Lovemobiles als Wahllokomotiven
Die FDP tingelt im Wahlkampf mit Lovemobiles durch den Kanton. Mehr als ein Dutzend Nationalratskandidaten begleiten das Gefährt und diskutieren am Samstag mit der Bevölkerung in Affoltern.

Anstelle von Techno oder House ertönen eher martialische Klänge aus den Lautsprechern. Und wer etwa einige leichtbekleidete Mädchen auf dem Liebeswagen erwartet, sucht vergebens. Die Lovemobiles sind zwar mit Porträts der Kandidatinnen und Kandidaten bedruckt, die Fahrzeuge entpuppen sich aber bei genauerem Hinsehen als ganz gewöhnliche Lieferwagen. Die Protagonisten stehen etwas nervös aber betont freundlich auf dem gepflasterten Platz vor der Migros in Affoltern. Das Durchschnittsalter ist denn doch etwas höher als bei der Besatzung der Mobiles an der Street Parade. Alle tragen jedoch einen Badge mit ihrem Namen auf der Brust und verteilen farbige Flyers, eine Wahlzeitung und Give-Aways. Sehr viel Sympathie ernteten die FDP-Vertreterinnen und Vertreter bei den weiblichen Passanten, denen sie mit charmanter Geste eine Rose schenkten.
Alle diese Aktivitäten geschahen, wenn man denn den Spruchbändern mit den riesigen Lettern glauben schenken will, aus Liebe zur Schweiz. Würden nicht die drei blauen Buchstaben «FDP» unübersehbar dokumentieren, dass es sich bei diesem Auftritt um die Freisinnig Demokratische Partei handelt, könnten die Slogans «Freiheit stärken», «Aus Liebe zur Schweiz» und «Lifere statt lafere», durchaus auch von der Partei mit dem Sünneli im Logo stammen.
Kandidaten mitPromi-Status
Die Kunden der umliegenden Läden im Zentrum Oberdorf in der Bezirkshauptstadt nehmen den Auftritt der Politprominenz eher gelassen. Obwohl einige der anwesenden Kandidatinnen und Kandidaten den Promi-Status absolut für sich in Anspruch nehmen dürfen. Da lächelt Doris Fiala, Filippo Leutenegger spricht engagiert mit einem älteren Herrn, Beat Walti, Präsident FDP Kanton Zürich, gibt sich leutselig und Carmen Walker Späh kann ebenfalls auf einen beachtlichen Bekanntheitsgrad zählen. Einen Einheimischen-Bonus geniesst der im Bezirk Affoltern wohnende Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler.
Welche Themen drücken die Stimmbürger? Was erwarten die Wähler von der FDP? Und: Wie stehen die Nationalratskandidaten zur ungeteilten Standesstimme im Ständerat? Die Fragen des «Anzeigers» wurden unterschiedlich beantwortet. Während Doris Fiala der Wirtschaft eine Fitnesskur verordnen will, fordert Carmen Walker Späh weniger Bürokratie und dafür umso mehr Kreativität in der Schweizer Politik. Die Frage, wo denn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Schuh drückt, beantworteten fast alle FDP-Vertreter mit den gleichen Worten.
Auch lokale Themen
im Gespräch
Nicht nur im Säuliamt sondern überall im Kanton werden sie von den Stimmbürgern auf die gleichen Themen angesprochen. Migrationsprobleme und die durch die aktuelle Wirtschaftslage gefährdeten Arbeitsplätze sowie die allgemeine Sicherheit sind Gegenstand von ungelösten und brisanten Fragen. Selbstverständlich gab auch das brennende lokale Thema betreffend der Umfahrung Ottenbach und Obfelden zu Diskussionen Anlass. Die anwesenden Kantonsräte wurden von Passanten aufgefordert, dem Strassenprojekt zuzustimmen. Unterschiedliche Antworten und zum Teil ziemlich umfangreiche Erklärungen ergaben sich auf eine Frage bei der ein klares Ja oder Nein genügt hätte. «Steht auf ihrem Wahlzettel zur Ständeratswahl der Name Christoph Blocher?», hiess die für die Kandidaten schwierige Frage.
Der Präsident der Zürcher FDP, Beat Walti, zögerte keine Sekunde, während Carmen Walker Späh denn doch etwas zögerte. Ihre Aussagen waren letztlich aber unmissverständlich: Auf ihrem Stimmzettel werde der Name Blocher fehlen. Filippo Leutenegger und Markus Hutter hingegen befürworten eine ungeteilte Standesstimme und geben dem SVP-Mann ihre Stimme.
Auch wenn für einige der jungen und ganz jungen Besucher der Wahlveranstaltung das Interesse an den offerierten Grillwürsten grösser als das Wahlverhalten der Kandidatinnen und Kandidaten war, die Wahlaktion der FDP auf dem Platz im Zentrum Oberdorf in Affoltern fand grosse Aufmerksamkeit.


