Sport
11.07.2019

«Der WM-Wimpel von Andy Egli hängt noch immer bei mir zuhause»

WB-Urgestein Oliver Hedinger auf der Baustelle im Wettswiler Moos, wo der neue Hauptplatz noch diesen Monat fertiggestellt sein dürfte. <em>(Bild Kaspar Köchli)</em>

WB-Urgestein Oliver Hedinger auf der Baustelle im Wettswiler Moos, wo der neue Hauptplatz noch diesen Monat fertiggestellt sein dürfte. (Bild Kaspar Köchli)

Der FCWB feiert heuer sein 40-Jahr-Jubiläum. Offizielles Fest, sowie Einweihung des neuen Kunstrasens, sind am Wochenende des 7./8. Septembers. Praktisch seit der Gründung dabei ist Vorstandsmitglied Oliver Hedinger.

Von Kaspar Köchli

«Anzeiger»: Der FC Wettswil-Bonstetten feiert sein 40-Jahr-Jubiläum – Sie sind ein Urgestein des Vereins.

Oliver Hedinger: Urgestein? Das tönt uralt… (er lacht). Mein Debüt im FCWB gab ich 1980 bei den E-Junioren. Dann wollte man mich zu früh ins D raufnehmen, worauf ich nochmals zwei Jahre pausierte. Seit 1984 bin ich ununterbrochen Mitglied. Als ich dem C-Alter entwuchs, hatte WB weder B-, noch A-Junioren und auch keine 2. Mannschaft. Ich ging mit meinem damaligen Trainer Reto Meili leihweise zu Turicum und durfte dort mit den A-Junioren sogar mal bei der 1. Mannschaft (mit Stephan Zollinger und «Turbo»-Ruedi Elsener) mittrainieren. Nach dem einen Zürich-Jahr führte WB dann wieder B-Junioren und ich kehrte umgehend zu meinem Heimklub zurück.

Seit wann sind Sie im Vorstand, welches Ressort?

Seit Sommer 2000 gehöre ich dem Vorstand an. Damals wollte man nebst Stephan Zollinger einen zweiten Vertreter aus der 1. Mannschaft im Vorstand haben. Ich schrieb davor bereits Matchberichte und teils Spiel-Vorschauen. So wurde ich für PR/Medien zuständig. Unterdessen beinhaltet dies die ganze Planung zu WB-Vorschauseiten im «Anzeiger», Matchprogrammen, Spielberichten, Newslettern, Website, Flyers usw. Ganz neu ist nun das FCWB-Magazin «Rot Schwarz» dazugekommen. Da ich selbst leider nur noch selten an den Spielen bin, funktioniert alles nur so gut, weil ich eine tolle Crew von «Schreiberlingen» habe.

Wie lange waren Sie selber auf dem grünen Rasen aktiv?

Ich machte die ganze Juniorenabteilung durch und spielte dann vier bis fünf Jahre im «Zwei». Wir erreichten im Sommer 1996 erstmals den Aufstieg in die 4. Liga. Darauf stiess ich mit 23 Jahren in die 1. Mannschaft und bestritt dort zehn Spielzeiten. Wir wechselten munter von der 2. in die 3., wieder in die 2., wieder in die 3. Liga. Zum Abschluss meiner Aktivzeit durfte ich nochmals einen Aufstieg bejubeln: 2006 gings zurück in die 2. Liga und seither bekanntlich ja nur noch aufwärts. Ich spielte dann noch bei den Senioren, verletzte mich allerdings gravierend am Meniskus und musste Jahre später ganz aufhören.

Nach seiner Gründung wurde WB vom grossen Bruder FC Affoltern lange belächelt. Ehe dieser nun im Schatten von euch steht. Wie haben Sie die damalige Rivalität erlebt?

Die Rivalität war früher – zumindest gefühlt – recht gross. Die Spiele gegen «Affzgi» waren immer echte Derbys. Dabei habe ich mehrheitlich schlechte Erinnerungen, meine persönliche Bilanz gegen den FCA dürfte deutlich negativ sein. Umso mehr Freude hatte ich, als das Blatt sich wendete und wir zur Nummer 1 im Amt wurden. Heute fände ich es aber spannender, wenn der FC Affoltern wieder erstarken würde und es attraktive Derbys, zumindest auf regionalem Level in der 2. Liga, gäbe.<em/>

Die witzigste Episode in all den Jahren?

Uii, da gibt es viele… Eine bleibende Erinnerung habe ich an einen «Chlausnamittag» 1985. Ein Highlight für uns Junioren! Stets wurde Schweizer Fussballprominenz eingeladen und nun war Andy Egli zu Gast. Er hatte damals nach zwei Jahren Borussia Dortmund gerade wieder zurück zu den Grasshoppers gewechselt, immer unter Trainer Timo Konietzka. Er brachte einen grossen WM-Wimpel mit, darauf alle Originalunterschriften der damaligen Schweizer Nati-Spielern. Und er vergab den Wimpel dem Kind, das die spannendste oder lustigste Frage stellte. Ich nahm all meinen Mut eines 12-Jährigen zusammen, streckte auf und sagte, er habe ja bei GC unter Konietzka gespielt, sei ihm dann zur Borussia gefolgt und nun auch mit dem Trainer wieder zurück zu GC gekommen. Ob er denn auch zum FCWB käme, wenn Konietzka engagiert würde. An seine Antwort kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr genau erinnern; ich glaube, er hat dies bejaht – auf jeden Fall hängt der Wimpel mit all den Unterschriften noch immer bei mir zu Hause.

Gab es ein speziell peinliches Erlebnis?

Tja, das war sportlich wohl meine erste Saison in der 1. Mannschaft. Nach einem grossen Umbruch im Team stiegen wir aus der 2. Liga ab – mit nur vier Punkten, resultierend aus vier Unentschieden, ohne einen einzigen Sieg. Diese Schmach machten wir aber gleich in der Saison darauf wieder wett, als wir bereits vier Runden vor Schluss als Aufsteiger feststanden und gegen den damaligen Zweiten, den FC Altstetten, gleich mit 7:1 triumphierten.

Wie viele verschiedene WB-Präsidenten und -Vorstandskollegen haben Sie erlebt?

Präsidenten ist einfach. Ich startete, als Remo Illi amtete, erlebte die ganze «Präsi»-Zeit von Adi Gallmann und geniesse jetzt die Zusammenarbeit mit Markus Fischer. Bei den Vorstandskollegen wirds etwas schwieriger, da müsste ich genauer über die Bücher. Für die lange Dauer und Vereinsgrösse sind es aber aus meiner Sicht nicht so viele. Aktuell als einziger noch länger im Vorstand als ich, ist übrigens Stephan Zollinger, unser Sportchef und Vizepräsident.

Hat Ihnen in den vielen Jahren jemand ganz besonders imponiert?

Da könnte ich aktuell ganz viele Leute aus dem Vorstand und viele Funktionäre nennen, das dauert aber zu lange. Ich greife auch hier wieder auf die Juniorenzeit zurück. Damals war Köbi Schweizer phasenweise mein Trainer und auch lange für die Juniorenabteilung verantwortlich. Er hat mit ausserordentlicher Freude und grossem Enthusiasmus alle zum Fussball animiert, war immer positiv gestimmt und hat mir sportlich und menschlich viel mit auf den Weg gegeben.<em/>

WB I ist in der 1. Liga top, WB II in der 2., neu sind WB III und WB IV in die 4. Liga aufgestiegen. Zudem spielen die Junioren A und B in der höchsten, der Coca-Cola-Liga. Wie erklären Sie den derzeitigen Riesenerfolg?

Jetzt komme ich halt doch auf die vielen fleissigen und vor allem auch kompetenten Leute im Vorstand, bei den Trainern und im Umfeld des FCWB zurück. Dabei gilt es nicht einzelne zu nennen, sondern das Kollektiv. Der FCWB hat es aus meiner Sicht geschafft, einen echten Verein zu bilden, in dem sich die Mitglieder wohlfühlen und bereit sind, grossen Einsatz zu leisten. Das schlägt sich letztlich auch auf die sportlichen Erfolge nieder, zumal man seit vielen Jahren in der Juniorenabteilung konsequent die aufgesetzten Konzepte verfolgt und umsetzt.

Pläne und Zielsetzungen für die Zukunft?

Mir macht es grossen Spass, ein Teil des FCWB zu sein. Ich wünsche mir, dass Engagement und Enthusiasmus noch lange für den gesamten Verein gemeinsam aufrechterhalten bleiben.