Bezirk Affoltern
05.11.2018

Dutzende von Füsschen und Füssen

Teilweise sind über 60 Personen auf der Bühne, denn die fünf Tanzprofis werden von 60 fünf- bis 66-jährigen Laientänzerinnen und -tänzern unterstützt. <em>(Bild zvg.)</em>

Teilweise sind über 60 Personen auf der Bühne, denn die fünf Tanzprofis werden von 60 fünf- bis 66-jährigen Laientänzerinnen und -tänzern unterstützt. (Bild zvg.)

Am letzten Freitag feierte #fremd, die Aufführung der Jubiläumsproduktion zum 25-jährigen Bestehen des Moira Tanztheaters, Premiere. Unter der Leitung von Marina Gantert ist eine dichte Choreografie entstanden, die mit unerwarteten Bildern überraschte.

von marlise santiago

Ein altersmässig gemischtes Publikum sass in den Rängen der Aula Ennetgraben in Affoltern und unterhielt sich leise. Plötzlich, wie wenn von Geisterhand ein Schalter umgelegt würde, und noch lange bevor sich auf der Bühne etwas regte, wurde es schlagartig still in der Aula. Dann ein tanzendes Paar, ein Pfiff, und von allen Seiten her stürmte eine lärmende Horde auf die Bühne. Die Tänzerinnen in bunten, schwingenden Spitzenkleidern, die Tänzer mit Hosenträgern. Barfuss. Dutzende von Füsschen und Füssen, trippelten, stampften, hüpften, schlichen, sprangen, tippten.

Sichtbare und unsichtbare Grenzen

Da, unvermittelt zwei agile Gestalten in weissen Trikots und goldenen Schuhen. Sie schlängelten, rollten, räkelten sich. Die Gruppe der Bunten erstarrte und starrte. Greifen die Goldenen an, oder möchten sie gar in Kontakt treten? Sicherheitshalber übernahmen wieder die Barfüssigen und die Beschuhten wurden ausgelacht.

Und schon waren die Zuschauenden Teil der Produktion #fremd. In der Choreografie geht es um Themen wie wir und die anderen, um sichtbare und unsichtbare Grenzen, um Anziehung, Neugier, Verführung, Verherrlichung, Aggressionen. Ätherische Einzelbilder wechseln mit Massenszenen. Teilweise sind über 60 Personen auf der Bühne, denn die fünf Tanzprofis werden von 60 fünf- bis 66-Jährigen Laientänzerinnen und -tänzern unterstützt. Es ist eindrücklich, wie es Marina Gantert gelungen ist, für alle Altersgruppen adäquate Rollen zu schaffen, wo selbst die Kleinsten ein wichtiger Teil der (Tanz-)Gesellschaft sind. Es gibt spannungsvolle und überraschende Bilder, witzige Szenen voller Humor, oder beklemmende Momente wie den, wenn die kleinen Tänzerinnen wie puppenartige Trophäen auf den Schultern von Männern ausgestellt werden.

Einen wichtigen Anteil an der Produktion hat die Musik, genauer das Trio «Alpin Projekt», mit Instrumenten wie Schlagzeug, Hackbrett, und Hörnern. Mit ihren traditionellen Instrumenten gehen sie neue Wege und mischen Bekanntes mit Fremdem.

Auf der Bühne haben dann irgendwann alle das, was vorher fremd war, und die Fremden integriert. Und was ist mit der Frau, die sich bis zuletzt weigert, sich dem Neuen zu verschreiben? Und als irgendwann ein neuer Fremder ins Spiel kommt, und das, was vorher so begehrenswert schien, vergessen herumliegt – ja, dann könnte das Spiel nun ewig so weitergehen – wenn es hier nicht zu Ende wäre. Ein anregender, überraschender Abend, mit einer temporeichen Choreografie, aufgeführt von spürbar begeisterten Tänzerinnen und Tänzern.

Weitere Aufführungen Aula Ennetgraben, Affoltern am 9./10. /16. /17. November 19.30 Uhr, und 11./18. November, 15 Uhr.

Vorverkauf Buchhandlung Scheidegger, www.kulturaffoltern.ch, Abendkasse und Bar eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.