Sinnesgarten mit Barfusspfad
Sommerferien-Erlebnis für Jung und Alt im Seleger Moor
Mit dem Ende der Rhododendronblüte lässt der Besucherstrom im Seleger Moor nach, und es wird ruhiger. Eine gute Gelegenheit, den vielseitigen Park mit allen Sinnen bewusst wahrzunehmen. Dazu lädt der Sinnesgarten mit seinem rund 300 Meter langen, gewundenen Rundgang ein. Die Augen erfassen Formen und Farben, die Ohren lauschen dem Gesang der Vögel sowie den Schmatz- und Gurgelgeräuschen des Morasts. Mit den Händen ertastet man Baumrinden, Blätter, Nadeln, Zapfen, Holz, Stein, Erde und Moos, und mit den Füssen nimmt man die Beschaffenheit, Temperatur, Struktur und Feuchtigkeit des Bodens wahr.
«Seit seiner Eröffnung im Juli 2024 hat sich der Barfussweg als grosser Erfolg erwiesen. Die Anlage wird von Familien, Kindern, Wellness-affinen Gästen sowie Naturliebhaberinnen und Naturliebhabern gleichermassen geschätzt und hat sich in kurzer Zeit zu einem der beliebtesten neuen Erlebnisorte im Park Seleger Moor entwickelt», erklärt Michaela Schild, Umweltwissenschafterin ETH und Geschäftsführerin des Parks Seleger Moor.
Schaudernd durchs Moor waten
Mit Moorlandschaften verbindet man oft etwas Unheimliches: Einsamkeit, Stille, Nebel und gedämpfte Geräusche. Der sumpfige, weiche Boden lässt an das Versinken im Moor denken – bis hin zu den sagenumwobenen Moorleichen. Moore sind seit Jahrhunderten Schauplätze von Märchen, Sagen, Erzählungen und Krimis. Sie gelten als geheimnisvolle Orte zwischen Leben und Tod.
Moorgewässer sind oft braun oder schwarz gefärbt, weil sie viele Huminstoffe enthalten. Ihre Tiefe lässt sich kaum abschätzen. Skurrile Baumstämme beflügeln die Fantasie, und in vielen Kulturen erzählen Geschichten von Irrlichtern, Geistern oder geheimnisvollen Wesen, die im Moor leben.
Tatsächlich sind Moore jedoch faszinierende und ökologisch bedeutende Lebensräume. Sie speichern grosse Mengen Kohlenstoff, filtern Wasser und bieten seltenen Pflanzen und Tieren einen einzigartigen Lebensraum.
Das Rifferswiler Moor hat eine bewegte Geschichte. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurde hier Torf gestochen. Der Torf diente als Brennmaterial. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs erreichte der Torfabbau seinen Höhepunkt, da fossile Brennstoffe knapp waren. Damals mussten auch Kinder beim Torfstechen mithelfen. Im Park Seleger Moor erinnern zwei Loren an diese Zeit.
Gerade mit Kindern macht es Spass, den Besuch des Barfusswegs mit Moorgeschichten und Informationen über den Torfabbau zu verbinden. Idealerweise findet der Besuch nach einem Regentag statt, damit der Morast schön schmatzt. Ideal sind der frühe Morgen, der Abend, idealerweise sogar bei Nebel. Ein Ferienerlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.
Der Gesundheit zuliebe
Barfusspfade sind gesund. Das Gehen über unterschiedliche Untergründe wie Kies, Sand, Holz, Rinde und Morast beansprucht zahlreiche Muskeln im Fuss. Unregelmässige Untergründe fordern den Gleichgewichtssinn heraus, wovon insbesondere ältere Menschen profitieren: Koordination, Reaktionsfähigkeit und Balance werden trainiert.
Die wechselnden Druckreize und Bewegungen regen die Durchblutung der Füsse an. Viele Menschen empfinden ihre Füsse danach als angenehm warm und locker. Die Vielzahl unterschiedlicher Reize aktiviert die Nervenenden in den Fusssohlen. Das kann Stress abbauen, die Achtsamkeit fördern und entspannend wirken. Der Aufenthalt in der Natur verstärkt diesen Effekt zusätzlich.
Michaela Schild erklärt: «Im Sinnesgarten mit Barfussweg wird der Park mit dem ganzen Körper erfahrbar. Hier erkennt man, dass Natur nicht nur schön, sondern auch wohltuend ist. Wer barfuss geht, verlangsamt automatisch sein Tempo. Man achtet auf jeden Schritt, spürt Temperatur, Struktur und Feuchtigkeit des Bodens und nimmt die Umgebung intensiver wahr. Der Barfussweg wird so zu einem kleinen Gegenentwurf zum hektischen Alltag.»
Man kann auch den ganzen Parkbesuch ohne Schuhe an den Füssen erleben. Arzt und Naturheiler Sebastian Kneipp hätte seine Freude daran.
Das Überleben sichern
«Der Park Seleger Moor steht vor der Herausforderung, dass zwar rund 50000 Personen den Park jährlich besuchen, ein Grossteil davon jedoch während der etwa sechs Wochen dauernden Rhododendron-Hochblüte zwischen Ende April und Anfang Juni», erläutert Michaela Schild. Sie und ihr Team begegnen dieser Herausforderung mit zahlreichen Ideen, grosser Motivation und viel Engagement. Zur Mitfinanzierung übernimmt das Gärtnerteam auch Aufträge für externe Einsätze. Zudem finden das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen statt – von Führungen und Kinderanlässen über begleitetes Waldbaden und Sonntagsbrunchs bis hin zu Tanzkursen und Konzerten.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Park vom reinen Blütengarten zu einem vielseitigen Erlebnispark entwickelt. Heute ist er Naherholungsgebiet, Bildungsort, Kunstgalerie, Kursraum, Konzertkulisse, Gärtnerei mit Pflanzenverkauf, Begegnungsort mit Outdoor-Restaurant, Tierpark mit Vögeln, Schmetterlingen und Wasserlebewesen, Spielplatz, Spazierlandschaft, Arboretum, Farngarten – und vieles mehr.
Die Seleger-Moor-Stiftung setzt sich als gemeinnützige Trägerin für den langfristigen Erhalt und die Pflege des Parks Seleger Moor ein. Um diesen besonderen Natur- und Kulturschatz im Knonauer Amt zu bewahren und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu halten, ist sie auf Spenden angewiesen. Zusätzliche Einnahmen erzielt sie mit Baumpatenschaften sowie dem Verkauf von Pflanzen, Gutscheinen und weiteren Artikeln. Auch für Firmenanlässe empfiehlt sich der Park.
Wer den Park das ganze Jahr über als persönliches Naherholungsgebiet – und insbesondere den Barfussweg – nutzen möchte, kann eine Saisonkarte zu moderatem Preis erwerben. Mit einem Lächeln meint Michaela Schild: «Viele merken erst beim Begehen des Barfusswegs, wie gut es tut, wieder einmal direkt mit der Erde in Berührung zu kommen.»














