160 Unterschriften gegen Leistungsabbau
Vor allem an der Peripherie des Säuliamts werden derzeit eifrig Unterschriften gegen geplante Fahrplanänderungen des Zürcher Verkehrsverbundes gesammelt. Uerzlikon und Kappel sind ebenfalls davon betroffen.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) macht es einem nicht einfach, will man sich über die geplanten Fahrplanänderungen fürs kommende Jahr informieren. Zwar wurde extra eine Homepage mit dem sinnigen Namen fahrplanentwurf.ch aufgeschaltet. Dort kann man nach Ortschaft und Liniennummer nach den eigenen Verbindungen suchen. Neue Linien, wie beispielsweise die 281, ein geplanter Direktbus von Hausen über Ebertswil nach Kappel Allenwinden, der Uerzlikon auslässt und direkt nach Baar fährt, findet man jedoch auf fahrplanentwurf.ch nicht. Dazu muss man sich umständlich auf der ZVV-Homepage bis zum Fahrplanverfahren (zvv.ch/fahrplanverfahren) durchklicken. Erst dann erscheint der ominöse neue Postautokurs 281, sogar dem bestehenden 280er gegenübergestellt.
Für die Uerzliker und Teile der Kappeler Postauto-Fahrgäste würde das in Zukunft heissen: Uerzlikon Dorf und Weid sowie die Bushaltestelle beim Kloster Kappel haben künftig nur noch den Stundentakt. Sie werden von täglich sieben Postautos, die auf dem Schnellkurs 281 direkt von Kappel Allenwinden in die Bachtalerhöhe fahren, ausgelassen. Es sei denn, man fährt mit dem Postauto von Uerzlikon zuerst nach Kappel und steigt in den Allenwinden um. Dann kommt man auch in kürzeren Zeitintervallen nach Baar an den Bahnhof. Das funktioniert aber nur tagsüber und nicht zu den Stosszeiten morgens und abends, wenn die Sitzplätze jeweils besonders knapp sind.
Fahrplankürzung nicht akzeptierbar
Für Carmela Enz, die mit ihrem Mann Edy erst vor ein paar Monaten nach Uerzlikon gezogen ist – unter anderem wegen der guten Verbindungen des öffentlichen Verkehrs –, ist die geplante Fahrplanänderung nicht akzeptabel. Entdeckt hat sie Pläne durch Zufall: «Mein Mann ist im Zug zwischen Frankreich und der Schweiz steckengeblieben. Beim Googeln nach Fahrplänen bin ich dann irgendwann auf die Änderungen aufmerksam geworden. Ohne Browserverlauf hätte ich sie im Internet jedoch kaum ein zweites Mal gefunden.»
Die neuen Fahrpläne, die ab 2016 in Kraft treten sollen, waren für sie jedoch zunächst nicht nachvollziehbar. Sie hat sich deshalb Hilfe bei ihrem Nachbarn Willy Fraefel geholt, der sich als früherer Postmitarbeiter und langjähriger Einwohner von Uerzlikon besser mit Fahrplänen und den örtlichen Begebenheiten auskennt. Enz begann darauf, im Ort Unterschriften zu sammeln und stiess bald auf Gleichgesinnte. Mindestens 160 Unterschriften sind so zusammengekommen.
Auch im Kloster Kappel war man sich der geplanten Fahrplankürzung zunächst nicht bewusst. Ein Leistungsabbau würde nicht begrüsst, erklärte der langjährige Geschäftsführer des Seminarhotels, Jürgen Barth, auf Anfrage des «Anzeigers»: «Wir haben lange für gute Postautoverbindungen gekämpft. Rund ein Drittel unserer Gäste reist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an.» Jährlich zähle die Hotellerie 17000 bis 18000 Logiernächte. Dazu komme, dass viele Kloster-Besucher nicht mehr gut zu Fuss seien. Eine Haltestelle mit möglichst guten Verbindungen in der Nähe des Klosters sei deshalb unumgänglich und ein wichtiger Attraktivitätsfaktor.
Ältere Menschen haben Mühe
Willy Fraefel kann sich vorstellen, weshalb die Fahrplanänderung ins Auge gefasst worden ist: «Viele Leute lösen ihr Billett im Postauto. Das führt zu Verzögerungen im dichten Fahrplan und kann sogar zur Folge haben, dass die Fahrgäste ihre Züge in Baar verpassen, weil das Postauto zu spät dran ist.» Ticket-Automaten an den Haltestellen könnten dieses Problem beseitigen. Günstiger wäre aber die Nutzung von Internet und Handy-Apps. Wenn er jeweils die grosse Anzahl Fahrgäste sehe, die zu den Stosszeiten morgens und abends an der Haltestelle vor seinem Haus in Uerzlikon aufs Postauto warteten, könne er den Unmut über die geplante Fahrplankürzung verstehen. Fraefel gibt noch etwas anderes zu bedenken: «Viele ältere Leute kommen mit der Hektik der kurzen Umsteigezeiten im öffentlichen Verkehr nicht mehr zurecht.» Er, der selber zehn Jahre Chauffeur fürs Rote Kreuz war, bietet deshalb immer mal wieder älteren Menschen auch seine privaten Fahrdienste an (044 764 15 32).
Die zuständige Kappeler Gemeinderätin Rosmarie Gantenbein wurde bereits von verschiedenen Einwohnern auf den neuen Fahrplan angesprochen. Sie sagt: «Das Problem ist bekannt. Wir werden die Begehren an der nächsten Gemeinderatssitzung behandeln und an den ZVV weiterleiten.»


