Anhaltende Diskussion um Stalliker Schulraum-Projekt
Infoabend deutet auf spannende Urnenabstimmung im September hin

Sind die Meinungen zum geplanten Neubau von Mehrzweckhalle, Schulhaus und «Generationenplatz» in Stallikon etwa schon gemacht? Der Publikumsaufmarsch am vergangenen Mittwoch an einer Informationsveranstaltung fiel jedenfalls verhältnismässig bescheiden aus. Nur rund 70 Personen wollten mehr wissen über das immerhin grösste Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde. So beträgt der von Gemeinderat und Schulpflege beantragte Baukredit 21.1 beziehungsweise 21.9 Millionen Franken, je nach Variante. In der etwas teureren Variante ist ein Sport- und Freizeitplatz mit öffentlichem WC («Generationenplatz») enthalten, in der anderen Variante würde dieser vorläufig nicht realisiert. Der Entscheid fällt am 27. September an der Urne.
Was sich nach dem Mittwochabend feststellen lässt: Gemeinderat, Schulpflege und Baukommission sind von der Dringlichkeit und Zweckmässigkeit des Projekts weiter überzeugt. Gemeindepräsident Reto Bernhard sprach einleitend von einer «zukunftsweisenden Lösung für die Schul- und Gemeinschaftsinfrastruktur».
Ebenso überzeugt ist allerdings auch eine Gruppe von kritischen Stimmbürgern, dass der Schulhausneubau überflüssig und in der geplanten Form zu teuer ist. Welche der beiden Seiten die Mehrheit der Stimmbevölkerung hinter sich hat, lässt sich nach dem Infoabend nicht abschätzen. Am Infoabend war die Zahl der Kritiker, die sich zu Wort meldeten, klar in der Minderheit.
Der Schulhausneubau (angebaut an das bestehende Schulhaus «Pünten») sieht einen zweistöckigen Anbau mit vier Klassenzimmern vor, zwei Kindergärten, einen Singsaal und Nebenräume. Er könnte bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt um einen Stock erweitert werden. Wie Schulpräsident Mattias Kaister am Mittwoch erklärte, fehlen der Schule 19 Prozent der notwendigen Fläche. Diesen zusätzlichen Raum hätte es eigentlich schon vor zehn Jahren gebraucht – und nicht erst in zehn Jahren. Mit der absehbaren Realisierung des Wohnbauprojekts Landgarten werde zudem das 1840 erbaute Schulhaus Dorf (drei Zimmer) wegfallen und das Platzproblem weiter verschärft.
Kritiker bezweifeln Notwendigkeit von Schulhaus
Die Kritiker bestreiten dennoch die Notwendigkeit des Neubaus. Sie verweisen dabei auf die Entwicklung der Schülerzahlen in Stallikon. Tatsächlich gehen die Prognosen – vorübergehend – von sinkenden Zahlen aus. Erst ab 2030 dürften sie wieder steigen.
Die Kritik ist nicht neu. Eine kleine Gruppe von Stimmbürgerinnen hatte vor einigen Wochen eine Petition gegen das Projekt lanciert («Anzeiger» vom 22. Mai 2026: «Wir bitten den Gemeinderat, eine günstigere Variante einzulegen»). Darin wurde eine Verschiebung der Urnenabstimmung verlangt und eine Aufteilung des Projekts in separate Abstimmungsvorlagen. Zudem wurde die Prüfung des Schulhausneubaus in Modulbauweise verlangt. Der Gemeinderat wies die von 134 Personen unterzeichnete Petition aber vollumfänglich ab («Anzeiger» vom 7. Juli 2026: «Gemeinderat beurteilt Petition negativ»).
Am Mittwoch äusserte vor allem der frühere Gemeinderat Werner Pfenninger umfassende Kritik am geplanten Schulhausneubau. Er verwies dabei auf die Schülerzahl-Prognosen von Gemeinderat und dem Planungsbüro Eckhaus. Beide rechnen mit einem Rückgang von aktuell 384 Schülerinnen und Schülern auf rund 320 im Jahr 2030 (minus 17 % bzw. minus 16 %). Mit später stark steigenden Zahlen sei nicht zu rechnen, so Pfenninger, zumal es «in Stallikon fast kein freies Bauland mehr gibt». Pfenninger: «Wir brauchen kein neues Schulhaus.» Von Petitionärsseite wurde überdies auf die rekordtiefen Geburtenzahlen in der Schweiz hingewiesen.
Der Bau der geplanten Mehrzweck-/Sporthalle wird von den Kritikern hingegen uneingeschränkt befürwortet. Es sei «peinlich», dass ein Drittel der Stalliker Schülerinnen und Schüler aus Platzmangel derzeit für den Turnunterricht in drei Nachbargemeinden ausweichen müsste, so Pfenninger.
Kurzfristige Schülerzahl-Prognosen «unsinnig»
Peter Ess, Präsident der Stalliker Baukommission und ehemaliger Direktor des Amts für Hochbauten in Zürich, bezeichnete Pfenningers Schülerzahlen-Argument in einer Replik schlicht als «Unsinn». Schulhäuser würden mit einem Planungshorizont von 20, 30 Jahren geplant – nicht von einigen wenigen Jahren. Votanten aus dem Publikum bezeichneten Pfenningers Bauland-Berechnungen überdies als falsch und unvollständig. Von verschiedenen Seiten wurde auch darauf hingewiesen, dass die Schule von heute wegen der neuen Unterrichtsformen und Vorgaben (u. a. integrative Schule) einen viel grösseren Raumbedarf habe als in der Vergangenheit.
Dass die Schülerzahlen bis 2030 zurückgehen, wurde vom Gemeinderat nie bestritten. Er geht aber davon aus, dass die Zahlen ab 2030 wieder steigen werden, auf 397 Schülerinnen und Schüler im Jahr 2040/41.
Ess verwies in diesem Zusammenhang auf ein generelles Prognose-Problem hin: Solche Prognosen fokussierten stark auf Neubauten und berücksichtigten zu wenig, dass viele ältere Personen (Babyboomer-Generation) in den nächsten Jahren ihre Häuser verkaufen und für junge Familien mit Kindern Platz machen werden.
Theoretisch hätte es Platz für 6000 Einwohner
Dass Stallikon kaum mehr wachsen könne (und somit die Schülerzahlen nicht mehr gross ansteigen), wurde von Gemeindepräsident Reto Bernhard grundsätzlich in Abrede gestellt. So habe es in Stallikon theoretisch, bei voller Ausreizung der sogenannten Ausnützungsziffer, Platz für 6000 Einwohnerinnen und Einwohner (aktuell: zirka 3900).
Auch Bernhard wies auf den absehbaren Wegfall des Schulhauses Dorf wegen des Projekts Landgarten hin. Anders als von Pfenninger dargestellt, gebe es keinen Hinweis darauf, dass die geplanten 39 Familienwohnungen und 36 Alterswohnungen im Dorfzentrum nicht in die Tat umgesetzt werden. Im Gegenteil, die Planungsarbeiten seien weit fortgeschritten und würden fortgesetzt.
Die Aufteilung des geplanten Schulraum-Projekts in drei verschiedene Abstimmungsvorlagen und damit eine Etappierung – zuerst Mehrzweckhalle/Sporthalle, später Schulhaus und «Generationenplatz» – wies Bernhard zurück: «Wir müssten zurück auf Feld zwei». So bräuchte es unter anderem einen weiteren Kredit, um die Ausschreibungen anzupassen. «Dies hätte Kosten von zig Hunderttausend Franken zur Folge und eine Verzögerung für das ganze Projekt von zwei bis drei Jahren.» Auch das Bauen selber würde durch eine Etappierung deutlich komplizierter. Die Baustellenzufahrt könnte nicht mehr allein über die Kantonsstrasse erfolgen, sondern müsste über die Püntenstrasse führen – mit entsprechenden Folgen für den Schulbetrieb und die dortigen Anwohnerinnen und Anwohner.
Keine Steuererhöhung notwendig
Sollte das Stalliker Stimmvolk dem von Gemeinderat und Schulpflege beantragten Baukredit am 27. September zustimmen, könnte bereits im Januar 2027 mit ersten Arbeiten begonnen werden. Die Baubewilligung liegt vor, mehrere Bauverträge sind bereits unterschriftsreif. Gemäss gemeinderätlichem Zeitplan könnten Schulhaus und Mehrzweckhalle im Sommer 2028 in Betrieb genommen werden.
Wie bereits berichtet, könnte Stallikon das Grossprojekt ohne Steuererhöhung stemmen («Anzeiger» vom 7. Juli 2025). Gemeinderat Nino Ciganovic erklärte am Mittwoch, dass die Gemeinde zwar rund 70 Prozent der Kosten fremdfinanzieren müsste (Schulden). Aufgrund der guten Finanzlage der Gemeinde und der sprudelnden Steuereinnahmen sei dies aber ohne Erhöhung des Steuerfusses realisierbar.


