Mobilität – Fluch und Segen zugleich

Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft: «Wem gehört die Strasse?»

Scheidende Mitglieder und ihre Nachfolger in der Redaktionsgruppe (von links): Markus Hintermann, René Tobler, Hannes Zaugg, Hans-Ulrich Meier, Fredi Räber und GGA-Vizepräsidentin Iris Geissbühler.  (Bild Werner Schneiter)
Scheidende Mitglieder und ihre Nachfolger in der Redaktionsgruppe (von links): Markus Hintermann, René Tobler, Hannes Zaugg, Hans-Ulrich Meier, Fredi Räber und GGA-Vizepräsidentin Iris Geissbühler. (Bild Werner Schneiter)

Von den Anfängen bis zur modernen Mobilität handelt das Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks (GGA). «Wem gehört die Strasse?» lautet der Titel der Broschüre, die den Abschluss einer Trilogie bildet.

Während sich die ersten beiden Blätter mit den historischen Verkehrswegen und der Geschichte des Postautos im Säuliamt befassten, geht die jüngste Ausgabe der Frage nach, wem die Strasse gehört – ein umstrittenes Thema und bisweilen Gegenstand hitziger Diskussionen. Auch im Bezirk Affoltern. Dazu werden im Neujahrsblatt auf rund 60 Seiten aufschlussreiche Texte, Fakten, Zahlen und Grafiken geliefert – Historisches und Zeitnahes, aber auch Dinge, über die man schmunzeln kann.

Noch nie bot die moderne Mobilität eine so hohe Qualität und ein derart umfassendes Angebot: beim ÖV, beim Individualverkehr, beim Velo- und Fussverkehr. Planung und Bau sind ausgeklügelt und nehmen Rücksicht auf alle Verkehrsteilnehmenden, auch auf die Nicht-Mobilen. «Mobilität ermöglicht Begegnungen, Teilnahme am Gesellschaftsleben. Sie ist Grundpfeiler des Wohlstandes», sagte Mitautor Fredi Räber anlässlich des traditionellen GGA-Apéros im Mehrzweckraum des Spitals Affoltern. Mobilität bringe zwar Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung, habe aber natürlich Schattenseiten: Lärm, Stau, Abgase, Platzknappheit. Kaum ein anderes Thema bewege die Gemüter stärker, wenn es um Verkehrsfragen gehe: Wem steht da welcher Platz im Strassenraum zu – eine Frage, die stets neu ausgehandelt werden müsse, so Räber. Konflikte sind dabei unvermeidbar. So werden in Birsfelden Autofahrer mit 100 Franken gebüsst, wenn sie in einer bestimmten Zeit durch Quartiere statt auf der Autobahn fahren. Und in Cham kamen bei Verkehrskontrollen in der Nähe von Schulhäusern innert sechs Wochen 20000 Franken an Bussen zusammen.

Tuning vor 100 Jahren

Das Thema beschäftigte schon in früheren Jahren stark. Staubentwicklung durch Autoverkehr auf ungeteerten Strassen war ein vorherrschendes Thema, aber auch Bauern, die deswegen mit Mistgabeln auf Automobilisten losgingen. Bis 1925 herrschte im Kanton Graubünden ein komplettes Automobilverbot. 1933 gab es in der Schweiz erstmals Verkehrsunterricht, aber noch kein Tempolimit. 1923 waren im Kanton Zürich 2733 Personenwagen eingelöst, und fast exakt so viele sind es heute allein in Bonstetten. 1924 rief der ACS in einem Inserat dazu auf, Auspuffrohre «insbesondere an Sonntagen» zu schliessen, um bewusst laut zu fahren. Tuning der ersten Stunde … 1932 empfahl der TCS den Radfahrenden: «Beachtet die Automobilisten mit Sympathie, denn unter ihnen findet ihr viele Freunde.»

Das Neujahrsblatt liefert weitere Trouvaillen, etwa ein Verbot in der Mettmenstetter Polizeiverordnung von 1923 unter Abschnitt 13: «Das Lernen und Üben im Velo- und Motorradfahren innerhalb der Ortschaften, ebenso das unnötige Velofahren der schulpflichtigen Jugend auf verkehrsreichen Strassen und Plätzen und Herumschwärmen und Herumstehen von Kindern unter 16 Jahren im Freien nach Einbruch der Dämmerung.» Fredi Räber schloss seinen Exkurs durch die Verkehrsgeschichte mit einem Gedicht von Erich Kästner «Im Auto über Land», das vor dem Zweiten Weltkrieg entstand.

Das Neujahrsblatt «Wem gehört die Strasse?» ist der letzte Teil der Trilogie «Mobilität im Knonauer Amt». Es kann bei der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern oder bei der GGA bezogen werden: info@ggaffoltern.ch

Wechsel in der Redaktionsgruppe

Der Neujahrsanlass der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks (GGA) bot Gelegenheit, die Arbeit von Rolf Oberhänsli in der Redaktionsgruppe zu würdigen. Er verstarb am 15. Februar 2025. «Wir haben einen liebenswürdigen, feinfühligen und schreibfreudigen Kameraden verloren. Er hat als eine Art Chefredaktor unser Team zielstrebig auf Kurs gehalten und äusserst präzis gearbeitet», sagte Fredi Räber von der Redaktionsgruppe, die nun mit Hannes Zaugg einen kompetenten Nachfolger gefunden hat. Es kommt da aber zu weiteren Wechseln: Fredi Räber und Hans-Ulrich Meier haben ihre Rücktritte bekanntgegeben; sie wurden für Verdienste mit kleinen Geschenken und grossem Applaus verabschiedet. Nachfolger sind René Tobler und Markus Hintermann. Stark applaudiert wurde aber auch der Ämtler Pianistin Lina Schwob. Sie hat die Veranstaltung musikalisch umrahmt.

Mitgliederzahl stagniert

Nach den Worten von Vizepräsidentin Iris Geissbühler hat die GGA ein intensives Jubiläumsjahr 2025 hinter sich. Das 200-jährige Bestehen wurde mit zahlreichen Spezialanlässen gefeiert – mit bleibenden Werten: etwa den zehn Picknick-Garnituren, die in Gemeinden zum Verweilen einladen. Oder der neuen Tafel am Hexengraben am Türlersee, die auf die traurige Geschichte von Hexenverbrennungen im Säuliamt aufmerksam macht.

Trotz Jubiläum hat die GGA ihre Mitgliederzahl nicht wesentlich steigern können; sie verharrt bei etwa 600. Trotzdem sei der Leitgedanke der GGA nach wie vor richtig und wichtig, etwa das Schaffen von Begegnungen und Projekten in den Bereichen Soziales, Kultur, Bildung und Umwelt – dazu die Stärkung von Gemeinsinn, um der Vereinsamung zu begegnen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, so Iris Geissbühler. Sie kündigte für den Herbst 2026 zwei Kunstausstellungen im Kasino Affoltern an, dazu gibt es Vorträge der Volkshochschule und einen kulturellen Ausflug.

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