Vom Albis an die Aare
Mitglieder des Gesellschaftsguts Hausen besuchen das Bundeshaus

Es war ein geschichtsträchtiger Moment am letzten Samstagmorgen: Das Gesellschaftsgut Hausen begab sich auf seine erste offizielle Reise, die in die Hauptstadt führte. Kein Zufall war das Ziel im Bundeshaus. Bereits 281 Jahre vor der Gründung des modernen schweizerischen Bundesstaates im Jahre 1848 übte sich das Hausemer Gesellengut in demokratischer Konsensfindung. Adam Näf und Lorenz Hägi kauften 1567 ein Wirtshaus in Heisch, weil den beiden Gesellen der Weinpreis des lokalen Wirtes zu teuer war. Es war die Gründung einer Handwerks-, Handels- und Wehrgemeinschaft, der bald alle wichtigen und alteingesessenen Familien im Oberamt angehörten. Viele tun es noch heute.
Die Idee für diese besondere Exkursion entstand am runden Tisch und durch den direkten Draht nach Bern, den Säckelmeister René Baumann zum Zuger Ständerat Peter Hegglin pflegt. Dieser öffnete der 20-köpfigen Delegation aus Hausen die Türen zum Bundeshaus und führte durch die geschichtsträchtigen Hallen, wo die Schweizer Gesetze debattiert und erlassen werden. Es sollte eine Reise werden, die über ein klassisches Sightseeing hinausging.
Baumann brachte es auf den Punkt: «Unsere Vorfahren, die sich im Gesellengut engagierten, waren die Vorreiter.» Das Prinzip, so Baumann, sei damals wie heute das Gleiche gewesen: «Was heute im Bundeshaus debattiert wird, pflegten die Mitglieder des Gesellschaftsguts schon Jahrhunderte zuvor im Kleinen – das Ringen um Lösungen, die von der Gemeinschaft getragen werden.»
Blick hinter die Fassaden der Macht
Unter der kundigen Führung von Peter Hegglin tauchten die angereisten Mitglieder tief in die Architektur und Symbolik des Parlamentsgebäudes ein. Die Erwartungen wurden dabei übertroffen. Besonders beeindruckte der Aufbau des Bundeshauses, der als Abbild der Schweiz dient. Die Repräsentanz der verschiedenen Stände, Gemeinden und Berufe in den Baumaterialien, Stuckaturen, Schnitzereien und Gemälden spiegelt sich in jedem Detail.
Ein besonderes Augenmerk galt der materiellen Beschaffenheit des Gebäudes. Dass die Baustoffe aus der gesamten Schweiz stammen, verdeutlichte den Teilnehmern den Zusammenhalt der vier Sprachregionen und Kulturen. Auch die politische Geografie des Hauses – die Trennung von Rechts und Links mit jeweils eigenen Eingängen – sorgte für angeregte Diskussionen über die Struktur unserer Demokratie.
Trotz der positiven Resonanz der Teilnehmer gab es auch leisere Töne. Baumann machte keinen Hehl daraus, dass er sich eine höhere Beteiligung gewünscht hätte. «Ich habe mehr Teilnehmer erwartet», gestand er. Zu denken gegeben hat ihm, dass sich einige nicht einmal abgemeldet hatten. Ob und in welcher Form solche Ausflüge fortgesetzt werden, wird sich nach der Auswertung der Rückmeldungen entscheiden. Baumann hofft, dass sich die gelungene «Initialzündung» unter den Gesellen herumspricht und mehr Resonanz für künftige Aktivitäten auslösen wird.


