Der Anfang einer weiteren Kult-Geschichte?
Die Nimmermüden Frank Baumann und Hugo Bigi treten in Mettmenstetten auf

Es war nur wieder einmal eine Idee, die Hugo Bigi seit längerer Zeit mit sich trug. Die Geschichte reifte. Hin und wieder sprach er davon und die Stimmen aus seinem enormen Beziehungsnetz meinten, er soll diese Gedanken unbedingt weiterspinnen. Grosse Veranstalter und bekannte Häuser zeigten Interesse an Bigis Projekt. Nur aufspringen auf diesen Gedankenzug wollte niemand wirklich. Mindestens nicht als Erste. Natürlich bekam dies auch sein langjähriger Freund, Frank Baumann, mit. Typisch für ihn kam er umgehend zur Sache: «So cool, ich mache mit. Dieses Kind schaukeln wir!»
Die Idee ist grundsätzlich simpel, trotzdem überaus spannend und somit genial. Ein Live-Talk mit möglichst unterschiedlichen, prominenten Gästen. Die Band von Hugo Bigi spielt Lieder. Die Musikauswahl kommt jedoch nicht von den Gästen, sondern die Musik kommt zu ihnen. Es sollen Lieder sein, die auf verblüffende Weise zu den Menschen auf der Bühne passen. Mal treffsicher, mal überraschend, mal augenzwinkernd. Sicherlich auch hin und wieder provokativ. Die Gäste rätseln, reagieren, erzählen. Und so entsteht spontan ein Gespräch, das so nicht geplant werden kann.
Premiere für den «SongTalk»
Baumann und Bigi nennen ihr Kind «SongTalk». Inzwischen steht es auf eigenen Beinen und wagt nun am Sonntag, 11. Oktober, im Rössli-Saal in Mettmenstetten seinen ersten Galopp. Als Gäste sind unter anderem Mario Fehr und Helga Schneider eingeladen. Eben Gäste, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine erfolgreiche Kunstfigur, die völlig undiplomatisch nie ein Blatt vor den Mund nimmt, und ein mindestens ebenso erfolgreicher und populärer Politiker, dessen Auftreten absolut nichts Künstliches mitbringt, sondern einfach nur immer authentisch, ehrlich und nahbar ist. Es wäre keine Überraschung, wenn dieses Format zum Kult wird. Wie grundsätzlich alles, was Frank Baumann und auch Hugo Bigi anpacken. Beide gelten als Urgesteine vom Radio 24. Der älteste und grösste Schweizer Privatsender wurde im November 1979 von Roger Schawinski gegründet. Vom italienischen Pizzo Groppera aus wurde gesendet. Meist jedenfalls. Immer und immer wieder fand die Obrigkeit Wege, den «Piratensender» vorübergehend stillzulegen. In den frühen Achtzigerjahren war diese üble, missliche Situation endlich vorbei. Der Sender war aus der Schweizer Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken und erlangte Kultstatus. Mittendrin Frank Baumann und Hugo Bigi. Bigi, Dr. phil. in Kommunikations- und Medienwissenschaft, kletterte den Bekannt- und Beliebtheitspegel im Eilzugstempo hoch. Musikchef Radio 24, Programmleiter Opus Radio, Moderationsleiter Tele 24. Und dort bis heute das Gesicht der preisgekrönten TV-Interview-Sendung «Talk Täglich». Natürlich ebenfalls Kult.
Spricht man den Namen Frank Baumann aus, kommt postwendend der Begriff «Ventil» zurück. Nur, eigentlich tut man Baumann unrecht, wenn er auf diese eine Sendereihe reduziert wird. Auch wenn «Ventil» wie kaum eine andere Ausstrahlung in unserem Land polarisierte, Baumann Morddrohungen erhielt und tätlich angegriffen wurde. Den «Special Mention»-Preis, den er 1999 für dieses Schaffen von Rose d’Or erhielt, war dafür wohl nur ein schwacher Trost. Heute sind die 74 abgedrehten Folgen von diesem Format Kulturgut vom Schweizer Fernsehen.
Frank Baumann steht für viel mehr als nur diese Fernsehsendung. Für seine Arbeit als Regisseur von Werbefilmen wurde er schon Ende der Achtzigerjahre geehrt. Er moderierte gegen 20 Jahre erfolgreiche Sendungen auf SF DRS, SF1, Sat1, 3Sat und ZDF. Sein Gesicht ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland präsent. Von 2008 bis 2023 leitete er als Direktor das Aroser Humorfestival, wofür er ebenfalls ausgezeichnet wurde. Heute arbeitet Baumann hauptsächlich als Buchautor. Auch da sorgt er mit seinen Veröffentlichungen immer wieder für Ausrufezeichen.
Geschichte, die im Säuliamt beginnt
Nun wollen Baumann und Bigi nochmals zusammen Geschichte schreiben. Schön, dass diese im Säuliamt beginnt. Wer behauptet, dass in Mettmenstetten der Grundstein für eine erneute Kult-Geschichte gelegt wird, kann durchaus als Realist bezeichnet werden. Es ist auch anzunehmen, dass sich bald der eine oder andere Veranstalter hinterfragt, sich nicht erklären kann, wieso er nicht gleich zu Beginn auf das Duo, auf den «SongTalk» gesetzt hat. Der Weg in renommierte Häuser, ja sogar zum Fernsehen, wird sich eher zu einem Spaziergang als zu einer Bergwanderung entwickeln. Auch wenn Baumann und Bigi glaubwürdig kundtun, dass das nicht ihr primäres Ziel sei. Trotzdem, mich würde es sehr freuen, zwei lebende Legenden gemeinsam im Fernsehen als gewiefte Talker zu sehen, und dass zudem Hugo Bigi, ein begnadeter Musiker – das Talent hat er wohl von seinem Vater geerbt, der 1949 die Ländlerkapelle Hugo Bigi gründete –, zusätzlich noch singt. Und das SRF würde sich sicher auch freuen, wenn es wieder einmal ein Ausrufezeichen setzen könnte.


