«Qualität und Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch»

Spital Affoltern mit tiefsten Fallkosten: CEO Irene Christen erklärt, wie es dazu kam

Effizient unterwegs: Das Spital Affoltern hat 2025 die tiefsten Fallkosten der Zürcher Notfallspitäler. (Bild Archiv)

Effizient unterwegs: Das Spital Affoltern hat 2025 die tiefsten Fallkosten der Zürcher Notfallspitäler. (Bild Archiv)

Der Kanton Zürich hat die Fallkosten der Zürcher Spitäler für das Jahr 2025 veröffentlicht. Unter den Akutspitälern mit Notfallstation weist das Spital Affoltern die tiefsten schweregradbereinigten Fallkosten aus. CEO Irene Christen sieht darin das Ergebnis einer Entwicklung über mehrere Jahre. Den Erfolg schreibt sie vor allem den Mitarbeitenden zu. Im Interview erklärt sie, welche Massnahmen gewirkt haben, wie das Spital die Qualität sichert und warum das Resultat keine Garantie für die Zukunft ist.

Das Spital Affoltern weist neu die tiefsten Fallkosten aller Zürcher Akutspitäler mit Notfallstation aus. Was waren die entscheidenden Gründe für dieses Ergebnis?

Irene Christen: Wir freuen uns sehr über das Ergebnis. Dahinter steht eine Entwicklung über mehrere Jahre. Wir haben unser Leistungsangebot klarer ausgerichtet, Kosten und Abläufe konsequent gesteuert und unsere medizinischen Schwerpunkte gestärkt. Möglich war das dank des grossen Einsatzes unserer Mitarbeitenden.

Welche konkreten Massnahmen haben in den vergangenen Jahren den grössten Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet?

Besonders wichtig waren die klare Ausrichtung auf Altersmedizin, Palliative Care und Psychiatrie, die Überprüfung unseres ambulanten Angebots sowie eine engere operative Steuerung. Ebenso trägt der stetige Ausbau der Betten, basierend auf der hohen Nachfrage mit der demografischen Veränderung, dazu bei. Welchen Anteil einzelne Massnahmen am Rückgang der ausgewiesenen Fallkosten hatten, lässt sich allerdings nicht im Detail einzeln beziffern.

Der Kanton nennt eine hohe Auslastung und Prozessoptimierungen als Hauptgründe für sinkende Fallkosten. Trifft das auch auf das Spital Affoltern zu?

Ja, eine hohe Auslastung ist sicherlich ein wichtiger Faktor. Ebenso ist es wichtig, eine gewisse Grösse in den einzelnen Bereichen vorzuweisen, sodass die übergeordneten Kosten sich optimaler verteilen und Synergien sich abzeichnen. Und die Prozessoptimierung ist in einem komplexen System eines Spitals zentral – das ist nie abgeschlossen. Auch wir sind dran.

Tiefe Fallkosten sind erfreulich – wie stellen Sie sicher, dass darunter weder die Behandlungsqualität noch die Patientensicherheit leiden?

Die Behandlungsqualität und -sicherheit muss immer mit an oberster Stelle stehen. Dazu machen wir Qualitätsmessungen und werten Patientenrückmeldungen systematisch aus. Es zeigt sich, dass gute Behandlungsqualität mit wirtschaftlichem Erfolg einhergeht. Aus meiner Sicht sind diese zwei Faktoren nicht im Widerspruch. Denn gut behandelte Patienten empfehlen uns weiter, dies führt zu einer guten Auslastung und zu einer guten Wirtschaftlichkeit.

Welche Rolle haben die Mitarbeitenden bei diesem Erfolg gespielt?

Eine entscheidende. Ich würde sogar sagen, der Erfolg gehört den Mitarbeitenden. Gute Abläufe entstehen dort, wo Ärztinnen und Ärzte, Pflege und weitere Bereiche täglich zusammenarbeiten und optimieren. Ebenso ist der Erfolg nur machbar, wenn Mitarbeitende bei Lücken einspringen und aushelfen, damit wir weder Betten reduzieren müssen noch externe Fachkräfte teuer dazuholen müssen. Dies ist nicht immer einfach und erfordert viel Motivation und Einsatz vom Spitalpersonal.

Spüren die Patientinnen und Patienten diese Effizienz im Alltag – beispielsweise durch kürzere Wartezeiten oder bessere Abläufe?

Wir hoffen dies natürlich. Aber tiefe Fallkosten lassen keine Aussage ableiten zu Wartezeiten oder erlebter Effizienz. Dazu müssen die spezifischen Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten betrachtet werden.

Ist dieses Resultat nachhaltig oder war 2025 ein aussergewöhnliches Jahr? Wo sehen Sie weiteres Verbesserungspotenzial?

Wir sehen eine Tendenz über die letzten Jahre, was uns sehr stolz macht und ein Zeichen ist, dass das Spital Affoltern auf dem richtigen Weg ist. Es ist aber keine Garantie für die Zukunft. Wir bleiben weiter dran, Schnittstellen und Prozesse zu optimieren. Gleichzeitig müssen wir auch in Personal, IT und Infrastruktur investieren, um nachhaltig auf dem Spitalmarkt tätig zu sein. Es ist immer ein Balance-Akt.

Was bedeutet dieser Spitzenplatz für die Bevölkerung im Knonauer Amt? Warum sollte es die Menschen freuen, dass ihr Regionalspital die tiefsten Fallkosten im Kanton aufweist?

Die Menschen im Knonauer Amt sollen sich darauf verlassen können, dass ihr Spital gute Versorgung in der Nähe bietet und verantwortungsvoll mit den verfügbaren Mitteln umgeht. Das Spital Affoltern will für die Bevölkerung da sein – mit effizienter Leistung und guter Qualität.

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