«Gute Geister» – wichtige Pfeiler der Dorfgemeinschaft
Ottenbacher Neujahrsanlass: Besinnliche Worte und Akrobatik
«Die Tragödie von Crans-Montana macht uns alle betroffen»: Mit diesen Worten eröffnete Gemeindepräsidentin Gaby Noser Fanger den traditionellen Neujahrsanlass im voll besetzten Gemeindesaal in Ottenbach. Das schwere Unglück erinnere auf schmerzliche Weise, wie schnell sich der Alltag dramatisch wenden könne – und werfe den Gedanken auf: Wie kann so etwas passieren? Ja, Brandschutzvorschriften seien teuer und sowohl bei Bauherrschaften wie in der Bevölkerung auch immer wieder Gegenstand von Kritik. Aber sie machen Sinn. Die Tragödie im Wallis habe gezeigt, dass die Zusammenarbeit über Kantons- und Landesgrenzen hinaus funktioniere. «Polizei, Feuerwehr und Sanität haben gewaltigen Einsatz geleistet», sagte die Gemeindepräsidentin, auch daran erinnernd, dass zahlreiche Einsatzkräfte ehrenamtlich Unterstützung geleistet haben – Leute, die ihren Dienst ohne grosses Aufsehen leisten.
Und genau das gehöre zum wichtigen Fundament in der Gesellschaft, weil es ohne sie nicht funktionieren würde. Diese «guten Geister» von Ottenbach bekamen am Neujahrsanlass ihren Auftritt in kurzen Filmen: Die Holzkorporation, die den Wald unterhält und pflegt, versorgt die Bevölkerung jedes Jahr mit Christbäumen und stellt auch jenen auf dem Dorfplatz. Michaela Späni und ihr 16-köpfiges Team sorgen bei der Bibliothek mit Foodsharing dafür, dass Lebensmittel nicht einfach weggeworfen werden – mit einem Frigo (Kühlschrank), der sich Madame nennt. Der Werkhof mit seinen drei Mitarbeitern sorgt für permanent sauberes Wasser, für eine funktionierende Filteranlage und dafür, dass Ottenbach auf öffentlichen Plätzen und anderswo sauber bleibt. Fritz Schumacher, der nach über 40 Jahren nun von Roger Hegetschweiler als Ackerbaustellenleiter abgelöst wird, sprach vom Vernetzungs- und Landschaftsentwicklungskonzept und darüber, dass der Ottenbacher Baubestand wieder ähnlich aussieht wie vor 20 Jahren. Den letzten Auftritt bestritt die «Post»-Wirtin Biljana Krstanovic, die seit 25 Jahren Gäste bewirtet – mit grossem Erfolg.
Schneller gewachsen als prognostiziert
Obwohl Ottenbach kaum noch über Bauland verfügt, zählt die Gemeinde seit vergangenem Jahr 3000 Einwohnerinnen und Einwohner – hauptsächlich durch innere Verdichtung. Dieses Wachstum stellt laut Gaby Noser Fanger hohe Anforderungen an die Infrastruktur. So wurde ein neues Schulgebäude errichtet, und die Infrastruktur muss erneuert werden. Dazu gehört unter anderem die Sanierung von Hallenbad und Sportanlage. Abstriche gibt es bei den Strassenprojekten und der Neugestaltung des Dorfzentrums. Das hat sich um ein Jahr verschoben, weil Gemeinde und Kanton den Planer auswechseln mussten. Kleiner Trost in diesem Zusammenhang für die Gemeindepräsidentin: Das Haus am Dorfplatz 4 steht noch und diente der Spräggele als sympathische Werbeaktion.
Nach Verletzung für Ottenbacher Auftritt sieben Monate trainiert
Den Schlusspunkt des Neujahrsanlasses setzte der in einer Zirkusfamilie aufgewachsene Silvio Sotirov, der in Ottenbach nach einer über 30-jährigen Karriere auf Kreuzfahrtschiffen, Gala-Abenden und als künstlerischer RHB-Zugbeleiter einen Schlusspunkt setzte – und dabei insbesondere als Akrobat überzeugte: unter anderem mit spektakulären Kraftakten an der Stange. Dafür hat er nach einer Verletzung während sieben Monaten trainiert, wie Marlis Schumacher, Präsidentin des Kulturvereins, anfügte. Sie setzte den Schlusspunkt mit Hinweisen auf ein reichhaltiges Programm im Jahr 2026.






