Geflutete Strassen, volle Keller

In Affoltern legte das Gewitter die Golfanlage lahm, in Ottenbach musste der Camping-Platz evakuiert werden. Und auch an mehreren anderen Orten war der Einsatz der Feuerwehr gefragt.

Ottenbacherstrasse unter Wasser: In Zwillikon rückte die Feuerwehr am Dienstagvormittag aus. (Bild Thomas Stöckli)
Ottenbacherstrasse unter Wasser: In Zwillikon rückte die Feuerwehr am Dienstagvormittag aus. (Bild Thomas Stöckli)

In der Nacht auf Dienstag, um zirka 1.30 Uhr, fegte ein heftiger Gewittersturm über den Kanton Zürich. Es regnete, hagelte und blitzte, nicht besonders lange, aber umso intensiver. Bald schon klingelte bei Schutz und Rettung Zürich das Telefon – rund 1000 Anrufe wurden innerhalb einer Stunde registriert. Gemeldet wurden überflutete Keller und umgestürzte Bäume, zertrümmerte Autos oder beschädigte Starkstrom­leitungen. Betroffen waren vor allem der Westen und Norden der Stadt Zürich sowie Teile von Winterthur. Im Bezirk Affoltern blieben die Leitungen vorerst ruhig. Der Kantonspolizei wurden rund ein Dutzend kleinere Schäden gemeldet, bei Schutz und Rettung Zürich waren am Dienstagmorgen keine nächtlichen Feuerwehreinsätze im Säuliamt ­registriert­.

Dabei war zwischen 1.33 und 1.35 Uhr auch nahe der Sportanlage im Moos in Affoltern die Hölle los. Edith ten ­Siethoff, die Betreiberin des Golfplatzes, weiss das so genau, weil sie sich Bilder der Überwachungskamera angeschaut hat, um zu verstehen, was geschehen war. Sie selbst hatte die Nacht eher ruhig erlebt und erzählt, sie habe einen massiven Schock erlitten, als sie am Dienstagmorgen das Areal betreten habe. Die Blumen, die Seerosen und die Ziersträucher waren verhagelt, einzelne Bäume umgeknickt, der innig gepflegte Rasen mit Blättern verwüstet. Am massivsten aber zeigten sich die Schäden am mehrere Meter hohen Arealzaun. Der Sturm hatte die Pfähle einfach umgeknickt, der Zaun lag im Rasen. «Das darf doch nicht wahr sein!», habe sie sich gedacht, sagt Edith ten Siethoff. «Drei Jahre Arbeit, verwüstet in nur zwei Minuten.» Inzwischen wurde der Zaun provisorisch wieder aufgerichtet, aus Sicherheitsgründen wird sie ihn aber komplett ersetzen müssen.

Überschwemmungen in Zwillikon

Im Verlauf des Dienstags rückte dann auch die Stützpunktfeuerwehr Affoltern zu mehreren Einsätzen aus. In Zwillikon führten die enormen Wassermassen von Hofibach und Jonenbach auf der Ottenbacherstrasse zu Überschwemmungen und in einem nahe gelegenen Haus zu einem Schaden. Die Strasse musste vorübergehend gesperrt und das Wasser mit Sandsäcken und Brettern kanalisiert werden. Auch an der Alten Hedingerstrasse in Affoltern mussten Keller ausgepumpt und Wassersperren errichtet werden. Insgesamt hatte die Stützpunktfeuerwehr Affoltern bis am Donnerstagmorgen rund ein Dutzend Einsätze. Nachtschichten habe es bisher nicht gebraucht, sagt Kommandant Alexander Smolinsky. Am Mittwochabend schätzte er die Lage als «entspannt» ein, und auch die folgende Nacht sei ruhig verlaufen, teilte er am Donnerstagmorgen mit. Gleichwohl sei man noch bis mindestens am Samstag in erhöhter Alarmbereitschaft.

Vorbereiten auf das, was noch kommt

Nicht nur in Alarmbereitschaft, sondern mitten in den Evakuierungsarbeiten war Daniel Blanc am Mittwochnachmittag. Er betreibt den Camping Reussbrücke in der dritten Saison und ist nun zum ersten Mal von Hochwasser betroffen. Die letzten Tage haben an seinen Kräften gezehrt; am Dienstagabend hatte sein Camping-Platz einen Meter unter Wasser gestanden.

Bis am Donnerstagmorgen war der Grossteil des Wassers zwar abgepumpt und die Lage gemäss Feuerwehr Ottenbach stabil. Doch zum Aufatmen ist es noch zu früh. «Da kommt noch mehr Wasser», weiss auch Daniel Blanc. Werden in Luzern die Schleusen geöffnet, wird die Reuss in Ottenbach wieder über die Ufer drücken und den Campingplatz erneut unter Wasser setzen. Deshalb ist Blanc derzeit daran, die Mieter der festen Standplätze abzutelefonieren, damit die Wohnwagen in Sicherheit gebracht werden können, bis die nächste Flut kommt.

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