Sommerflor oder Satellitenschüsseln
Während bei neuen Mehrfamilienhäusern Blumenkisten an den Balkongeländern oft generell verboten sind, verzieren zunehmend Parabolantennen die Hausfassaden. Auch die Blumensorten für das Balkongeländer haben sich gewandelt.
In den Dörfern im Säuliamt findet man zahlreiche prächtige Bauernhäuser, Riegelbauten und Einfamilienhäuser, die ihre Fassaden und Balkone mit einem Blumenmeer schmücken. Doch in neueren Überbauungen und bei modernen Neubauten herrscht oft graues Glas- und Beton-Einerlei. Bei Siedlungen aus den 70er- und 80er-Jahren besteht die Möblierung der Balkone zunehmend aus Wäscheständern, Abfallsäcken und Parabolantennen.
Die roten und weissen Geranien oder «Durchblüher», wie sie der Fachmann auch nennt, sind ein eigentliches Markenzeichen aus Gotthelfs Zeiten. Kein Bauer mit einem stattlichen Bauernhaus im Emmental der etwas auf sich hielt, verzichtete auf Blumenschmuck mit den Pelargonien, wie die Pflanze aus der Familie der Storchenschnabelgewächse botanisch richtig heisst. Arthur Küng, Inhaber des Gartencenters Guggenbühl in Bonstetten bestätigt denn auch, dass sich vor 30 Jahren die Auswahl der Balkonpflanzen praktisch ausschliesslich auf die Geranien bezog. Über längere Zeit sei der Verkauf der Geranien zurückgegangen und erst in jüngster Zeit sei wieder ein Trend zur altbekannten Balkonpflanze zu bemerken. Die Auswahl von Sommerflor sei jedoch heute gegenüber früheren Zeiten enorm.
«Blumenkistli» an Balkongeländern nicht überall erwünscht
Auch Peter Schneebeli, Chef des Pflanzencenters und Blumengeschäfts an der Unteren Bahnhofstrasse in Affoltern bestätigt die Veränderungen in Sachen Sommerflor. Das Angebot an Balkonpflanzen ist auch in seinem Geschäft riesig. Ausser den altbekannten und bodenständigen Geranien hätten andere «Dauerblüher» extrem an Bedeutung gewonnen, weiss der Gärtnermeister. So habe in den letzten Jahren die Dipladenia mit ihren üppigen Blüten in Rot, Rosa, Weiss oder Gelb die Terrassen- und Balkonbrüstungen regelrecht erobert.
Ganz generell bestätigen Pflanzen- und Gartenfachleute, dass die klassische Balkonkistenbepflanzung massiv zurückgegangen sei. Einerseits würde bei vielen modernen Neubauten das Anbringen von Blumenkisten gar nicht mehr möglich sein, andererseits würden viele Hausbesitzer oder Verwaltungen Blumen an den Balkongeländern verbieten. Mit einem Verbot können bei den Mietern Reklamationen und Streitereien vermieden werden.
Die Gartencenter profitieren jedoch von einem weiteren Trend, der in den letzten Jahren extrem an Bedeutung gewonnen hat: Die modernen Bauten weisen vermehrt grosse Terrassen oder Balkone auf. Diese Flächen werden in den wärmeren Jahreszeiten vielfach als zusätzlicher Wohnraum genutzt und entsprechend mit allerlei Pflanzen begrünt.






