Wachstums-Herausforderungen in Wettswil
In der Unteramts-Gemeinde blickt man mit Optimismus in die Zukunft
Wettswil hat wohl eine der beeindruckendsten Wachstumsgeschichten des gesamten Kantons vorzuweisen; von gerade einmal 380 Einwohnern im Jahr 1950 stieg die Bewohnerschaft auf mittlerweile fast fünfeinhalbtausend. Obschon die Bevölkerungszahl heute in weitaus kleinerem Umfang ansteigt als in den 1960er- und 1970er-Jahren, das Thema bleibt aktuell.
Wettswil bildet zusammen mit Bonstetten und Stallikon die Region Unteramt innerhalb des Bezirks Affoltern. Vor einem Dreivierteljahrhundert noch ein Bauerndorf, hat sich die Gemeinde vor allem in den Jahren zwischen 1950 und 1980 in einem Tempo entwickelt, bei dem man angesichts der Zahlen als Ortsfremder fast zwingend annehmen müsste, dass die solchermassen gewachsene Gemeinde heute von grauen Satellitenstädten und weitgehender Anonymität geprägt sein müsste. Ein derartiges Szenario ist in Wettswil jedoch nicht eingetroffen, die Siedlungsstruktur wirkt trotz der zahlreichen Neubauten aus den vergangenen Jahrzehnten noch immer dörflich, der Umgang im Alltag ist verbindlich und menschlich geblieben. Die Kombination aus diesem guten Miteinander, der privilegierten, sonnigen Lage am Westhang des Ettenbergs und der hervorragenden Anbindung an die Stadt Zürich – hervorzuheben ist hier vor allem der 2009 eröffnete Uetlibergtunnel der Autobahn A3 – macht Wettswil heute mehr denn je attraktiv für Neuzuzüger. Einem weiteren, ungebremsten Wachstum sind aber insofern Grenzen gesetzt, dass die Baulandreserven stetig abnehmen und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum heute vorwiegend punktuell geschieht.
Künftiges Quartier Weierächer-Grabmatten ist ein grosses Thema
Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Erschliessung und Bebauung einer grossen Baulandreserve, die sich in der Ebene westlich des Gemeindezentrums befindet, ein dominierendes Thema in Wettswil ist. «Der Bau und die Auswirkungen des künftigen Quartiers Weierächer-Grabmatten sind sicher etwas, was unsere Gemeinde in den nächsten Jahren weiter in Atem halten wird», bestätigt auch Gemeindeschreiber Dominik Pfefferli. Seiner Einschätzung nach bietet dieses Landstück, das seit 1995 als Bauland eingezont ist, ein erhebliches Entwicklungspotenzial. Schätzungsweise tausend zusätzliche Einwohner wird dieser noch zu entwickelnde Gemeindeteil Wettswil bringen. Einen Knackpunkt stellt die Erschliessung des neuen Quartiers dar; sie sorgt bei den betroffenen Grundeigentümern für Diskussionen, was wiederum zu einer Initiative und dadurch schliesslich zu einer Volksabstimmung geführt hat. Bei besagter Urnenabstimmung im November 2025 hat der Souverän entschieden, die Nutzungsplanung so zu revidieren, dass eine Erschliessung via Lenggenweg möglich wird. Diese Planung wird zurzeit ausgearbeitet und danach im Detail erneut dem Stimmvolk vorgelegt. Sowohl für das Grossprojekt Weierächer-Grabmatten als auch für weitere Bauvorhaben in der Zukunft ist Wettswil gut gerüstet. Ende Oktober des abgelaufenen Jahres informierte die Gemeinde im Aegertensaal über die Teilrevision der Wettswiler Bau- und Zonenordnung. Die geltende BZO aus dem Jahr 1995 muss in erster Linie vor dem Hintergrund einer kantonalen Harmonisierung sowie wegen der durch den Klimawandel geänderten Bedingungen angepasst werden. Dieses Vorhaben wird voraussichtlich im Verlauf des nun begonnenen Jahres abgeschlossen sein. Das Ressort Tiefbau und Werke hat sich für die nächsten Jahre ebenfalls viel vorgenommen, hier geht es unter anderem um die Umsetzung des eigenen Energieleitbildes, um die Revitalisierung von Bächen sowie die Erneuerung von Strassen und Leitungen.
Ruhigere Phase beim Wachstum der Schülerzahlen
Wettswil verfügt über ein heute nur noch relativ selten angewandtes System der Trennung von politischer Gemeinde und Schulgemeinden. Während im übrigen Kanton Zürich mittlerweile viele politische Gemeinden schulische Aufgaben übernommen haben und als sogenannte Einheitsgemeinden fungieren, ist in Wettswil die Primarschulgemeinde Wettswil für die Unter- und Mittelstufe verantwortlich, für die nicht gymnasiale Oberstufe die Sekundarschulgemeinde Bonstetten. Letztere teilt sich Wettswil mit den anderen Unteramts-Gemeinden Bonstetten und Stallikon. Diese Aufteilung bedingt, dass dreierlei Gemeindeversammlungen abgehalten werden und auch der Wettswiler Steuerfuss sich aus der Summe von drei Komponenten zusammensetzt. An der Gemeindeversammlung der Primarschulgemeinde Wettswil am 8. Dezember (durchgeführt im Anschluss an die Versammlung der politischen Gemeinde) hat der Souverän den Weg freigemacht für umfangreiche bauliche Sanierungen am Schulhaus Mettlen 1 sowie an der Schulanlage Wolfetsloh. Beim Wachstum der Schülerzahlen zeichnet sich in Folge des Geburtenrückgangs vorübergehend eine ruhigere Phase ab, diese möchte man für die Umsetzung dieser Bauvorhaben nutzen.
Gute Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden beim Sozialen
Im Gesundheitsbereich ist auch Wettswil mit den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft konfrontiert, was sich unter anderem in einem Kostenwachstum zeigt. Um in diesem Bereich – ein Stichwort ist hier auch der Ärztemangel – gute Lösungen zu finden, bringt sich Wettswil in diversen gemeindeübergreifenden Arbeitsgruppen mit ein. Zusätzlich gibt es eine Alterskommission, die sich bewährt hat und laut Gemeindeschreiber Dominik Pfefferli sicher weitergeführt werden soll. Eine Schwierigkeit topografischer Natur sind die vielen Steigungen im Siedlungsgebiet, die älteren Personen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu schaffen machen. Deshalb bleibt der Ausbau der Bushaltestellen des Ortsbusses wichtig. Ausserdem bleibt es überaus herausfordernd, genügend altersgerechten oder günstigen Wohnraum zu finden. Im Ressort Soziales ist der Bereich wirtschaftliche Hilfe in den Sozialdienst Unteramt ausgelagert, dieser hat kürzlich seine Räumlichkeiten im neuen Mehrzweckgebäude Heumoos in Bonstetten bezogen. Die Zunahme der Verfahrenszahlen bei der Kesb, die in jüngster Zeit im ganzen Bezirk festzustellen ist, beschäftigt auch Wettswil. Eine grosse Solidarität in der Bevölkerung ist im Asylbereich festzustellen, was die sehr herausfordernde Suche nach Wohnraum erleichtert. Im Moment beherbergt die Gemeinde gut 80 Asylsuchende. Die Fallführung wird im Asylwesen vom Sozialdienst Bezirk Affoltern übernommen. Kulturell ist Wettswil unter anderem durch den ansässigen Kulturverein Kultur8907 sehr gut aufgestellt, das Engagement des Vereins bedeutet ein breites Angebot an Kulturveranstaltungen bei gleichzeitiger Entlastung der Gemeinde.
Bei den Erneuerungswahlen ist Kontinuität angesagt
In den anstehenden Wahlen ist in Wettswil Kontinuität angesagt: Die seit 2018 als Gemeindepräsidentin im Amt stehende Katrin Röthlisberger (FDP) wird ohne Gegenkandidierenden erneut antreten, und auch die übrigen Gemeinderatsmitglieder stellen sich wieder zur Wahl. Eine Ausnahme bildet der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ausgeschiedene Fritz Kurt; für seine Nachfolge kandidieren Reto Hitz (FDP) und Roman Ackermann (parteilos).










