750'000 Franken für Projekte, Vereine und Institutionen

Grosszügige Genossenschaft Ortsnetz Ottenbach nach Netzverkauf

Sie sind für die Liquidation der GOO verantwortlich, von links: Finanzchef Christoph Britschgi, Aktuarin Nadine Schor und Präsident Hansruedi Good. (Bild Werner Schneiter)
Sie sind für die Liquidation der GOO verantwortlich, von links: Finanzchef Christoph Britschgi, Aktuarin Nadine Schor und Präsident Hansruedi Good. (Bild Werner Schneiter)

Nachdem sie ihr Netz 2023 an Sunrise veräusserte, lässt die Genossenschaft Ortsnetz Ottenbach (GOO) ihr Vermögen in der Höhe von rund 750'000 Franken Vereinen und Institutionen zukommen. Unterstützt werden auch Projekte der Gemeinde.

«Es ist eine Informationsveranstaltung und keine Generalversammlung, sagte Hansruedi Good, der letzte GOO-Präsident, als er über 100 ehemalige Genossenschafterinnen und Genossenschafter im Gemeindesaal begrüsste – zu einem von den Ottenbacher Landfrauen zubereiteten Nachtessen, das den Schlusspunkt unter eine fast 44-jährige Geschichte setzte. Der allerletzte Akt besteht aus einer Vollendung der Liquidation in den kommenden Wochen.

Hansruedi Good warf einen Blick zurück auf die Geschichte der GOO. Deren Gründung erfolgte im Restaurant Neuhof am 16. Dezember 1982 − bis 1999 noch Genossenschaft Ortsnetz Ottenbach benannt. Im Gründungsjahr ging man von Investitionen von 760 000 Franken und von einem Ziel von 350 bis 380 Anschlüssen innerhalb von zwei bis drei Jahren aus. Das Ottenbacher Kabelnetz («Ortsantenne Ottenbach») ging schliesslich im Sommer 1984 in Betrieb, womit sukzessive auch die Dachantennen aus dem Dorfbild verschwanden.

Laut Hansruedi Good wurden damals für 12 TV-Kanäle und 18 UKW-Programme monatlich Fr. 14.50 fällig. 1996 zahlte man für 45 TV-Kanäle und 65 UKW-Programme Fr. 16.50 im Monat. Seit 2024 stehen via UPC/Sunrise-Signale 270+ TV-Kanäle und 100+ Radioprogramme zur Verfügung – für monatlich Fr. 20.50.

Aus Kostengründen nicht mehr attraktiv

Nach grossen technischen Schritten − einhergehend mit der Liberalisierung des Telecom-Marktes − folgte 2013 ein besonders grosser: die Einführung des 4G-Mobilfunks mit grossen Bandbreiten. Damals erreichte die GOO mit 913 Abonnements den Spitzenwert. Im Jahr 2020 folgte 5G – mitunter ein Grund, weshalb die Kundschaft vermehrt von Fixnet auf Mobilfunk wechselte. «Auch lineares Fernsehen brach weg», so Hansruedi Good. Als Folge dieser Entwicklung war das Betreiben eines Ortsnetzes in Eigenregie aus Kostengründen auch in Ottenbach nicht mehr attraktiv. Um alle Haushalte mit Glasfaseranschluss zu versehen, wären Investitionen von 800000 bis 2 Millionen Franken notwendig geworden, wurde anlässlich der letzten Generalversammlung argumentiert und von bis 3000 Franken Kosten pro Wohneinheit gesprochen. So veräusserte die GOO ihr Kabelnetz per 1. Juli 2023 an Sunrise. Der GV-Entscheid fiel bei lediglich zwei Gegenstimmen klar aus.

Öffentlichkeit profitiert

Inzwischen ist auch weitgehend klar, wie das vorhandene Kapital der GOO verteilt wird, nachdem die Genossenschaft mit dem Plazet des Kantons steuerbefreit bleibt. Mit 20000 Franken wurden fünf Standorte mit Defibrillatoren ausgerüstet. 100000 Franken gehen an den Kulturverein Ottenbach. Daneben erhalten Vereine und Institutionen insgesamt 30000 Franken: darunter je 3000 Franken die Bibliothek, die Freiwilligenhilfe, die IG Chinderfäscht, die IG Samichlaus und die Jugendarbeit O2. Die Pontoniere freuen sich über je 1000 Franken an die Kosten einer neuen Fahne, die IG «Weisch no», Feuerlöscher und Regale, ebenfalls über 1000 Franken «Zustupf».

Unterstützt werden ferner Projekte, die in Planung sind oder derzeit realisiert werden: Die seit diesem Sommer laufende Sanierung der Sportanlagen auf dem Schulhausareal unterstützt die GOO mit 250000 Franken, einen neuen Kinderspielplatz mit 100000 Franken. Für das Dorffest 2027 sind 30000 Franken vorgesehen, für das Fest «1200 Jahre Ottenbach 2031» 100000 Franken. Den Dank für diese grosszügigen Gesten sprach Gemeindepräsidentin Gabriela Noser Fanger im Namen der Öffentlichkeit aus. «Wir danken auch den GOO-Vorstandmitgliedern und allen, die sich in dieser Sache eingesetzt haben. Wir sind sehr froh für diese finanzielle Unterstützung», schloss sie.

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