VOI-Filiale wird zum Migros-Supermarkt
Obfelden: Nach gut zwei Jahren kündigt die Migros den Vertrag mit dem Franchise-Nehmer
Im Juli 2024 wurde die 470 Quadratmeter grosse VOI-Filiale der Migros in Obfelden am Standort des früheren Restaurants Kreuzstrasse eröffnet. Dem Bauprojekt auf dem Postareal gingen langjährige Diskussionen über den entsprechenden Gestaltungsplan voraus.
Der Franchise-Nehmer Jupe Helshani sagte damals: «Wir freuen uns sehr, eine neue praktische Einkaufsmöglichkeit in der Nähe zu bieten.» Der Laden entwickelte sich gemäss dem 45-Jährigen positiv. Nach wie vor sei er zwar eher sechs Tage, wenn nicht auch mal sieben Tage pro Woche an der Arbeit, aber dank der guten Zahlen rechnete er damit, bis Ende Jahr seine Investitionen wieder reinzuholen. So schmiedete er auch Pläne, das Sortiment etwas zu erweitern, wie er im Gespräch mit dem «Anzeiger» sagt.
Daraus wird nun nichts. Die Migros hat ihm den Franchise-Vertrag gekündigt. Nach der 18-monatigen Mindestlaufzeit besteht mit einem halben Jahr Vorlauf eine beidseitige Kündigungsmöglichkeit. Nach der Meinung des Franchise-Nehmers hat die Migros seine Umsatzzahlen genau beobachtet und als diese aufwärts zeigten, den Vertrag nun gekündigt.
Ausbau des Frische-Bereiches
Die Medienstelle der Migros Zürich sagt dazu, dass man alle ihre Standorte laufend analysiere, um den Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden bestmöglich gerecht zu werden. Wie bereits früher bestätigt, will die Migros mit der Umwandlung zur Migros-Filiale dem Kundenwunsch nach mehr Frischeprodukten gerecht werden.
Auf die Frage, ob man häufig einen Standort zuerst einem Franchise-Nehmer übergibt und diesen nach kurzer Zeit selbst übernimmt, schreibt die Medienstelle, dass dies vereinzelt vorkomme. In der Angelegenheit verwundert, dass die Migros früher keine Läden mit dieser Fläche betrieb. Die Medienstelle schreibt dazu: «Es ist korrekt, dass 470 Quadratmeter für einen Migros-Supermarkt eher am unteren Rand sind. Für den Standort Obfelden erachten wir einen Migros-Supermarkt mit Frischefokus dennoch am geeignetsten.»
Die Migros gibt keine Angaben zu den vertraglichen Details, allerdings bestätigt Franchise-Nehmer Jupe Helshani, dass der Franchise-Vertrag keine Entschädigung bei einer Kündigung vorsieht. So ist er nun bestrebt, in der verbliebenen Zeit die Fremdware, also die Nicht-Migros-Produkte, abzuverkaufen. Daher gebe es ab Oktober 20 Prozent auf das Weinsortiment, wie er anmerkt. Das Vorgehen erklärt auch die teilweise leeren Gestelle, die man aktuell im Laden findet. Alle Fremdware, die nicht verkauft wird, geht am Ende zu seinen Lasten.
Angestellte werden übernommen
Immerhin erhalten gemäss seinen Angaben die drei Angestellten einen neuen Vertrag und auch die drei Lernenden müssten von Gesetzes wegen übernommen werden. Allerdings wissen die Lernenden bis jetzt nicht, ob sie im Laden selbst bleiben können oder den Standort wechseln müssen.
Die Migros-Medienstelle schreibt dazu, dass sie interessiert sei, die Angestellten zu übernehmen. Es sei wichtig, dass auch die Lernenden ihre Ausbildung weiterführen und abschliessen können. Zur Frage nach dem Wie und Wo sagt die Migros nichts.
Für Jupe Helshani und seine Frau bestand ebenfalls die Möglichkeit zu bleiben, allerdings wollten sie das nicht. «Mit der Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, war das keine Option für mich», sagt Helshani dazu. Er ist bitter enttäuscht über das Vorgehen des Grossverteilers, auch wenn rechtlich alles korrekt abgelaufen sei.
Neueröffnung am 12. November
Für ihn ist nun Ende Oktober Schluss. Am 30. Oktober ist der Laden letztmals als VOI geöffnet, danach folgt eine Umbauphase. Gemäss der Medienstelle soll der neue Migros-Supermarkt am 12. November eröffnet werden. Die Umbaupläne sehen grössere Gemüse- und Früchtebereiche vor. Auch das Brot-Sortiment soll erweitert werden.
Generell geht Helshani davon aus, dass der ganze Laden dichter wird und weniger Platz in den Durchgängen bietet. «Gerade das haben aber viele Kundinnen und Kunden geschätzt», sagt er. Vom Konzept her werden auch Alkohol, Tabakwaren und weitere Kioskprodukte verschwinden.
Auch wenn Jupe Helshani enttäuscht über den Umgang mit ihm ist und nun hofft, dass er seine Investitionen wenigstens noch einspielen kann, zeigt er ein gewisses Verständnis für den Entscheid. Ob man aber ausschliesslich mit Migros-Produkten genügend Umsatz machen kann, stellt er infrage. Auch wenn die Migros von der Liquidität her deutlich mehr Produkte im Laden platzieren kann.
Ein Anliegen ist ihm, ein grosses Dankeschön an die Kundschaft aus Obfelden, aber auch aus der ganzen Region, auszusprechen. «Dieser Rückhalt und das Interesse waren sehr angenehm», sagt er zum Schluss des Gesprächs.






