerana ebenfalls sehr und, dass sie durch ihre Arbeit täglich Menschen hilft: «Es macht mir Freude, Menschen zu helfen, unsere schöne Welt wieder besser zu sehen.» Bevor Keerana jedoch ihren Beruf definitiv wählte, hat sie auch als Laborantin geschnuppert und als Fachfrau Apotheke. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Augenoptikerin war zu einem gewissen Teil auch die Arbeitsatmosphäre bei BOA. Zwei Schnuppertage hatte Keerana hier absolviert. Einen in den Sommerferien vor dem zweiten Sekundarschuljahr, einen weiteren dann noch, als es konkreter wurde, um den Beruf richtig kennenzulernen. Nun ist sie bereits im zweiten Lehrjahr.

Zwischen Werkstattarbeit und Kundenbetreuung

Im zweiten Lehrjahr habe sich relativ viel verändert, denn, so Keerana: «Ich habe jetzt eine Unterstiftin.» Ein typischer Arbeitstag beginnt für die Bonstetterin damit, dass sie den Briefkasten leert und das Geschäft «parat» macht für die Kundschaft. «Oben in der Werkstatt stelle ich die Geräte an, fülle alles auf, was noch gefüllt werden muss, und dann öffne ich den Laden», sagt Keerana. Dazu gehören auch kleinere Dinge, wie die Combox beim Telefon auszuschalten. Und dann gilt es auch schon, die Kunden zu begrüssen, denn die Ersten kommen meist bereits, wenn das Optikergeschäft um 8.30 Uhr öffnet. Keerana macht die Post, schaut in der Werkstatt, ob es etwas zu schleifen gibt, oder aber sie macht die Glaskontrolle. «Ich prüfe, wenn die Gläser frisch vom Hersteller geliefert werden, ob alles richtig geliefert wurde oder ob es bereits Kratzer hat», erklärt Keerana. Dies alles, während sie Kunden bedient, Sachen auffüllt, Ordnung schafft, auch mal abwäscht und putzt – halt eben alles, um den Laden in Schuss zu halten.

Weil Keerana in Bonstetten wohnt, kann sie während der zwei Stunden, die das Geschäft über Mittag geschlossen ist, sogar heimgehen. Am Abend verräumt die Lernende dann selbstständig wieder alles, bringt Pakete mit Linsen für die Kunden zur Post, stellt die Geräte aus und schliesst den Laden ab. Besonders an ihrem Beruf mag sie, die Abwechslung zwischen Kundenkontakt und Werkstatt und: «Manchmal müssen wir auch kreativ werden, um Lösungen zu finden, die den Kundinnen und Kunden gefallen. Wir haben zum Beispiel auch schon Sachen angemalt.» Das schätzt auch Dominik Müller an seiner Lernenden besonders: «Keerana denkt weiter und ist sehr kundenorientiert. Aber sie verkompliziert die Dinge nicht, sondern überlegt, wie sie helfen kann, und findet eine pragmatische Lösung.»

Dies auch in schwierigen Situationen. Gefragt nach einem negativen Erlebnis bei der Arbeit antwortet Keerana, dass es immer negativ sei, wenn Fehler passierten: «Der Kunde hat schon Verständnis, aber es ist halt blöd, wenn etwas nicht so klappt, wie es klappen sollte.» Allerdings würde sie diese Erlebnisse nicht als negativ bezeichnen: «Ich habe jeweils viel daraus gelernt. Zum Beispiel, wie man mit den Menschen besser umgeht, dass solche Dinge nicht passieren.» Positive Erlebnisse gibt es da glücklicherweise viel mehr. Keerana findet es am schönsten, wenn die Kunden die Freude, die sie selbst ausstrahlt, auch zurückgeben. Manche tun dies sogar im physischen Sinn: «Ganz viele Kunden bringen uns im Sommer Glace», erzählt die Lernende und muss lächeln. Das sind dann vor allem natürlich die Stammkunden, die die Angestellten des Brillengeschäfts auch persönlich gut kennen.

Auf eine grosse Stammkundschaft kann BOA denn auch zählen. Einerseits, weil es das Geschäft bereits seit 40 Jahren gibt, andererseits weil man einen sehr persönlichen Umgang mit den Kunden und auch im Team pflege, so Dominik Müller. Er setzt keine Vorgaben, welche Gläser jetzt verkauft werden müssen, weil diese mehr Gewinn bringen. Stattdessen müsse es in erster Linie zum Kunden passen und sein Problem optimal lösen. Keerana selbst macht momentan noch keine direkten Kundenberatungen, aber sie vereinbart diese. Bei Bekannten, die eine Brille brauchten, durfte sie jedoch bereits selbst die Beratung übernehmen. Ansonsten erhält sie das Rezept für die Brille und schleift dann die Gläser entsprechend. Gerade lernt sie, die Beratung zu Brillenfassungen zu übernehmen.

Viele, die die Lehre bei BOA gemacht haben, bleiben oder kehren zurück

Die Betreuung von Lernenden gewichtet Dominik Müller bei BOA Optik Affoltern hoch. Er sieht darin in erster Linie einen allgemeinen Beitrag für die Branche: «Es braucht Arbeitskräfte, die nachkommen.» Aber nicht nur: «Die Arbeit mit jungen Menschen ist bereichernd und es gibt immer wieder neuen Input, denn jede Person ist anders.» Auch seien viele, die ihre Lehre hier gemacht haben, geblieben oder später wieder gekommen. Momentan hat BOA Optik Affoltern zehn Angestellte, die zwei Lernenden inklusive. Die meisten davon arbeiten Teilzeit. Selbst hat Dominik Müller seine Lehre aber nicht bei BOA gemacht, sondern bei Waldner Optik in Breitenbach BL. Aber auch er ist in seinem Lehrbetrieb noch ein Jahr geblieben, ehe es ihn 2011 nach Affoltern verschlug. 2022 konnte er BOA dann offiziell übernehmen. Besonders freut es ihn, dass diese Woche das 40-Jahre-Jubiläum gefeiert werden kann. Wer sich also persönlich von Keeranas positiver Ausstrahlung überzeugen möchte, der geht am Samstag, 3. Oktober, am besten gleich selbst beim BOA-Fest vorbei. Ab 8.30 Uhr gibt es gemeinsames Plaudern, gute Stimmung, Apéro, 80er-Musik. «Wir werden die Zeit geniessen und gemeinsam auf uns und unsere Kundinnen und Kunden anstossen», so Dominik Müller.

Und wie sehen Keeranas Zukunftspläne aus? Zuallererst natürlich die Lehre abschliessen und dann würde sie gerne weiter bei BOA arbeiten und die BMS berufsbegleitend machen. Aber Arbeit ist nicht alles. In ihrer Freizeit ist Keerana leidenschaftliche Geräteturnerin und aktiv als Trainerin beim TSV Bonstetten. Etwas mit Kollegen unternehmen gibt ihr einen weiteren Ausgleich zu ihrem anspruchsvollen Arbeitsalltag.

Weitere Artikel zu «Gewerbe», die sie interessieren könnten

Die VOI-Filiale in Obfelden wird in einen Migros-Supermarkt umgewandelt. (Bild Dominik Stierli)
Gewerbe28.09.2026

VOI-Filiale wird zum Migros-Supermarkt

Obfelden: Nach gut zwei Jahren kündigt die Migros den Vertrag mit dem Franchise-Nehmer
Simon Kradolfer führt die Kradolfer AG in dritter Generation. Drei weitere Familienmitglieder arbeiten mit. (Bild Regula Zellweger)
Gewerbe24.09.2026

Von der Dorfschmiede zum Spezialisten für Reinigungssysteme

Die Kradolfer AG produziert, verkauft, repariert und wartet im Hochdruckanlagenbereich
Agir-Verwaltungsratsmitglied Andreas Meyer, links, erklärt den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes den Prozess der PET-Flaschen-Sortierung.
Gewerbe21.09.2026

Vom Abfall zum Rohstoff

Besuch des hiesigen Arbeitgeberverbands im PET-Sortierwerk Hardwald der Agir