Aufrüsten oder mit allen Mitteln Krieg verhindern?

Fortsetzung des Artikels «Frieden beginnt mit einer Idee»

Bei der ersten Schule des Friedens stiess ein Teilnehmer die Idee zur Volksinitiative «1 % für den Frieden» an. Mittlerweile habe es drei Sitzungen gegeben zum «Brainstorming», so Andreas Nufer. Die Idee ist, dass ein Prozent des staatlichen Haushaltsbudgets für Friedensförderung aufgewendet werden soll.

Margot Kässmann war von dieser Idee sehr angetan. Sie hält nichts von der Aufrüstungsspirale, nur weil ein Angriff Russlands auf die Nato angeblich immer wahrscheinlicher werde. Sie ist dafür, dass durch Diplomatie alles getan werden müsse, um den Krieg zu verhindern, vor allem durch den Versuch, Russland in verbindliche Verhandlungen einzubeziehen, denn auch in Russland gäbe es viele Menschen, die den Krieg beenden wollten. Dieses eine Prozent würde sie an erster Stelle in die Begegnungen von Jugendlichen unterschiedlicher Nationen zum Abbau von Feindbildern investieren, damit man aus dieser «nationalistischen Denkweise» wieder herauskomme.

«Wenn der Krieg da ist, ist es zu spät», sagte Marionna Schlatter, diese Lehre ziehe sie aus dem Ukraine-Krieg. Dann gäbe es nur noch Verlierer, daher müsse alles daran gesetzt werden, diese Situation zu verhindern. «Das würde bedeuten, dass wir aufhören, den Krieg aus der Schweiz heraus zu alimentieren», fuhr Schlatter fort und erwähnte, dass 80 Prozent der Rohstoffe weltweit über den Rohstoffhandelsplatz Zug gehandelt würden. «Wir haben Gas aus Russland, wir haben Uran aus Russland, wir haben russische Oligarchen, die in der Schweiz zu Hause sind, und dort haben wir nichts gemacht als Parlament. Dort haben wir nicht durchgegriffen, weil wir weiterhin diese Geschäfte machen und den Krieg alimentieren, und das ist für mich einfach eine falsche Logik», so Schlatters Votum. Was nütze all die Aufrüstung, wenn stattdessen nicht alles getan werde, dieses Szenario eines Krieges zu verhindern. Ansetzen würde sie vor allem, ganz ihrer Parteilinie entsprechend, beim Klimaschutz. Beispielsweise könnte ein Teil dieses einen Prozents investiert werden, um alle Gasheizungen in der Schweiz zu ersetzen und sich so frei zu machen von russischem Gas. Die Grünen hätten bereits 2014 im Parlament einen entsprechenden Vorstoss gemacht, nach der Annexion der Krim. Goetschel würde eine Friedensstrategie erstellen und an gleicher Stelle ansetzen, wie Schlatter, würde aber auch Netzwerke bilden und Akteure in entfernten Ländern unterstützen, in eine ähnliche Richtung zu denken. Man könne jedoch der Armee durchaus ihre Daseinsberechtigung lassen.

Benedikt Roos würde auch auf Begegnung setzen, wie Kässmann. Gegenüber einer friedenspolitischen Strategie zeigte er sich nicht abgeneigt. Generell fand er jedoch, und kritisierte dabei die Politiker, wenn man versuche, das eine gegen das andere auszuspielen, dann werde man nicht weiterkommen, stattdessen: «Das eine tun und das andere nicht lassen.»

Abschliessend wurde die Rolle der Religionsgemeinschaften bei der Friedensförderung diskutiert und Publikumsfragen wurden beantwortet.

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