2016 kein Strassenfest in Affoltern
Vereinigung Obere Bahnhofstrasse kritisiert die vielen Auflagen und hohen Gebühren – und schaltet Pause ein

«Heimat uf de Strass» – so lautete das Motto des diesjährigen Strassenfests, das Ende Mai an zwei Tagen an der Oberen Bahnhofstrasse über die Bühne ging. Die Voba bot einen bunten Mix mit zahlreichen regionalen und internationalen Musikern, traditionellen Showeinlagen und zahlreichen Gastrobetrieben – und stiess damit, auch dank Wetterglück, auf eine grosse Resonanz. Bis tief in die Abendstunden waren die langen Bankreihen auf der Strasse sehr gut frequentiert. «So etwas müsste es öfters geben», zitierte der «Anzeiger» einige Besucherinnen und Besucher.
Umfangreiche Auflagen der Gemeinde
Im nächsten Jahr müssen die Fans solcher Events jedoch vertröstet werden. Die Voba schaltet eine Pause ein – und das nicht etwa deshalb, weil die Organisatorinnen und Organisatoren festmüde sind. Zwar resultierte aus dem zweitägigen Fest dank grossem Effort einzelner Mitorganisatoren sowie Sposoring ein kleiner Reingewinn, wodurch die von der Gemeinde gesprochene Defizitgarantie nicht in Anspruch genommen werden musste. Aber schon wenige Tage danach wurde die Gemeinde bei den Organisatoren vorstellig und präsentierte Fotos, mit denen akribisch genau dokumentiert wurde, was nicht reglementskonform ist: Da wurde blaue Farbe auf dem Boden moniert, ein paar leere Flaschen, die unter Bänken lagen, und der Mangel an WCs, die im übrigen nicht gekennzeichnet gewesen sein sollen. Insgesamt, warfen Gemeindevertreter ein, habe der Regiebetrieb während vier Stunden den Marktplatz aufräumen müssen. «Dabei war die Unordnung nicht grösser als an einem Wochenende ohne Fest», hält OK-Mitglied Susanne Crimi fest.
Die Gemeinde machte schliesslich umfangreiche Auflagen geltend, die für ein nächstes Fest gelten. In einem achtseitigen Konzept ist zum Beispiel dargelegt, wie die Beschilderung der Tiefgarage zu erfolgen hat, die Kollisionsgefahr sei bei Gegenverkehr latent. Die Feuerwehr fordert eine Mindestdurchfahrbreite von 3,5 Metern.
«Alle diese Auflagen sind mit Mehrkosten verbunden. Weil die Finanzierung eines solchen Festes durch Sponsoren und Platzgebühren erfolgt und der Aufwand für ein so kleines OK enorm ist, haben wir uns entschieden, im nächsten Jahr eine Pause einzulegen», hält die Voba fest. «Wir haben das Gefühl, dass die Gemeinde gar kein Interesse hat an solchen Festen und nicht mehr zur Kenntnis nehmen will, dass die Voba sich seinerzeit für die Realisierung einer Begegnungszone eingesetzt hat. Und seither in kultureller Hinsicht einiges leistet», halten Voba-Präsidentin Barbara Roth und Susanne Crimi fest.
Im gleichen Atemzug wird auch kritisiert, dass die Gemeinde für den 20. Chlausmärt, der am kommenden Sonntag über die Bühne geht, erstmals Standmieten verlangt – 1200 Franken. Das könne nur durch Einsparungen gedeckt werden, heisst bei der Voba.
Gleichbehandlung der Festorganisationen
Gemeindepräsident Clemens Grötsch wendet ein, dass sich die Gemeinde den Strassenfestorganisatoren einen Sockelbeitrag und eine Defizitgarantie zugesichert habe. Und er erwähnt die Gebührenordnung mit klaren Tarifen, die für alle Festorganisationen gleich gelten. Nicht zuletzt unter dem Spardruck wurde die Verwaltung auch angewiesen, die erbrachten Leistungen – vorwiegend durch den Regiebetrieb – zu verrechnen. «Wir wollen hier volle Transparenz. Man darf bei den einen nicht etwas gratis durchgehen lassen, was bei anderen verrechnet wird.
Bei einheimischen Organisationen gelten zudem tiefere Tarife als für auswärtige, sagt Clemens Grötsch. Selbstverständlich sei die Gemeinde bereit, mit Organisationen über eine Beteiligung an einer Veranstaltung zu sprechen, so der Gemeindepräsident.


