Auf der Durchreise

Warum der Albis für Zugvögel und Beobachter interessant ist

Während des Herbstzugs sammeln sich Stare zu immer grösseren Schwärmen. (Bild Michael Gerber)
Während des Herbstzugs sammeln sich Stare zu immer grösseren Schwärmen. (Bild Michael Gerber)

Wer im Herbst am Albis unterwegs ist, sollte den Blick öfter einmal nach oben richten. Dann ziehen Buchfinken, Stare, Ringeltauben sowie Mehl- und Rauchschwalben über den Bergrücken. Der Albis ist zwar kein klassischer Zugvogelpass. Trotzdem eignet er sich gut zum Beobachten. «Die meisten Vögel ziehen mehr oder weniger flächendeckend über die ganze Schweiz», sagt Stefan Bachmann von BirdLife Schweiz. Der Vorteil des Albispasses, aber auch der Buchenegg, ist: Die Vögel fliegen über der erhöhten Krete relativ tief. «Man kann sie vom Boden aus teilweise gut sehen.»

Früh aufstehen

Wer zwischen September und November möglichst viele Vögel sehen will, sollte früh aufstehen. Manche Singvögel ziehen nachts und erreichen bei Tagesanbruch ihre Rastplätze. «Der Vogelzug findet häufig früh morgens statt und dauert etwa bis 9 oder 10 Uhr. Nachher flaut er wieder ab», ergänzt Bachmann.

Greifvögel lassen sich auch später sichten. Im Spätsommer gehören Wespenbussarde zu den auffälligen Durchzüglern. Auch Sperber kann man im September und Oktober vorüberziehen sehen. Dazu kommen Trauerschnäpper und andere Singvögel. Rotmilane sowie Mäusebussarde sind das ganze Jahr über knapp über den Baumwipfeln auszumachen. Im November ziehen die Kraniche über die Region.

Vogelzugstau wegen Regen

Tagsüber machen die Vögel in Bäumen und Hecken Rast, suchen Futter und warten auf den nächstmöglichen Zeitpunkt, um weiterzuziehen. Bachmann rät deshalb, nicht nur in den Himmel zu schauen, sondern auch in die Büsche und Bäume. Und gut hinzuhören: «Viele Zugvögel verraten sich vor allem durch ihre Rufe.»

Bei schlechter Witterung legen einige eine längere Pause ein. Nach einer Schlechtwetterperiode kann es deshalb zu einem regelrechten «Vogelzugstau» kommen. «Sobald das Wetter umschlägt, fliegen sie wieder weiter. Dann sieht man besonders viele Arten.»

Kein Fluglotse

Auf ihrem Weg nach Süden nutzen die Schwärme verschiedene Orientierungshilfen: das Magnetfeld der Erde, die Sonne und nachts die Sterne. Erfahrene Vögel können sich zudem an Landschaften orientieren. «Wenn sie etwa einem Fluss entlang geflogen sind, merken sie sich dies für spätere Reisen», ergänzt Bachmann.

Auch beim Überqueren der Alpen gibt es unterschiedliche Strategien. Einige Arten fliegen über die Berge, andere weichen ihnen aus. Und wenn Vögel im Schwarm unterwegs sind, gibt es keinen Anführer. Sie orientieren sich aneinander.

Pause in der Filderen

Das Naturschutzgebiet Filderen bei Wettswil zeigt, wie wichtig vielseitige Lebensräume entlang der Zugwege sind. Magerwiesen, Tümpel, Bäche und das Hochwasserrückhaltebecken Munimatt bieten dort gute Rastplätze.

Für Zugvögel sind solche Gebiete weit mehr als ein kurzer Halt auf dem Weg nach Süden. Stare nutzen sie tagsüber zur Futtersuche und versammeln sich am Abend in grossen Schwärmen, ehe sie dort übernachten. Auch Rauchschwalben legen dort eine längere Pause ein, bevor sie weiterziehen.

Wenn Insekten fehlen

Nicht alle Vögel sind auf der Durchreise. Der Naturwald am Albis bietet vor allem Waldvögeln gute Brutplätze. Viele von ihnen bleiben das ganze Jahr über in der Region. «In den Wäldern am Albis findet das Haselhuhn teils gute Lebensbedingungen. Und auch der Kolkrabe ist zurück, der im Mittelland lange als ausgestorben galt», ergänzt Bachmann. Andere Arten sind dagegen verschwunden oder deutlich seltener geworden. «Goldammer und Neuntöter leiden unter der intensiven Landwirtschaft. Der Gartenrotschwanz gilt am Albis inzwischen als ausgestorben.»

Damit seltene Arten in der Region wieder Fuss fassen können, braucht es mehr als einzelne Schutzflächen. Neuntöter und Gartenrotschwanz jagen ihre Beute am Boden. Fehlen Hecken und artenreiche Wiesen, gibt es weniger Insekten und damit kaum Futter. Hier setzt das Vernetzungsprogramm in Stallikon an. Auf landwirtschaftlich genutzten Böden werden Biodiversitätsförderflächen angelegt und gepflegt. Gemeinsam mit dem Verein Naturnetz Unteramt läuft zudem ein Monitoring- und Schutzprojekt für den Neuntöter.

Lebensräume verbinden

Bachmann sieht darin einen wichtigen Schritt, aber noch keinen Grund zur Entwarnung: «Das Niveau muss noch erhöht werden. Es genügt noch nicht, dass seltene und ausgestorbene Arten zurückkommen.» Entscheidend sei, dass diese Habitate nicht isoliert voneinander liegen. «Man muss flächendeckend etwas machen, und nicht nur an einem Ort.»

Das Problem liege vor allem bei den politischen Anreizen. Fördergelder sollten stärker daran geknüpft werden, ob eine Massnahme tatsächlich etwas für die Arten bewirkt. «Ein Obstgarten allein nützt dem Naturschutz wenig, wenn der Unterwuchs zu intensiv ist und folglich die Insekten fehlen.»

Ob ein Vogel am Albis vorbeizieht oder Rast macht, hängt also auch davon ab, was er vorfindet: ein Strauch zum Ausruhen, eine Wiese voller Insekten, ein Feuchtgebiet mit genügend Nahrung.

 

 

EuroBirdwatch

Am Wochenende vom 3. und 4. Oktober 2026 lädt BirdLife Schweiz gemeinsam mit Partnern zum EuroBirdwatch ein. In der Schweiz gibt es mehr als 50 Beobachtungs- und Informationsstände. Auch in der Region wird auf dem Uetliberg beim Uto Staffel ein Stand eingerichtet. Fachleute helfen beim Bestimmen der vorbeiziehenden Vögel. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.

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