Ist der neue Dorfplatz zu klein?

Grösse und Lage eines Dorfplatzes sowie eine neue Strasse polarisieren in Hedingen

In Hedingen soll entlang des Dorfbachs zwischen Kratzstrasse und Bahnhofplatz ein Dorfplatz entstehen. (Bild zvg)

In Hedingen soll entlang des Dorfbachs zwischen Kratzstrasse und Bahnhofplatz ein Dorfplatz entstehen. (Bild zvg)

Der Schachensaal in Hedingen war am vergangenen Samstagmorgen voll, als die Gemeinde eine erste von zwei Informationsveranstaltungen zum aktuellen Stand der Zentrumsplanung abhielt. Denn Hedingen steht vor einem bedeutenden Entwicklungsschritt: Mit der geplanten Neugestaltung des Zentrums will die Gemeinde das Dorf langfristig stärken und attraktiver machen. Herzstück des Projekts ist ein neuer, autofreier Dorfplatz mit Grünflächen, Bachzugang und Raum für Begegnung und Veranstaltungen. Gleichzeitig sind neue Wohnungen, Gewerbeflächen sowie ein zentral gelegenes Gemeindehaus vorgesehen, um das Zentrum wieder stärker zu beleben.

Ein zentrales Anliegen ist zudem die Verkehrsentlastung: Eine neue Erschliessungsstrasse soll den Durchgangsverkehr aus dem Dorfkern verlagern und so mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität schaffen. Die Zentrumsentwicklung basiert auf einem mehrjährigen Planungsprozess unter Einbezug der Bevölkerung und Grundeigentümer.

«Platz muss dort sein, wo Leute sind»

Einwände aus der Bevölkerung betreffen momentan vor allem die neue Erschliessungsstrasse, die Grösse und Lage des Dorfplatzes sowie «identitätsstiftende» Häuser im sogenannten Magnolienquartier.

Der geplante Dorfplatz habe die Grösse einer 2,5-Zimmer-Wohnung und wurde von einem Veranstaltungsteilnehmer kritisiert. Wie Gesamtprojektleiter Christian Schlatter ausführte, dürfte der Platz tatsächlich rund 1000 Quadratmeter Fläche aufweisen. «Das wären dann rund 15 grosse 2,5-Zimmer-Wohnungen», konterte er. Den Einwand, dass der Dorfplatz besser auf dem Juventus-Areal beim Kreisel realisiert würde, entkräftete Gemeindepräsident Ruedi Fornaro: «Ein Dorfplatz muss dort sein, wo die Leute sind.» Dies sei nun einmal auf dem Areal beim Volg der Fall – dort, wo eingekauft werde.

Dass die Gemeinde «wertvolles Bauland hergibt», um eine neue Erschliessungsstrasse zu bauen, lautete ein anderer Kritikpunkt. Stattdessen wird weiterhin eine Nordzufahrt aus der anderen Richtung vorgeschlagen. Wie von den Verantwortlichen bereits früher dargelegt, ist eine solche wegen Vorgaben des Kantons aber nicht möglich. «Sie ist planungsrechtlich nicht zulässig und aus heutiger Sicht nicht bewilligungsfähig», erklärte Gaby Horvath, Ortsplanerin bei der Suisseplan AG. Die Krux: Der Kanton schreibt vor, dass eine neue Erschliessungsstrasse über Bauland erfolgen muss. Der Einwand, die neue Strasse diene vor allem der Firma Ernst Schweizer AG, liess Horvath ebenso nicht gelten. «Wenn die Erschliessungsstrasse nicht kommt, fahren die Lastwagen weiterhin durchs Dorf am Volg vorbei.» Genau dort orten die Planer aber ein Verkehrsproblem, das mit der Zentrumsplanung und einem Einbahn-Regime entschärft werden soll. «Danach hat man dort pro Tag noch 400 Fahrzeuge, nicht wie jetzt 1300», so Schlatter. Damit werde die Gefährlichkeit im Dorfzentrum «erheblich reduziert».

Dass durch die Zentrumsplanung zwei markante Häuser im Magnolienquartier weichen werden, hat ebenso seine Gründe. Laut Ruedi Fornaro wollen die Grundeigentümer das so und sind mit im Boot bei der Zentrumsplanung. Man wolle als Gemeinde nicht vorschreiben, was die Besitzer tun oder lassen sollen. Zudem macht der Kanton auch hier Vorgaben, indem er sagt, dass eine Verdichtung in der Nähe des Bahnhofs erfolgen müsse. Also just dort, wo diese Häuser stehen. Und bauen könnten die Grundeigentümer auch bei Ablehnung der Zentrumsplanung. Einfach nach den bisher geltenden Zonenvorschriften. Mit dem Nachteil, dass die Gemeinde weniger Mitsprachemöglichkeit hätte als mit den geplanten Sonderbauvorschriften.

Und was kostet das neugestaltete Dorfzentrum? Dazu präsentierte Finanzvorsteherin Nicole Doppler die Zahlen. Es ist somit von Kosten in der Höhe von rund 10 Millionen Franken auszugehen. Über den Kredit dazu wäre an der Urne zu befinden. Nicht dabei in dieser Rechnung sind die Kosten für die Entwicklung des Juventus-Areals und ein mögliches neues Gemeindehaus. Darüber wird separat entschieden. Zu Buche schlagen würde dieses Projekt mit rund 15 Millionen Franken. Da die Gemeinde laut Doppler finanziell gut aufgestellt ist und man aktuell null Franken Schulden hat, steht der Investition aus ihrer Sicht nichts im Weg. «Ich sehe auch keinen Anlass, die Steuern deswegen erhöhen zu müssen», so Doppler.

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