«In meinem Studium bin ich gerne nah an der Praxis»
Sophia Krähenmann studiert Biomedizinische Technik und hat eine Auszeichnung erhalten

Die Naturwissenschaften haben in der Schweiz ein Nachwuchsproblem. Zu wenig Studierende entscheiden sich für ein MINT-Fach, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Die Schweizerische Studienstiftung fördert daher unter anderem Studierende, die sich mit Begeisterung für die Verbreitung der MINT-Fächer engagieren. Zudem erhalten jedes Jahr zehn dieser bereits Geförderten eine Auszeichnung der Werner-Siemens-Stiftung. Sie beinhaltet einen Geldbetrag von knapp 20000 Franken und die Möglichkeit, an Netzwerkanlässen teilzunehmen. Sophia Krähenmann aus Hedingen ist eine der zehn Auserwählten. «Natürlich freue ich mich und bin auch stolz», erklärt sie im Gespräch mit dem «Anzeiger». Es gehe für sie nicht nur um das Geld, das sie für ihr weiteres Studium natürlich gut verwenden könne. «Ich habe auch eine Auszeichnung erhalten, die ich zeigen darf und soll.»
Sophia Krähenmann ist mit zwei Schwestern in Hedingen aufgewachsen. «An unserer Strasse waren wir sieben Mädchen. Wir genossen unsere Freizeit oft beim gemeinsamen Spielen am Bach oder im Wald.» Ihre Eltern haben beide ein Studium an der ETH Zürich hinter sich. «Daher lag es nahe, mich in dieselbe Richtung zu entwickeln.» Das Gymnasium absolvierte sie in Urdorf und schloss als Beste ihres Jahrgangs ab. Die Naturwissenschaften faszinierten sie während der ganzen Schulzeit. «Mathematik und Physik, aber auch Biologie und Chemie gehörten zu meinen liebsten Fächern.»
Mitarbeit in der Forschung
Da sie sich fürs Studium nicht auf ein Fach festlegen wollte, entschied sie sich für Interdisziplinäre Naturwissenschaften an der ETH. «Bei dieser Fachrichtung habe ich viele Wahlmöglichkeiten und konnte schon früh praktische Erfahrungen machen. Das ist mir wichtig. Ich bin in meinem Studium gerne nah an der Praxis.» Bei dieser Praxis gehe es um die Mitarbeit in Forschungsgruppen. «Ich forschte unter anderem an der Biofabrikation von Knorpelgewebe für Kinder mit Fehlbildungen an der Ohrmuschel.» In ihrer Bachelorarbeit behandelte sie eine Methode zur pH-Bestimmung, die für die Impfstoffherstellung relevant ist.
Jetzt hat sie ihr Masterstudium in Biomedical Engineering begonnen. Sie führt aus: «Auf Deutsch heisst das Biomedizinische Technik. Ich interessiere mich dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse umzusetzen in die Praxis, also zum Beispiel in konkrete Anwendungen im medizinischen Bereich.»
Auch hier werde sie nahe an der Praxis sein und sich mit dem menschlichen Körper auseinandersetzen. «Mein Körper ist den ganzen Tag in Bewegung. Ich finde es sehr spannend zu verstehen, was er eigentlich tut.» Technische Geräte seien logisch aufgebaut, der menschliche Körper sei nicht immer logisch. «Mich beeindruckt sehr, dass in einem gesunden Körper dauernd alles funktioniert.» Was sind ihre Pläne nach dem Studium? «Vielleicht doktoriere ich noch. Mein Ziel ist aber, einmal etwas zu tun, das angewendet werden kann und weiterhilft.»
Mitglied der Feuerwehr Hedingen
Zurzeit engagiert sie sich intensiv für die Studienstiftung und organisiert eine grosse Veranstaltung. «Die Stiftung bietet ihren rund 1000 Mitgliedern regelmässig Kurse und Treffen an. Dort kommen wir Studierenden mit spannenden Themen in Kontakt, die uns im Studium nicht begegnen.» Die Mitgliedschaft in der Studienstiftung falle einem nicht einfach in den Schoss, betont sie. «Man muss für eine Bewerbung einen Notenschnitt von mindestens 5,3 haben und nebst dem Studium Engagement im öffentlichen Bereich zeigen, also zum Beispiel in der Pfadi, in der Politik oder in Vereinen.»
Sophia Krähenmann engagiert sich neben der Ausbildung in der freiwilligen Feuerwehr Hedingen. «Das macht mir viel Freude. Ich nehme an den Übungen teil und bin auch daran, Kurse zu besuchen.» In der Feuerwehr sei sie mit ganz unterschiedlichen Menschen aus dem Dorf zusammen. «Das gefällt mir, das ist bereichernd. Zudem erlerne ich Handgriffe, die ich vorher nicht beherrschte, zum Beispiel die Bedienung einer Motorsäge.» Sie schmunzelt und ergänzt: «Es ist schön, dass ich akzeptiert werde, auch wenn ich manchmal zu wenig Kraft habe.»
Das Krafttraining gehört zu ihrem Wochenprogramm, ebenso wie das Treffen mit Freundinnen und Freunden aus dem Dorf oder dem Studium. «Bei schönem Wetter verbringen wir gerne gemeinsame Abende am Hedinger Weiher.»


