16 200 neue Einwohnende bis 2050

Kanton Zürich rechnet innert 25 Jahren mit einem Bevölkerungswachstum von 27 Prozent

Die Grafik zeigt, wie stark die Säuliämtler Gemeinden seit 1950 gewachsen sind. (Grafik Salomon Schneider)

Das Raumplanungsgesetz sieht vor, dass 80 Prozent des Bevölkerungswachstums in urbanen Gebieten stattfinden soll. Der Regionale Richtplan legt für das Knonauer Amt nur Affoltern als urbanen Raum fest.

Wie geduldig Papier ist, zeigt sich bei den Wachstumszahlen von 2020 bis 2023 in den Säuliämtler Gemeinden. Affoltern ist um gut 200 Einwohnende gewachsen, Ottenbach um 150, Mettmenstetten um 250, Knonau um 50 und Kappel um 80. Kappel ist in drei Jahren um 6,2 Prozent gewachsen, Affoltern um 2,3 Prozent. Bonstetten und Wettswil sind gar nicht gewachsen. Dies liegt vor allem daran, dass es im Raum Schachen, wo das Wachstum stattfinden soll, nur noch eine freie Bauzone gibt, die eine kleinere Überbauung ermöglichen würde. In Affoltern gibt es in den Gebieten Hasel und Wiberg noch grössere Bauzonen, wo jedoch nur zwei Vollgeschosse erlaubt sind. Hinter dem Bahnhof Affoltern wären vier Vollgeschosse erlaubt. Da dort jedoch bereits Dutzende Einfamilienhäuser stehen, die alle unterschiedlichen Besitzenden gehören, ist aufgrund der Grundstückabstands- und Schattenwurfregelungen keine relevante Verdichtung möglich, wenn sich nicht mehrere benachbarte Einfamilienhausbesitzende entscheiden, ihre Parzellen gleichzeitig an denselben Investor zu verkaufen. Wenn nur eine Partei dazu nicht bereit ist, kommt keine verdichtete Überbauung zustande. Dies ist bei solchen Verhandlungen der Regelfall.

In den 1960er- und 1970er-Jahren konnten neue Gebiete fast unbeschränkt eingezont werden und neben den Säuliämtler Bahnhöfen gab es fast überall noch grüne Wiesen, da die Bahnhöfe weit von den Dorfzentren entfernt gebaut worden waren und sich die Siedlungsgebiete langsam in ihre Richtung entwickelten. Deshalb war eine solche Bevölkerungsexplosion möglich. Mit dem heutigen Raumplanungsgesetz sind Einzonungen nur noch möglich, wenn in derselben Gemeinde eine gleich grosse Fläche ausgezont wird. Ein interkommunaler Austausch oder eine Börse für Baulandabtausch über Gemeinde- oder sogar Kantonsgrenzen hinaus ist nicht vorgesehen. Die Folge davon ist, dass dort gebaut wird, wo es noch Bauland gibt und nicht in gut erschlossenen Gebieten, die viele Arbeitsplätze bieten.

Der Kantonsrat muss einen Gegenvorschlag entwickeln

Wenn die Politik hier nicht nachbessert, werden immer mehr Arbeitnehmende längere Arbeitswege in Kauf nehmen müssen und immer mehr Säuliämtler Familien werden für den Traum von der Eigentumswohnung ins Aargau ziehen müssen. Eine mögliche Lösung wäre ein beispielsweise der ZKB angegliederter Staatsfonds, der ein Vorkaufsrecht für alle ausserfamiliären Landverkäufe hat. Damit würde die Chance steigen, dass mehrere kleine Parzellen demselben Käufer verkauft würden und damit könnten auch in Einfamilienhaus­quartieren verdichtete Wohnsiedlungen entstehen. Eine diesbezügliche Initiative ist bereits lanciert. Da sie einen radikalen Eingriff in die Eigentumsrechte bedeuten würde, ist zu hoffen, dass der Kantonsrat einen mehrheitsfähigen Gegenvorschlag entwickelt.

Hier gehts zum zweiten Teil der Geschichte.

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