Katzenschütze sorgt für Schrecken
In einem Mettmenstetter Quartier wurden seit 2024 mindestens sechs Katzen angeschossen

Am 20. April 2025 verfasste eine Katzenbesitzerin aus Mettmenstetten einen Beitrag in der Facebookgruppe «Pinnwand Säuliamt». Darin hiess es:
«Auf unseren Kater ‹Legend› wurde heute Abend (...) geschossen. Er kam humpelnd und blutend nach Hause (...).»
Der Kater sei am Ellenbogen getroffen worden, das Projektil des Luftgewehrs sei in einer Operation entfernt worden. «Wir hoffen, dass sich so etwas Unfassbares nicht wiederholt», schrieb die Besitzerin damals.
Inzwischen ist klar, dass es dabei nicht geblieben ist. In derselben Wohngegend um die Pfruendmattstrasse kam es sowohl davor als auch danach zu mehreren ähnlichen Vorfällen. Das zeigt eine Liste, die ein Anwohner erstellt hat und die dem «Anzeiger» vorliegt. Insgesamt wurden seit Juni 2024 mindestens sechs Katzen mit einem Luftgewehr angeschossen und verletzt.
Der «Anzeiger» hat mit zwei Betroffenen Halterinnen geredet. Ihren Namen möchten sie lieber nicht in der Zeitung lesen, aus Sorge vor weiteren Vorfällen oder Problemen. Beide erzählen, wie sie ihre Katzen eines Tages humpelnd vorgefunden hätten. Beide haben zunächst an Verletzungen geglaubt, wie sie passieren können, wenn Katzen sich draussen frei bewegen − etwa durch einen Revierkampf oder einen Unfall. Doch in beiden Fällen brachte ein Röntgenbild die Gewissheit, dass die Wunde durch eine Waffe entstanden ist. «Zu erfahren, dass meine Katze angeschossen wurde, hat mich schockiert», erzählt eine der beiden Halterinnen.
«Auffallend viele Vermisstmeldungen»
In den sechs dokumentierten Vorfällen haben alle Katzen überlebt. Doch unter den Betroffenen hält sich die Befürchtung, dass ihre Fälle nur die Spitze des Eisbergs sein könnten. Eine der beiden Frauen berichtet, dass im Quartier regelmässig Vermisstblätter hängen. Die andere Halterin hat die Online-Vermisstmeldungen der Schweizerischen Tiermeldezentrale näher angeschaut und festgestellt, dass in Mettmenstetten «auffallend viele Katzen» als vermisst gelten. Ein aktueller Blick in die Kartei zeigt, dass die Zahl in Mettmenstetten bezirksweit tatsächlich am höchsten ist. Ob das mit den Vorfällen in Zusammenhang steht oder Zufall ist, ist offen.
Mehrere Betroffene haben wegen der Verletzungen ihrer Tiere mittlerweile Anzeige erstattet. Bislang führten die Ermittlungen allerdings zu keinem Ergebnis. Es ist unklar, ob die Luftgewehrvorfälle in Mettmenstetten kantonsweit eher Einzelfälle oder Teil eines grösseren Problems sind. Die Kantonspolizei Zürich teilt auf Anfrage mit, dass sie keine Statistik über Anzeigen wegen Schüssen auf Katzen führe. Zu möglichen Motiven äussert sie sich nicht.
Frust als Motiv für den Griff zur Waffe
Die Stiftung Tier im Recht betreibt eine Datenbank mit sämtlichen Straffällen, die dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) seit 1981 gemeldet wurden und im Zusammenhang mit dem Tierschutzgesetz stehen. Darin sind auch zahlreiche Fälle enthalten, in denen mit Luftgewehren oder anderen Schusswaffen auf Katzen geschossen wurde. In jenen Fällen, in denen das Motiv erwähnt wird, begründete die Täterin oder der Täter die Tat überwiegend damit, dass die betreffende Katze Schäden im Garten, am Auto oder am Haus angerichtet oder dort Tiere wie etwa Fische oder Vögel gejagt habe, beziehungsweise sie von der Verursachung von Schäden oder der Erbeutung von Tieren abgehalten werden sollte.
Wer eine Katze mit einem Luftgewehr anschiesst, macht sich strafbar. Juristisch gilt dies als Tierquälerei. Darauf stehen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Hinzu kommt der Tatbestand der Sachbeschädigung, da Tiere rechtlich als Eigentum ihrer Halter gelten.
Die Polizei empfiehlt Haltern, die bei ihren Tieren mutwillig verursachte Verletzungen feststellen, eine Anzeige zu erstatten: «Im besten Fall bringen die Tierhalter eine tierärztliche Dokumentation der Verletzung mit.»
Die Betroffenen hoffen, dass im Quartier wieder Ruhe einkehrt und ihre Katzen in Ruhe gelassen werden. Hierzu bitten sie die Nachbarschaft um Wachsamkeit: «Wer etwas sieht oder ein Schussgeräusch hört, soll seine Beobachtungen bitte bei der Polizei melden. Das muss endlich aufhören.»


