«Meine Entscheidung für diesen Beruf war schnell gefallen»
Serie «Start ins Berufsleben»: Hamza Husicic lernt bei der Migros Affoltern Detailhandelsfachmann EFZ
Es ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass er Lernender ist, wenn Hamza Husicic mit geübter Hand in der Migros-Filiale im Zentrum Oberdorf in Affoltern anpackt. Nicht nur seine Dienstkleidung weist ihn als vollwertiges Mitglied des Teams aus, auch die gut eingespielte Zusammenarbeit mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lässt ihn trotz seines jugendlichen Alters als Routinier erscheinen. «Vor einer halben Stunde kam eine Lieferung, der Fachleiter Food hat alles abgeladen, und jetzt sind wir daran, die frische Ware in die Regale einzuräumen», erklärt der 16-Jährige bei der Begrüssung im Eingangsbereich der Filiale, sie ist in der Migros-Grösseneinteilung als «MM» deklariert. Er fange am Morgen immer bereits um sieben Uhr an, erklärt der Lernende, da könne man besonders speditiv arbeiten, ohne der Kundschaft im Weg zu sein. Hamza Husicic befindet sich im ersten Lehrjahr seiner dreijährigen Ausbildung als Detailhandelsfachmann EFZ mit Schwerpunkt Lebensmittel. «Ich weiss schon von allen drei Lehrjahren, wann ich in welcher Sparte eingeteilt sein werde», so der junge Berufsmann. Mit einem Ausdruck von Vorfreude zeigt er seinen Ausbildungsplan, darauf sind die Monate farbig unterlegt und die dann für ihn aktuellen Produktkategorien zu sehen. Angefangen hat sein Weg im August dieses Jahres bei den Molkereiartikeln, mittlerweile befindet er sich bei «Food allgemein», bevor dann im März der Kassenkurs beginnt.
Begeisterung für den Detailhandel liegt bei ihm in der Familie
Hamza Husicic ist im Kanton Zug aufgewachsen, seit Januar 2025 lebt die Familie in Mettmenstetten. «Ich sah die Lehrstelle bei der Migros Affoltern auf dem Berufsbildungsportal Yousty.ch im Internet, ich wollte in die Migros, denn ich bin ein Migros-Kind», sagt der Lernende mit Überzeugung.
Kamen dennoch auch andere Berufe oder Branchen bei ihm in die engere Wahl? «Ich wollte als Kind Polizist werden», erinnert sich der angehende Detailhandelsfachmann. Später habe er dann aber keinen so spezifischen Berufswunsch mehr gehabt, blickt der ehemalige Schüler der Sekundarschule Stufe B zurück. Er sei sehr gerne zur Schule gegangen und habe auch gute Noten nach Hause gebracht. Im zweiten Schuljahr der Oberstufe in Baar sei es dann im Rahmen eines Zukunftstages darum gegangen, in einen Betrieb hineinzuschnuppern. «Ich erhielt die Gelegenheit, beim Discounter Lidl hinter die Kulissen zu blicken, meine Mutter arbeitet bei diesem Unternehmen», so Hamza Husicic. Sein Interesse an der Detailhandelsbranche sei da geweckt worden.
Eine weitere Schnupperlehre bei der Migros Metalli in Zug habe dann endgültig den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben, diesen Berufsweg einschlagen zu wollen. Zwei Tage nach dem zweiten Schnuppern beim «orangen Riesen» (nun in der Migros-Filiale Affoltern) habe er bereits die Zusage für eine Lehrstelle erhalten. Auch sein Zwillingsbruder ist in die mütterlichen Fussstapfen getreten und absolviert eine Detailhandelslehre bei Coop in Zug.
Nicht nur das Fachwissen, auch die Kommunikationsfähigkeit zählt
Wie bei der dualen Ausbildung üblich, besucht der Lernende neben seiner Arbeit bei der Migros an anderthalb Tagen pro Woche die Berufsschule in Zürich. Auf dem Stundenplan stehen einerseits branchenspezifische Fächer sowie Handlungskompetenz, andererseits aber auch Allgemeinbildung und Englisch. Für den zweisprachig aufgewachsenen jungen Mann, der in der Schweiz geboren wurde, dessen Eltern aber ursprünglich aus Bosnien stammen, bedeutet der Unterricht in einer weiteren Fremdsprache noch grössere Möglichkeiten, sich beruflich und privat in jeder Situation angemessen verständigen zu können.
Was muss man wissen, wenn man sich für eine Lehre als Detailhandelsfachmann beziehungsweise Detailhandelsfrau interessiert? «Man muss offen, zuverlässig, ordentlich und freundlich sein sowie den Kundenkontakt lieben», antwortet der Lernende. Personen, die am liebsten ständig für sich alleine am Computer arbeiteten oder ein besonderes Flair fürs Handwerkliche hätten, würde er eher davon abraten. Der Kontakt mit der Kundschaft sei ein wichtiger Aspekt in seinem Beruf, schliesslich gehöre es auch dazu, etwa an der Fleischtheke fachlich kompetent Auskunft zu erteilen und bei Kundenwünschen beraten zu können. Eine gewisse körperliche Robustheit sei sicher auch von Vorteil, schliesslich müsse man für Arbeiten im Tiefkühlraum auch mal im Sommer in die dicke Jacke schlüpfen und sich Minusgraden aussetzen.
«Junge Leute bringen erstaunliche Kompetenzen mit»
Marigona Ismajlaj ist die Berufsbildnerin für Hamza Husicic. «Er zeigt viel Interesse in jedem Bereich, das ist toll für alle Beteiligten», weiss sie zu berichten. Auch rufe die Fähigkeit seiner Generation, sich blitzschnell in neue Technologien einzuarbeiten, bei ihr mitunter wahre Bewunderung hervor. «Ich selbst bin Jahrgang 1992, man merkt schon, dass die Jüngeren da noch anderes mitbringen, sie tun sich viel einfacher damit, mit diesen Dingen umzugehen. Wir profitieren davon alle mit», lautet ihr Fazit. Das Durchlaufen verschiedener Abteilungen bei der Arbeit biete für den Berufsnachwuchs auch die Chance, verschiedene Menschentypen kennenzulernen und im Umgang mit ihnen souverän zu werden.
Auch Filialleiter Yves Brunner ist das Zwischenmenschliche bei der Ausbildung der Lernenden wichtig: «Ich bilde sehr gerne junge Leute aus und versuche, das Beste für sie zu erreichen», betont er. «Die Ausbildung soll einen Mehrwert für sie bringen und auch schöne Erinnerungen für später, denn Arbeit ist schliesslich ein wesentlicher Teil im Leben.» Jede und jeder Lernende mache einmal pro Semester eine Produktpräsentation, es sei dabei eine freie Entscheidung, welches Produkt oder welche Produktgruppe man vorstelle. Aus der Komfortzone herauskommen, auf die Kunden zugehen, dies helfe nicht nur im Arbeitsalltag, sondern sei auch eine gute Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung. In der Migros-Filiale Affoltern seien momentan sechs Lernende in verschiedenen Lehrjahren in Ausbildung, bei der Migros Zürich insgesamt 146 Detailhandelslernende (dreijährige Ausbildung EFZ und zweijährige Ausbildung EBA). Die Erfolgsquote bei der Lehrabschlussprüfung liege bei 98 Prozent.
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Prozent ist die Erfolgsquote bei
der Lehrabschluss-
prüfung.
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Lernende sind momentan in der Migros-Filiale Affoltern in Ausbildung.
146
Detailhandelsler-
nende bildet die
Migros Zürich momentan aus.








