Komitee will Richtungswechsel bei der Zentrumsplanung Hedingen
Einzelinitiative kommt am 3. Dezember vor die Gemeindeversammlung
Besonders laut spricht Balint Berg nicht, während er auf der Terrasse des Cafés Pfyl in Hedingen sitzt. Der Lärm der Hauptstrasse droht seine Stimme ständig zu verschlucken. Dabei soll ihm genau dieses Überhörtwerden in Zukunft nicht mehr passieren. Zumindest nicht im Hinblick auf sein politisches Anliegen, über das er an jenem sonnigen Spätmorgen Auskunft gibt.
Balint Berg, 58-jährig und Lokführer von Beruf, ist kein Daueroppositioneller, der bei jedem Behördenprojekt den Mahnfinger hebt. Eher gehörte er in den vergangenen 26 Jahren zur schweigenden Mehrheit, die still darauf vertraut, dass es mit der Gemeindepolitik in Hedingen schon gut komme. Nun ist Berg aktiv geworden, gemeinsam mit einem Initiativkomitee aus rund 15 Personen. Sie alle sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie die Gemeinde das Dorfzentrum gestalten will. «Wir wollen die Zentrumsplanung nicht verhindern», sagt Berg, «aber wir wollen sie in eine andere Richtung lenken.»
Berg: «Ein gruseliges Projekt»
Zusammengefunden haben die Menschen, die ähnlich denken wie Balint Berg, ab Sommer 2025. Damals hatte die Gemeinde Hedingen der Bevölkerung an einem Informationsanlass präsentiert, wie sie sich die Zentrumsentwicklung im Bahnhofsquartier vorstellt.
Das Projekt der Gemeinde sieht einen autofreien Dorfplatz beim Dorfbach als zentralen Begegnungsort vor. Um den Durchgangsverkehr aus dem Zentrum zu verlagern, soll zwischen der Bahnhofstrasse und der Alten Zwillikerstrasse eine neue Erschliessungsstrasse gebaut werden. Zum Projekt gehören zudem neue Wohnüberbauungen in den Teilgebieten Post, Magnolie und Juventus mit insgesamt rund 120 bis 160 Wohnungen, ein neues Gemeindehaus auf dem Juventus-Areal als Teil des neuen Zentrums und Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. «Das Projekt hat viele Leute aufgeschreckt», sagt Berg, «weil es so gruselig aussah.»
Bloss ein «Zückerchen» fürs Volk?
Das Initiativkomitee um Balint Berg sieht im Projekt mehrere Mängel. Aus dessen Sicht hat sich der Gemeinderat bei der Planung des Dorfzentrums zu stark auf die Bedürfnisse der Grundeigentümer fokussiert. Die Bevölkerung erhalte mit dem neuen Dorfplatz ein «Zückerchen», profitieren würden aber vor allem die Landbesitzer. Diese könnten durch die Sonderbauvorschriften, die ebenfalls zur Diskussion stehen, dichter bauen und so mehr aus ihren Parzellen herausholen. Überhaupt: Vor lauter Bauen gehe vergessen, dass es gerade im Magnolienquartier (siehe Bild) diverse historisch wertvolle Gebäude gebe, die dann einfach aus dem Dorfbild verschwinden würden. «Mich beelendet es, wie man mit diesen alten Häusern umgeht», sagt Berg. Er betont, dass er die Entwicklung des gesamten Quartiers im Blick habe – nicht nur die Zukunft seines eigenen Hauses, das ebenfalls im Magnolienquartier steht und bei einer Umsetzung der aktuellen Zentrumsstrategie von Neubauten umgeben wäre.
Auch der geplante Dorfplatz überzeugt Balint Berg nicht: Dieser läge zwar am Bachufer und würde schön grün. Er kritisiert jedoch «die horrenden Kosten», die durch den Zukauf und Abriss der dortigen Liegenschaften entstünden, und den fehlenden Bezug zu anderen Gebäuden. «Es wäre einfach eine kleine Grünfläche am Wasser», glaubt Berg, «aber sicher kein funktionierender Dorfplatz.»
Ein weiterer Kritikpunkt ist die geplante Strasse. «Wir sind der Meinung, dass sich die Gemeinde nicht mit einem zweistelligen Millionenbetrag verschulden sollte für eine Strasse, die es nicht braucht.»
Info-Veranstaltung am 25. September
Mitte Juni hat das Initiativkomitee eine Einzelinitiative eingereicht. Mit ihr soll eine «massvolle Zentrumsplanung mit Dorfcharakter» erreicht und die gewünschten Veränderungen bei der Zentrumsplanung verbindlich festgelegt werden.
Gefordert wird etwa, dass die Gemeinde das eigene Land behält und es «nutzbringend für die Gewerbe- und Wohnraumentwicklung» einsetzt. Eine Strasse soll es über das Juventus-Areal nicht geben, stattdessen soll auf Basis eines Architekturwettbewerbs ein Gestaltungsplan erarbeitet werden, der die ortsbauliche Qualität und die Bauweise verbindlich sichert. Dasselbe wünscht sich das Initiativkomitee für das Magnolienquartier; auch dort soll die ortsbauliche und gestalterische Qualität gesichert und die Neubauentwicklung «verbindlich gelenkt» werden.
Die Einzelinitiative wurde in der Zwischenzeit für gültig erklärt, die Stimmberechtigten entscheiden an der nächsten Gemeindeversammlung am 3. Dezember über das Anliegen; gemeinsam mit drei weiteren Vorlagen zur Zentrumsplanung.
Am kommenden Freitag, 25. September, organisiert das Initiativkomitee eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung, um die Inhalte der Initiative näher vorzustellen und mit interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern ins Gespräch zu kommen.
Info-Veranstaltung des Initiativkomitees «Für eine massvolle Zentrumsplanung Dorfcharakter», Freitag, 25. September, 19.30 Uhr, Werkgebäude der Feuerwehr, Hedingen






