Glasfaser: Das schnelle Internet lässt im Bezirk auf sich warten
Echtes Glasfaser-Internet bis in die Wohnung ist noch längst nicht flächendeckend verfügbar

Ende 2018 versprach Swisscom, die Schweiz flächendeckend ans schnelle Glasfaser-Internet anzuschliessen. Bis Ende 2021 sollten sämtliche Schweizer Gemeinden ausgebaut sein. Doch «Glasfaser» bedeutete dabei nicht zwingend Glasfaser bis in die Wohnung.
Was das Swisscom-Versprechen konkret bedeutete, zeigt der Ausbau im Säuliamt: «Glasfaser» heisst nicht automatisch FTTH (Fiber-to-the-Home). Teilweise setzte Swisscom auf FTTS (Fiber-to-the-Street). Die Glasfaser reicht dabei bis in die Nähe des Gebäudes; für das letzte Stück bis in die Wohnung kommt Kupfer zum Einsatz. FTTH ist bis heute in den meisten Gemeinden im Amt nicht verfügbar (siehe Tabelle).
Glasfaser-Ausbau: Wo steht das Säuliamt?
Wie gross der Nachholbedarf im Säuliamt ist, lässt sich kaum beziffern – verlässliche Zahlen gibt es nicht. Die Gemeinden haben keinen Überblick über die Zahl der Haushalte mit FTTH und verweisen auf die privaten Netzanbieter. Doch auch dort sind konkrete Angaben schwierig zu bekommen. Swisscom schreibt auf Anfrage, man mache weder detaillierte Angaben zur Zahl der Haushalte mit FTTH noch zur Ausbauplanung. Die Gemeinden würden informiert, sobald ein Ausbau fest geplant sei.
Für diesen Artikel wurden sieben Gemeinden im Bezirk Affoltern angefragt: Affoltern, Bonstetten, Hausen, Knonau, Mettmenstetten, Obfelden und Rifferswil. Die folgende Tabelle zeigt den aktuellen Stand – basierend auf Auskünften von Swisscom, Sunrise und WWZ, dem Energie- und Telekommunikationsunternehmen aus dem Kanton Zug.
Mehrere Netze im Boden – aber nicht überall FTTH
Wie komplex die Situation im Säuliamt sein kann, zeigt das Beispiel Bonstetten. Bis Mitte 2024 gehörte das Kabelnetz der Gemeinde, die es in Eigenregie betrieb. Nach einer Abstimmung im März 2024 verkaufte die Gemeinde das Netz per Juli 2024 an Sunrise. Sunrise hat das HFC-Netz (Hybridnetz aus Glasfaser und Koaxialkabel) seither modernisiert. Heute sind flächendeckend bis zu 2,5 Gbit/s möglich, statt wie zuvor 1 Gbit/s. Einen Ausbau des Netzes mit FTTH habe man deshalb bisher nicht vorgenommen, schreibt Sunrise auf Anfrage. Ob einzelne Gebäude künftig mit FTTH erschlossen werden, soll «von Fall zu Fall» entschieden werden. Doch Bonstetten hat noch eine Besonderheit. Auch Swisscom hat in der Gemeinde FTTH-Anschlüsse gebaut – darf sie aber wegen einer WEKO-Verfügung nicht in Betrieb nehmen (siehe Box).
Hausen: Hier wird FTTH bis Ende 2026 gebaut
Anders sieht es in Hausen aus. Hier läuft derzeit der einzige konkrete FTTH-Ausbau im Bezirk. Seit Sommer 2025 werden Glasfaserkabel bis in Wohnungen und Geschäfte verlegt. Ende 2026 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Möglich wurde der Ausbau durch eine Kooperation von Swisscom und WWZ. Seit Ende 2025 können Haushalte in Hausen zwischen verschiedenen Anbietern wählen und mit bis zu 10 Gbit/s surfen. Für andere Gemeinden könnte Hausen ein Hoffnungsschimmer sein. Ob weitere Kooperationen folgen, ist allerdings offen. WWZ konnte auf Anfrage keine weiteren konkreten Projekte im Säuliamt nennen. Swisscom teilt mit, man sei weiterhin mit WWZ im Gespräch.
Und was heisst das für die Haushalte?
Auf swisscom.ch/checker lässt sich über die eigene Adresse prüfen, welche Technologie verfügbar ist und ob ein Ausbau geplant ist. Einen Überblick über die FTTH-Verfügbarkeit in der Schweiz bietet auch die FTTH-Ausbaukarte von Init7. Wer über das Kabelnetz von Sunrise oder WWZ versorgt wird, informiert sich direkt beim jeweiligen Anbieter. Steht bei Swisscom ein konkreter Ausbau an, werden die Eigentümer direkt kontaktiert. Wer nicht darauf warten möchte, kann zudem prüfen lassen, ob ein Glasfaseranschluss über «FTTH-on-Demand» vorzeitig realisiert werden kann – allerdings gegen Mehrkosten.
Worum geht es bei der WEKO-Verfügung?
Anfang 2020 änderte Swisscom ihre Strategie beim FTTH-Ausbau und setzte in selbst ausgebauten Gebieten auf die P2MP-Technologie (Point-to-Multipoint). Dabei wird die Glasfaser auf einem Teil der Strecke von mehreren Anschlüssen gemeinsam genutzt und erst über Splitter auf die einzelnen Haushalte verteilt. Init7 erstattete im September 2020 Anzeige bei der Wettbewerbskommission (WEKO). Diese erliess im Dezember 2020 eine vorsorgliche Massnahme. Das Bundesgericht bestätigte sie im November 2022 letztinstanzlich.
Im April 2024 büsste die WEKO Swisscom mit rund 18 Millionen Franken. Sie ordnete zudem an, bereits in Betrieb genommene P2MP-Anschlüsse bis Ende 2025 umzurüsten oder abzuschalten. Beim weiteren Ausbau muss Swisscom den direkten Netzzugang für andere Anbieter gewährleisten.


