«Die Einsätze erfüllen mich mit grosser Zufriedenheit»
Corinne Rigoni ist mit viel Freude ehrenamtlich im Fahrdienst für Tixi Säuliamt tätig
Treffpunkt: Carport der Stiftung Tixi Säuliamt in Affoltern. Corinne Rigoni ist heute als Tixi-Fahrerin im Einsatz. «Ich bin immer früh genug hier, checke vor der Abfahrt das Auto und kontrolliere, ob sich alle Gurten und Sicherungen korrekt einstellen lassen.» Seit zwei Jahren engagiere sie sich im Fahrdienst für Menschen mit Beeinträchtigungen. Zu Beginn habe sie grossen Respekt gehabt vor dieser neuen Tätigkeit. «Vor allem vor der Technik im Auto. Aber ich erhielt eine sehr gute Einführung und genügend Unterstützung.» Sie betont auch die hilfreichen Weiterbildungen, die Teamanlässe und die Möglichkeiten, neue Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen zu knüpfen. Kontakt hat sie natürlich auch mit der Kundschaft, für die sie unterwegs ist. Nicht immer sei unterwegs eine Unterhaltung möglich. «Doch manchmal erfahre ich ganze Lebensgeschichten mit allen Höhen und Tiefen.» Das oberste Gebot sei für sie, ihren Kundinnen und Kunden mit Freundlichkeit und Wertschätzung zu begegnen, ganz unabhängig von deren Beeinträchtigung. Sie fahre oft mit betagten Menschen zum Arzt oder ins Spital für einen Untersuch. «Zu meiner Kundschaft gehören aber auch jüngere Personen, die im Rollstuhl sind, und zum Beispiel zu einem Fest oder einem Fussballmatch gebracht werden möchten.» Sie ergänzt: «Und auch mit Kindern, die Spezialschulen besuchen, bin ich unterwegs.»
Corinne Rigoni übt diese ehrenamtliche Tätigkeit gerne aus. Es macht ihr Freude, anderen Zeit zu schenken. «Die Einsätze erfüllen mich mit grosser Zufriedenheit. Ich kann etwas Sinnvolles tun und erhalte immer viel zurück, ein Lächeln oder ein Danke. Zudem wird mir dabei auch bewusst, wie gut es mir geht.»
Sitzen Sie bequem?
Die Fahrt beginnt. Das Ziel ist ein benachbartes Dorf im Säuliamt. Dort holt Corinne Rigoni eine betagte Dame im Rollstuhl ab, die einen Therapie-Termin im Spital hat. Sorgfältig schiebt sie mithilfe einer Rampe den Rollstuhl ins Auto und sichert ihn von allen Seiten. Bevor sie den Motor startet, erkundigt sie sich noch nach dem Wohlbefinden der Kundin. «Sitzen Sie bequem, ist alles gut?» Sie fährt achtsam und vermeidet abruptes Abbremsen. «Das wäre für die Kundin sehr unangenehm.» Im Spital schiebt sie die Dame im Rollstuhl bis zur Abteilung, wo der Termin vereinbart ist. Dann hat sie eine Pause.
Bei einem Kaffee berichtet sie von ihrem eigenen Leben. Aufgewachsen ist sie mit einer Schwester in der Stadt Zürich. Nach der Schule und einem zehnten Schuljahr entschied sie sich, die Lehre als Apothekerhelferin – heute Pharmaassistentin – zu absolvieren. «Meinen heutigen Mann lernte ich bereits damals während der Lehre kennen, im Ausgang in einer Disco. Wir zogen kurz vor meiner Lehrabschlussprüfung bereits zusammen.» Sie lacht. «Wir kennen uns nun schon seit 47 Jahren und sind seit 40 Jahren verheiratet.» Ihren neu erlernten Beruf übte sie damals aber kaum aus, sondern arbeitete bei ihren Eltern im Geschäft für Hotelleriebedarf mit.
Reisen und Sport
Das junge Paar heiratete, und zur Familie gehörten bald zwei Töchter. «Wir zogen 1988 ins Säuliamt und wohnten zuerst viele Jahren in Aeugst. Es war schön, von der Stadt aufs Land zu kommen. Es zog mich nicht mehr zurück nach Zürich.» Als die Kinder etwas grösser waren, machte sie eine Ausbildung als Fitnessinstruktorin und arbeitete viele Jahre in Hedingen. Seit 15 Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Affoltern, und während dieser Zeit begann sie, wieder in ihrem ursprünglichen Beruf als Pharmaassistentin tätig zu sein. «Das war eine neue Herausforderung für mich, denn vieles hatte sich verändert, zum Beispiel der Umgang mit der digitalen Erfassung, aber auch die Medikamente.» Doch sie stelle sich gerne neuen Herausforderungen und habe sich bei der Arbeit immer auch über den Kontakt zu den Menschen gefreut.
«Als ich mich vor gut zwei Jahren frühzeitig pensionierte, wusste ich bereits, dass ich noch etwas tun möchte. Tixi Säuliamt sucht immer neue Fahrerinnen und Fahrer. Darum bin ich jetzt hier.» Bevor die Kaffeetasse leer ist, berichtet Corinne Rigoni auch von ihrer Enkelin und von der Freizeit, in der sie gerne mit ihrem Mann unterwegs ist. «Wir treiben oft Sport, gehen wandern oder im Winter Ski fahren, und wir unternehmen immer wieder grössere Reisen. Ein Sprachaufenthalt auf Malta und eine Reise nach Südafrika sind bereits geplant.
Inzwischen ist es Zeit, die Kundin wieder abzuholen. Corinne Rigoni fährt mit dem Lift in den obersten Stock des Spitals und kehrt nach einiger Zeit mit der Dame zurück. Sie sichert den Rollstuhl wieder sorgfältig und bringt die Kundin nach einer ruhigen Fahrt nach Hause zurück. Beim Abschied an der Wohnungstür erhält sie ein Lächeln und ein leises, aber herzliches «Danke».
In der Serie «Menschen im Säuliamt» berichtet Marianne Voss in loser Folge aus dem Leben von Menschen – ob jung oder alt, ob berühmt oder unbekannt –, die im Säuliamt wohnen oder hier ihren Arbeitsplatz haben. (red)






