Vom Fussballplatz in die eigene Praxis

Der Weg einer ehemaligen Nationalfussballerin zur Unternehmerin in der Komplementärtherapie

Bernadetta «Beno» Ries in ihrer Praxis in Bonstetten. (Bild Deviprasad Rao)
Bernadetta «Beno» Ries in ihrer Praxis in Bonstetten. (Bild Deviprasad Rao)

Als Bernadetta «Beno» Ries Fussball spielte, interessierte sich in der Schweiz kaum jemand für den Frauenfussball. Internationale Turniere und die mediale Aufmerksamkeit von heute gab es damals noch nicht. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Francis Doerr eine Massage- und Therapiepraxis und bietet in ihrem Atelier Workshops zur natürlichen Frauengesundheit an. Ihr Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig.

Von Stallikon in den internationalen Fussball

Beno wurde in Zürich geboren und wuchs in Stallikon auf. Sie besuchte die Sekundarschule in Bonstetten und absolvierte anschliessend eine kaufmännische Lehre bei der Gemeinde Bonstetten. Neben Schule und Arbeit spielte der Fussball bereits eine zentrale Rolle in ihrem Leben. Mit zwölf Jahren, als es kaum Strukturen für Mädchenfussball gab, trainierte und spielte sie mit erwachsenen Frauen. Mit etwa 18 Jahren schaffte sie den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft und absolvierte rund 27 Länderspiele.

Der Frauenfussball von damals hatte wenig mit dem heutigen Profisport gemeinsam. «Der SFV hatte noch kein Interesse an Frauen. Es gab daher die Schweizerische Damenliga», erinnert sie sich. «Frauenfussball war in der Schweiz einfach kein Thema.» Die Schweiz bestritt hauptsächlich Freundschaftsspiele gegen Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Nordirland. Diese Jahre brachten Beno früh mit Leistung, Verletzungen und Regeneration in Berührung.

Mit einer Massageliege zum eigenen Unternehmen

Nach ihrer Lehre arbeitete Beno in diversen Jobs, unter anderem im Büro ihrer Eltern. Die Arbeit bot Sicherheit, aber keine Erfüllung. «Es war nicht meine Welt. Es war fast zu langweilig», sagt sie. Gegen Ende ihrer Zwanzigerjahre begann sie eine Ausbildung zur medizinisch-therapeutischen Masseurin. Der Wechsel verlangte Eigeninitiative. Morgens besuchte sie die Schule, tagsüber arbeitete sie im Familienbetrieb und abends behandelte sie ihre ersten Kundinnen und Kunden. Mit einer Massageliege fuhr sie zu ihnen nach Hause und verlangte rund 40 Franken pro Stunde. Damit finanzierte sie ihre Ausbildung und baute gleichzeitig einen Kundenstamm auf.

Eine wichtige Möglichkeit eröffnete sich beim FC Wettswil-Bonstetten. Ein Gönner des FCWB unterstützte sie, indem er ihr therapeutische Einsätze beim Verein ermöglichte und die geleisteten Stunden bezahlte. In den folgenden Jahren kamen Weiterbildungen in Lymphdrainage, Akupunktur, Faszien-therapie, Aromatherapie und verschiedenen naturheilkundlichen Ausbildungen hinzu.

Auch ihre Verbindung zum Spitzensport blieb bestehen. Beno begleitete Sportlerinnen, Sportler und Teams, unter anderem die Rollstuhlcurling-Nationalmannschaft an mehrere WMs, 2006 an die Paralympischen Spiele in Italien sowie 2010 nach Vancouver. «Dadurch bin ich viel in der Welt herumgekommen», sagt sie. Mit der Zeit erhielten jedoch die Familie und die wachsende Praxis Priorität.

Therapie als wirtschaftliche Grundlage

Heute bietet Beno ihre Dienstleistungen in ihrer Praxis in Bonstetten an. Die manuelle Therapie bildet weiterhin die wirtschaftliche Grundlage ihres Unternehmens und wird je nach Situation mit Elementen aus den von ihr erlernten Methoden kombiniert.

Mit wachsender Erfahrung hat sich auch ihre Arbeitsweise verändert. «Weniger ist mehr», sagt sie. «Je älter man wird, desto sanfter wird die Therapie, aber die Erfolge werden grösser.» Auch den fachlichen Austausch mit Francis, von dem sie in gutem Einvernehmen getrennt lebt, schätzt sie.

Parallel dazu entwickelte Beno ein zunehmendes Interesse an komplementärer Frauengesundheit. Was unter anderem mit Aromatherapie, Tinkturen und Naturheilkunde begann, wurde zu einem eigenen Schwerpunkt. Diesen vertiefte sie unter anderem durch Weiterbildungen in Deutschland bei der Frauenärztin Heide Fischer, einer Spezialistin für naturheilkundliche Frauengesundheit.

Wachsender Schwerpunkt Frauengesundheit

Beno beschäftigt sich besonders mit hormonellen Veränderungen in den verschiedenen Lebensphasen einer Frau – von der Jugend bis zu den Wechseljahren. «Eine Frau fährt jeden Monat Achterbahn», beschreibt sie die hormonellen Schwankungen. In ihrer Arbeit setzt sie unter anderem Tinkturen und ätherische Öle in Form von Salben ein, berücksichtigt aber auch die Lebensumstände der Frauen.

Ihre Arbeit versteht sie als Ergänzung und Zusammenarbeit, nicht als Ersatz für die Schulmedizin. Ein wichtiges Anliegen sind ihr Prävention und die Weitergabe von Wissen. In Workshops möchte sie Frauen Möglichkeiten zur Selbstfürsorge vermitteln: «Für mich ist wichtig, dass das Wissen nicht bei mir bleibt», sagt sie. Frauen sollen sich selbst pflegen und behandeln können.

Wirtschaftlich bleibt die therapeutische Massagepraxis ihr Hauptstandbein. Der Bereich Frauengesundheit befindet sich noch im Aufbau. «Da kommt nicht das grosse Geld rein», sagt Beno.

Workshops und ein breiteres Netzwerk

Beno möchte ihr Atelier künftig verstärkt für Workshops nutzen und Fachpersonen aus verschiedenen anderen Bereichen einbeziehen. «Ich finde die Zusammenarbeit und das Netzwerk extrem wichtig», sagt sie.

Ihre therapeutische Tätigkeit möchte sie weiterführen. Der Gedanke an die Pensionierung reizt sie wenig. «Man kann nicht pensioniert werden von etwas, das man so gerne macht.»

Ihr Weg folgte keinem vorgezeichneten Businessplan. Er entwickelte sich Schritt für Schritt – von der kaufmännischen Ausbildung und dem internationalen Fussball über eine mobile Massageliege bis hin zur etablierten Praxis. Der rote Faden ist Benos Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzubilden und neues Wissen in ihre Arbeit einfliessen zu lassen.

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