Bezirk Affoltern
14.05.2018

«Bis 2030 wird es mehr Alterspflegebetten brauchen…»

Schon ab 2025 könnte es sehr eng werden

von Urs E. Kneubühl

Derzeit gibt es im Bezirk Affoltern rund 260 Pflegebetten. Bliebe es dabei, könnten im Jahr 2030 annähernd 200 Pflegebetten fehlen. Der Bezirkshauptort, so erläuterte der Pflegewissenschaftler Dr. Stefan Knoth am Montagabend vor rund fünfzig Interessierten im Affoltemer Pflegezentrum Seewadel, stände dabei mit seinem Bettenangebot im Seewadel (60 oder 80 Betten) und der Senevita Obstgarten noch einigermassen gut da, wobei er einschränkend anfügte: «Vorausgesetzt Senevita Obstgarten wäre exklusiv Affoltemer Einwohnern vorbehalten.». Für den gesamten Bezirk allerdings errechnet sich daraus ein zukünftig sattes Unterangebot an stationären Plätzen. Das Fazit der auf Basis der aktuellen Studie «Take Care» des GDI sowie der Analyse der Entwicklungsdaten in der Stadt Affoltern und im Bezirk errechneten Erhebungen: Es muss also einiges geschehen, damit im Bezirk in Zukunft ausreichend vollstationäre Pflegeplätze zur Verfügung stehen.

«Es muss baldmöglichst vorwärtsgehen im Bezirk…»

Die Entwicklungen der letzten Jahre deuten darauf hin, dass der Eintritt in die Gesundheitsversorgung sich weiter nach hinten verschiebt. Der Wunsch, in den eigenen vier Wänden alt zu werden, wird selbstredend von allen gehegt – und das geht auch mit der immer leistungsfähiger gewordenen Spitex. Nutzt man allerdings in den ersten Jahren nach der Pensionierung lediglich altersgerechte Dienstleistungen, steht bei Zunahme der Instabilität in einer nächsten Phase der Übergang zu vermehrten Gesundheitsleistungen an. Schliesslich, bei Gebrechlichkeit und grösserer Fragilität, stehen dann Betreuungs- und Gesundheitsleistungen im Vordergrund.

Die Konsequenz aus diesem Verhalten ist, dass wer schliesslich ins Alters- und Pflegeheim eintritt, von Anfang an mehr Gesundheitsleistungen beansprucht. Und daher werden sich Affoltern und die anderen Bezirksgemeinden schon zeitnah um den Ausbau an Pflegebetten kümmern müssen. Im Bezirkshauptort ist eine Weichenstellung im vergangenen März ein weiteres Mal verzögert worden: Die Gemeindeversammlung verschob den Entscheid über einen Projektierungskredit für das künftige Pflegezentrum Seewadel (1,75 Mio. Franken) auf einen künftigen Urnengang. «Die schwierige Situation im jetzigen Haus zum Seewadel ist seit Anfang dieses Jahrhunderts bekannt», merkte in der abschliessenden Austauschrunde alt Gemeindepräsidentin Irene Enderli an. Sie postulierte genauso wie Stadtpräsident Clemens Grötsch, alt Nationalrat Toni Bortoluzzi und Kappels Gemeindepräsident Kurt Bär, dass sich bezüglich Pflegebetten im ganzen Bezirk möglichst rasch einiges bewegen müsse.

Nein zum neuen Seewadel bringt keine Einsparungen

Referent Stefan Knoth fügte diesbezüglich an: «Die Berechnungen dieser Entwicklung beruht auf der Annahme, dass das zurzeit bestehende Bettenangebot bleibt. Sollte es Veränderungen, beispielsweise mit Schliessung des Spitals oder des Hauses Rigi etc. geben, würde sich die Situation bezüglich Bettenbedarf für Menschen, die Pflege und eine geschützte Betreuungsform benötigen, im Bezirk Affoltern gar drastisch verschärfen.» Die Frage nach einem geriatrischem Ambulatorium würde sich auf jeden Fall mittelfristig immer stärker aufdrängen, falls das Spital geschlossen würde. Stadtpräsident Clemens Grötsch zeigt sich zwar offen für eine Bezirkslösung, hält aber fest, dass das zukünftige Haus zum Seewadel insgesamt höchstens 80 Betten haben wird. Gleichzeitig mahnt er auch an: «Mittlerweile bleibt nicht mehr viel Zeit, es eilt.»

Der Referent seinerseits rechnet zum Schluss vor: «Wenn weiter zugewartet wird und bei einem Nein zum Seewadel-Projektierungskredit kann Affoltern mit Sicherheit kein Geld sparen; die eingehende Analyse der Betriebsabläufe im heutigen Pflegezentrum zeigt, dass weiter mit starker Fluktuation der Fachmitarbeitenden gerechnet werden muss. Es ist vorauszusehen, dass man künftig pro Jahr zwei bis drei Pflegefachkräfte wird suchen und einstellen müssen.»